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Hamburg-Lübecker Chaussee

Die 1843 eröffnete Hamburg-Lübecker Chaussee war die dritte längere sogenannte Kunststraße im Herzogtum Holstein.

Meilenstein zwischen Bargteheide und Elmenhorst von 1843

Beschreibung

Die Hamburg-Lübecker Chaussee führte vom Wandsbeker Zoll über Ahrensburg, Delingsdorf und Bargteheide nach Elmenhorst, wo sie in die seit 1840 bestehende Altona-Lübecker Chaussee mündete. Die 27 km lange Strecke zwischen Wandsbek und Elmenhorst, hergestellt nach dem Verfahren von John Loudon McAdam, besaß eine Pflasterung aus geköpften Fels- und Granitsteinen, abgeschlossen durch eine Decke aus feinem, gewalztem Kies. In den Ortschaften war Polygonalpflaster gesetzt, außerhalb säumten Bäume die Chaussee.

Um Gegenverkehr und Überholvorgänge zu ermöglichen, war die zu beiden Seiten geneigte Fahrbahn ca. 5,7 m breit. Dazu kamen ein Fußsteig und ein gegenüber liegender Sommerweg bzw. Reitsteig samt Materialbankett.

Meilen- sowie Halbmeilensteine am nordwestlichen Wegesrand und gegenüber weiße Ruthensteine markierten die Chaussee.

In Tonndorf (heute Hamburg), Wulfsdorf und Bargteheide standen Chausseehäuser zur Einnahme des zur Refinanzierung der Baukosten erhobenen Wegegeldes.

Halbmeilenstein von 1843 bei Bargteheide, 1979

Geschichte

Ab Anfang der 1820er-Jahre setzten sich Hamburg und Lübeck für den Bau einer direkt verlaufenden Chaussee durch Holstein zur Erleichterung des Transitverkehrs zwischen Nord- und Ostsee ein. Bestehende Routen verliefen oft nicht gradlinig und wiesen schlechte Straßenverhältnisse auf. Die dänische Regierung genehmigte den Bau nicht, da eine Erleichterung des Handels zwischen den beiden Hansestädten eigenen Interessen widersprach, zumal Hamburg und Lübeck ab 1188/89 durch kaiserliche Privilegien vom Transitzoll in Holstein befreit waren.

Um auch die Interessen der Stadt Altona zu wahren, bewilligte Friedrich VI. von Dänemark stattdessen 1832 den Bau der über Ochsenzoll, Heidkrug, Elmenhorst und Oldesloe verlaufenden Altona-Lübecker Chaussee. 1840 fertiggestellt, bedeutete sie aber für Händler einen ca. 11 km langen Umweg. Im Rahmen des den Postverkehr regelnden Staatsvertrags erreichten die Städte 1835 die Zusage Dänemarks für eine kürzere Chaussee zwischen Hamburg und Bad Oldesloe.

Die 1838/39 von Dänemark erlassene Zollordnung beendete die Zollfreiheit des Transitverkehrs von Hamburg und Lübeck. Aufgrund unklarer Erfolgsaussichten und einer langen Verfahrensdauer zogen die beiden Hansestädte ihre beim Deutschen Bund eingereichte Klage zurück und akzeptierten am 08.07.1840 im Vertrag mit Christian VIII. von Dänemark eine Transitabgabe. Für die ab 1831 angestrebte Bahnverbindung erhielten sie zwar keine Genehmigung, aber Dänemark sicherte ihnen ungehinderten Handelsverkehr auf bestimmten Strecken sowie die Erlaubnis zum Bau einer privat finanzierten Chaussee ab Elmenhorst zu. Dass der von Hamburger und Lübecker Kaufleuten gegründete Elmenhorst-Wandsbecker-Chausseebauverein sein Budget je zur Hälfte aus dem Haushalt des Hamburger und Lübecker Senats erhielt, sollte gegenüber Dänemark geheim gehalten werden. Obwohl sich Vereinsvertreter persönlich bei Christian VIII. für den Ausbau der seit dem Mittelalter genutzten, kürzeren und laut einem Gutachten auch günstigeren Strecke ab Bargteheide über Timmerhorn, Bergstedt und Bramfeld einsetzten, berief dieser sich auf ein Gegengutachten, das auch die Kosten für die Einrichtung eines neuen Zollamts in Hellbrook veranschlagte. Daher legte Christian VIII. am 27.03.1841 den Chausseeverlauf fest, der sich an der 1777 unter Heinrich Carl von Schimmelmann ausgebauten Poststraße über Wandsbek und Ahrensburg orientierte. Am 22.05.1841 erhielt der Verein die Konzession zum Bau.

