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Nationalsozialismus in Stormarn

Die Zeit des Nationalsozialismus brachte auch für Stormarn einschneidende Umwälzungen des öffentlichen und alltäglichen Lebens und führte zur Verfolgung verschiedener Bevölkerungsgruppen. Durch die Ansiedlung von militärischen Einrichtungen und Rüstungsbetrieben wandelten sich Teile des Kreises grundlegend.

Ausstellung „,Die Mauer des Schweigens abtragen…' Zwangsarbeiter/innen und Kriegsgefangene in Stormarn 1940-1947“, 1998: Karte mit Einsatzorten

Forschungsstand

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der NS-Zeit setzte erst spät ein, eine Gesamtdarstellung der Geschehnisse im Kreis fehlt weiterhin. Seit den 1980er-Jahren widmen sich Geschichtswerkstätten, Forschende und Schulprojekte Einzelaspekten, z. B. 1996-2002 eine Wanderausstellung des Kreisarchivs Stormarn zu Zwangsarbeit und Kriegsgefangenen. Das Kreisarchiv auch 2000 u. a. auf Basis von Zeitzeugeninterviews eine Materialsammlung zu Kindheit, Jugend und Schule im NS für Schulen heraus. 2011 organisierte es eine Vortragsreihe zu „Leben unter dem Hakenkreuz“. Sebastian Lehmann-Himmel rekonstruierte 2007 die Biografien der NSDAP-Kreisleiter, Henning K. Müller erforschte die Rolle der Landräte (2018). Florian Bayer beschäftigte sich mit der Entschädigung von NS-Opfern (2012). Sylvina Zander untersuchte „Bad Oldesloe in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus“ (2021). 2024 erstellte ein Schulprojekt die Broschüre „Gang der Erinnerung“ zu NS-Spuren in der Kreisstadt. 2025 thematisierte eine Ausstellung im KuB Kultur- und Bildungszentrum Bad Oldesloe die Deportation jüdischer Bürger.

Ursachen und Vorgeschichte

In der Weimarer Republik kämpfte die Kreispolitik infolge des Versailler Vertrags und der Hyperinflation 1923 mit einer Wirtschaftskrise, die eine politische Polarisierung begünstigte. In Gemeinden mit großem Arbeiteranteil erzielten KPD und SPD hohe Wahlergebnisse. 1923 scheiterte der Hamburger Aufstand. Zugleich waren viele spätere NSDAP-Mitglieder schon ab Mitte der 1920er-Jahre in völkischen und rechtsextremen Bewegungen aktiv, die eine nationalistische, antisemitische und rassistische Ausrichtung teilten und die parlamentarische Demokratie ablehnten. In Ahrensburg, Bad Oldesloe und Bargteheide erzielte der Völkisch-Soziale Block bei den Reichstagswahlen im Mai 1924 ca. 15-20 % der Stimmen. 1927 entstanden in Ahrensburg und Trittau erste NSDAP-Ortsgruppen. Prägende Figuren für den Aufbau waren Staatsbedienstete wie die späteren Kreisleiter Heinrich Backhaus und Heinrich Scheele. Durch Werbemaßnahmen und Schulungsabende wuchs die NSDAP bis Oktober 1932 kreisweit auf ca. 2.500 Mitglieder an. Durch regelmäßige Aufmärsche vertraten sie öffentlich ihren Machtanspruch.

Zusätzlich zu einer Agrarkrise führte ab Ende der 1920er-Jahre die Weltwirtschafts- und Bankenkrise zu Deflation und steigender Arbeitslosigkeit. Der Kreistag stritt über Steuererhöhungen und Kosten für Infrastruktur- und Fürsorgemaßnahmen. Da er keine Haushaltseinigung über weitere Einsparungen erzielte, tagte er von Juni 1931 bis Dezember 1932 nicht. Von der politischen Lähmung profitierte die demokratiefeindliche NSDAP, die bereits 1929 zwei Kreistagsmandate errungen hatte.

Um 1930 kam es zunehmend zu Störungen von Veranstaltungen sowie Saal- und Straßenschlachten zwischen dem paramilitärischen Zweig der NSDAP (SA) sowie den Kampfverbänden von KPD (Rotfrontkämpferbund) und SPD (Reichsbanner).

Bei der Landtagswahl im April 1932 wurde die NSDAP mit kreisweit ca. 42 % stärkste Partei, auch in Billstedt, Bramfeld und Oststeinbek lag sie nun vor der KPD, allerdings hinter der SPD.

Verlauf und Akteure

Aufbau der Diktatur und Beginn systematischer Verfolgungsmaßnahmen

Unmittelbar nach Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30.01.1933 veranstaltete die NSDAP Aufmärsche und Fackelzüge z. B. in Ahrensburg, Delingsdorf, Großensee, Reinfeld und Bad Oldesloe, hier mit ca. 1.000 Teilnehmern. Ähnlichen Feiern zu Gedenktagen und politischen Anlässen schlossen sich in den folgenden Wochen diverse Vereine an. Gleichzeitig hoben Verordnungen und Erlasse reichsweit Grundrechte auf und ermöglichten die Anordnung von „Schutzhaft“ für Regimegegner, wie z. B. Paul von Schoenaich.

Bei den Kreistagswahlen am 12.03.1933 steigerte die NSDAP ihren Anteil der 29 Kreistagsmandate von 3 auf 14. In Billstedt und Bramfeld erzielte sie 30-40 %, in Badendorf, Braak, Dahmsdorf, Lasbek Dorf, Stellau, Tangstedt und Zarpen 80-93 % der Stimmen. Trotz massiver Behinderungen im Wahlkampf erreichte die KPD 3 Sitze, die SPD 8.

Zum 17.03.1933 enthob das NS-Regime Landrat Friedrich Knutzen von der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) seines Amts und ersetzte ihn durch Constantin Bock von Wülfingen von der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP).

Ölgemälde des Landrats Constantin Bock von Wülfingen, 1985

Mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 07.04.1933 wurden Juden und als Regimegegner angesehene Beamte entlassen, z. B. der Ahrensburger SPD-Gemeindevertreter Otto Siege sowie das SPD-Kreistagsmitglied Rudolf Lüdemann als Leiter des Kreiswohlfahrtsamts. Bis Ende 1933 verloren 16 von 250 Beschäftigten des Landratsamts ihren Arbeitsplatz.

NSDAP-Funktionäre behinderten vielfach KPD- und SPD-Politiker in ihrer Amtsausübung. Es kam zu Bedrohungen und körperlichen Angriffen, sodass viele unter Druck ihr Mandat niederlegten. Der Kreistagsabgeordnete Louis Biester wurde in einem Konzentrationslager (KZ) inhaftiert. Von März bis Oktober 1933 bestand ein KZ im Wittmoor. Im Sommer 1933 folgten Verhaftungen von KPD-Mitgliedern wie dem Bad Oldesloer Karl Matiszik. Sie wurden u. a. im Forst Kneeden misshandelt und Richard Minkwitz im Polizeigefängnis Bad Oldesloe, dem Blauen Haus, erschlagen. Bei einem „Propagandamarsch“ in Bramfeld wurden Kommunisten durch den Ort getrieben, misshandelt und öffentlich gedemütigt. Von dem für den Kreis zuständigen Sondergericht Altona/Kiel betrafen 164 von 3.574 Verfahren Stormarn. In Haft verstarben später Johannes Kröger (SPD, 1940), Robert Kersten (SPD, 1945) sowie Ernst August Bastian (KPD, 1945). Auch wenn Kommunisten in Hoisdorf und Wandsbek versuchten, untereinander Kontakte aufrechtzuerhalten, erschwerten die Verhaftungen jeglichen Widerstand erheblich.

Nach Auflösung aller politischen Parteien tagte der Kreistag am 14.07.1933 letztmals. Seine Zuständigkeiten gingen auf den Kreisausschuss und 1939 auf den Landrat über.

Im Sommer 1933 bestanden 28 NSDAP-Ortsgruppen mit 31 diesen angegliederten Stützpunkten. Der 1932 von NSDAP-Kreisleiter Erich Friedrich nach Bad Oldesloe verlegten Kreisleitung übergab die Stadt im Oktober 1933 das ehemalige Finanzamt als Adolf-Hitler-Haus. Friedrich setzte sich mit Bürgermeister Franz Kieling durch Ansiedlung weiterer Institutionen für Bad Oldesloe als Kreisstadt ein. Darüber kam es mehrfach zu Konflikten mit Bock von Wülfingen, der an Wandsbek festhielt, um nahe Hamburg die Belange des Kreises durchzusetzen. Die Konflikte setzten sich mit dessen Nachfolgern Erich Keßler und Rolf Breusing fort. Um 1941 verfolgte Friedrich Pläne für den Bau der „Kreisburg“, ein repräsentatives Kreishaus für die NSDAP-Gliederungen und Ämter des Kreises mit 70 m hohem Turm und großem Aufmarschplatz.

Entwurf für das Kreisparteihaus „Kreisburg“ Bad Oldesloe, 1941

Die NSDAP ergriff auch rasch Maßnahmen, um Juden aus dem öffentlichen Leben auszuschließen. Die in der Volkszählung von Juni 1933 für Stormarn ca. 90 erfassten Juden bildeten eine kleine Minderheit, die verstreut im Kreis lebte und den jüdischen Gemeinden Ahrensburg und Wandsbek angehörte. Der Geschäftsboykott am 01.04.1933 betraf v. a. dortige Geschäfte. Der in Hamburg als Richter tätige Lokal- und Kreispolitiker Arthur Goldschmidt wurde wegen seiner jüdischen Herkunft zwangspensioniert.

Das Regime verfolgte ebenfalls Angehörige der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung (Zeugen Jevovas). Der Bad Oldesloer Hans Wöltje verstarb 1942 in KZ-Haft.

„Gleichschaltung“

Viele Organisationen, Berufsverbände, Wohlfahrts- und Freizeitorganisationen, z. B. der Vaterländische Frauenverein, schlossen sich den entsprechenden NS-Verbänden an. Vereine v. a. der Arbeiterschaft wie der Arbeiter-Radfahrerbund "Solidarität", Ortsgruppe Oststeinbek wurden verboten oder lösten sich auf.