Im Zuge der am 13.09.1841 begonnenen Arbeiten wurden diverse Begradigungen, Geländedurchstiche und Verbreiterungen vorgenommen sowie Erddämme errichtet. Außerdem entstanden drei Brücken in Tonndorf über die Rahlau, in Rahlstedt über die Wandse und in Ahrensburg über die Aue (Mühlenbach). Für den Ankauf von Land sowie den Abriss von Gebäuden zahlte eine Kommission Entschädigungen. Vor allem in Ahrensburg wich die neue Strecke vom alten Postweg ab und galt dort aufgrund aufwendiger Bauarbeiten als teuerste Meile. Die Gottesbuden mussten um je eine Wohnung gekürzt und manche Gräber des Friedhofs an der Schlosskirche für einen Fußweg versetzt werden. Am 01.06.1843 fand die Eröffnung statt, die Bauarbeiten waren neun Monate früher als geplant beendet. In der Folge siedelten sich zunehmend Gewerbe- und Handwerksbetriebe sowie Gastwirtschaften entlang der Chaussee an.

Durch die ab 1851 zunächst über Büchen verlaufende Bahnverbindung zwischen Hamburg und Lübeck verlor die Chaussee an Bedeutung, so dass sich ab 1863 v. a. der Lübecker Senat zunächst vergeblich für die vertraglich zugesicherte Übernahme der Chaussee durch Dänemark einsetzte. Mit Eröffnung der direkten Eisenbahnstrecke am 01.08.1865 wurde die Unterhaltung der Chaussee für Hamburg und Lübeck vollends überflüssig. Unter der kurzzeitigen österreichischen Besatzung im Herzogtum Holstein erging im Dezember 1865 die Zusage des Statthalters Ludwig von Gablenz zum Unterhalt der Chaussee. Am 01.04.1867 wurde sie an Holstein übergeben, der Chausseebauverein löste sich am 08.08.1868 auf.

Bis Ende 2014 verlief die Bundesstraße 75 auf der ehemaligen Chaussee. Danach wurde sie zwischen Elmenhorst und der Grenze zu Hamburg zur Landesstraße 82 herabgestuft.

Bedeutung

Bis zur Eröffnung der Eisenbahnverbindungen sicherte die Chaussee den Waren- und Personenverkehr zwischen Ostsee und Elbe bzw. Nordsee.

Der Chausseebau veränderte die Stormarner Landschaft sowie manche Ortsbilder grundlegend.

Nutzung

Neben den Frachtwagen verkehrte hier auch die Diligence, die bis zu 15 Passagiere fassende Kutsche der dänischen Post.

Monogramm Christians VIII. von Dänemark auf historischem Meilenstein von 1843, Ahrensburg, 1985

Erhaltungszustand

Die Chaussee besteht bis auf die Ortsdurchfahrt Ahrensburg in ihrem historischen Verlauf weiterhin.

Auf Hamburger und Stormarner Gebiet haben sich vier Meilen- und drei Halbmeilensteine erhalten, die unter Denkmalschutz stehen. Die Steine aus Granit tragen das Monogramm Christians VIII. von Dänemark, die Jahreszahl 1843 sowie die Vollmeilensteine auch Entfernungsangaben Richtung Hamburg und Lübeck.

Persönlichkeiten

John Loudon McAdam GND: 117516295
Friedrich VI. von Dänemark GND: 119217139
Christian VIII. von Dänemark GND: 119382091
Ludwig von Gablenz GND: 118716042
Christian Friedrich Werner

Links

Karte mit erhaltenen Meilensteinen: www.forschungsgruppe-meilensteine.de/Standorte_Meilensteine.php (Zugriff am 11.10.2025)

Wikipedia-Artikel zu den dänischen Meilensteinen in Hamburg und Holstein: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_d%C3%A4nischen_Meilensteine_in_Hamburg_und_Holstein (Zugriff am 25.02.2026)

Bundesland

Schleswig-Holstein

Kreis/ Kreisfreie Städte

Hamburg, Kreis Stormarn

Auftraggeber

Elmenhorst-Wandsbecker-Chausseebauverein

Planer/Architekt

Vermessung: Königlich Schleswig-Holsteinisches Oberlandwege-Inspectorath; Bauausführung und Bauaufsicht: Christian Friedrich Werner, ehemaliger Wall- und Wegebaumeister Lübecks

Literatur

  • Waldschläger, Heinz : "Die kostbarste Meile" ein Beitrag zur Historie der Hamburg-Lübecker Chaussee. Norderstedt, Heimatspiegel, Verl.-Haus Meincke 1996, GVK: 235836745
  • Katzschke, Erich : Verkehrswege zwischen Lübeck und Hamburg. 1973, In: Postgeschichtliche Blätter, Hamburg, Hamburg: [Verlag nicht ermittelbar], 1955, 16(1973), Seite 35-58, GVK: 591445557
  • Hennigs, Burkhard von : Alte Landstraßen in Stormarn und der Beginn des Kunststraßenbaues um 1840. 1989, GVK: 338285563
  • Hennigs, Burkhard von : Die "dänischen" Meilensteine in Stormarn. 1983, In: Denkmalpflege im Kreis Stormarn ; [1], Neumünster: Wachholtz, 1983, (1983), Seite 193-201, GVK: 1003390889
  • Schmidt, Karlheinz : Vor 160 Jahren der Zollstreit zwischen Dänemark und den Hansestädten Hamburg und Lübeck wegen der "Straße des Welthandels" durch Stormarn. 1999, In: Jahrbuch für den Kreis Stormarn ..., Großhansdorf: ProFunda-Verl., 1983, (2000), Seite 6-38, GVK: 358445701

Weitere Literatur