Im Rahmen der sogenannten "Gleichschaltung" verbot und enteignete das NS-Regime das SPD-nahe Bergedorf-Sander-Volksblatt. Der Oldesloer Landbote übernahm die Sprachregelungen des Reichspropagandaministeriums. Ab April 1933 erschien darin unter NSDAP-Kreispresseamtsleiter Erwin Arras die Beilage Das Dritte Reich, ab Juli 1939 als Der nationale Sozialist. Die 1929 gegründete Trittauer Zeitung ging 1940 in der Stormarnschen Zeitung auf, die als Kopfblatt des NSDAP-Parteiorgans Lübecker Volksbote erschien.

In der Institution Kirche wurden Stellen mit politisch konformem Personal besetzt. 1933 kam Gustav Dührkop als Stormarner Propst ins Amt. Durch Bereitstellung von Kirchenbüchern für den Nachweis einer „arischen“ Abstammung fand z. B. durch den Wandsbeker Pastor Wilhelm Jensen eine enge Kooperation mit dem Regime statt. In der z. T. für Stormarn zuständigen Propstei Segeberg personifizierte sich die Verbindung zur Partei in Ernst Szymanowski (ab 1941 Ernst Biberstein), der auch NSDAP-Kreisschulungsleiter war. In Bad Oldesloe fungierte Erwin Arras zugleich als Ortsgruppenleiter der Deutschen Christen.

Postkarte der in Hermann-Göring-Straße umbenannten Mühlenstraße Bad Oldesloe, 1944

Ab Frühjahr 1933 erfolgte in Ahrensburg, Bad Oldesloe, Bargteheide und Trittau die Umbenennung von Straßen nach nationalsozialistischen Persönlichkeiten. In Bad Oldesloe und Jersbek wurden „Hitler-Eichen“ gepflanzt. In Bibliotheken kam es zur Aussonderung von Werken, die nicht der NS-Ideologie entsprachen. Berufsverbote und Zensur behinderten die freie Entwicklung von Wissenschaft, Kunst und Kultur. Der Maler Karl Ballmer floh nach Erteilung eines Berufsverbots unter Zahlung hoher Reichsfluchtsteuern mit seiner jüdischen Ehefrau in die Schweiz. Carl Harz erhielt ein Publikationsverbot und starb 1943 in Haft. Andere Künstler und Kulturschaffende unterstützten das Regime oder dienten sich ihm an, z. B. Hans Friedrich Blunck, Hermann Claudius, Richard Kuöhl und Else Wex-Cleemann.

Aufrüstung und weitere Entrechtung von Juden

Zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit ordnete das Regime Notstandsarbeiten wie die Regulierung von Bille, Bredenbek und mittlerer Trave an. Der 1934 begonnene Bauabschnitt der Autobahn Hamburg-Lübeck (heute Bundesautobahn 1) war die wichtigste dieser Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Der Bau der Autobahn Hamburg-Berlin (heute Bundesautobahn 24) wurde 1940 bei Barsbüttel eingestellt.

Autobahn Hamburg-Lübeck bei Großhansdorf, 1938

Von 37 schleswig-holsteinischen Lagern des Reichsarbeitsdienstes lag das Hauptlager des Kreises in Bad Oldesloe, weitere in Trittau und im Höltigbaum mit Zweigstellen in Köthel und Stellmoor.

Im Zuge der reichsweiten Aufrüstung entstanden um 1935 am Höltigbaum ein Truppenübungsplatz, 1937 in Harksheide ein Übungs- und Schießplatz und 1938 die Nebenmunitionsanstalt Neuschönningstedt/Reinbek in den Oher Tannen. In Grabau befand sich ab 1936 ein Remonteamt, ab 1942 als Heereszuchtgestüt. Ab 1935 siedelten sich Betriebe wie die Feuerwerkerei Gustav W. C. Burmester in Trittau an. In Ahrensburg produzierte die H. Walter KG (Walterwerk) ab 1941 Torpedoteile. In Bad Oldesloe waren die Eisengießerei Kampnagel AG, die Hero Armaturenwerk GmbH und die Triton Werke AG tätig. Ab 1943/44 montierte in Barsbüttel die Firma Metallwerke Niedersachsen Brinckmann & Mergel (Menibum) Flugzeugteile. 1938 bestanden wohl Pläne für ein Munitionsdepot in der Hahnheide.

Glinde erfuhr ab 1935 einen grundlegenden Strukturwandel durch Ansiedlung des Heereszeugamts des Gaus Nordmark sowie der Kurbelwellenwerk Hamburg GmbH der Firma Friedrich Krupp mit ca. 6.000 Beschäftigten.

Durch das vom Hamburger NSDAP-Gauleiter Karl Kaufmann vorangetriebene Groß-Hamburg-Gesetz musste Stormarn 1937 zwölf Gemeinden an Hamburg abtreten, es erhielt die Hamburger Exklave Großhansdorf-Schmalenbeck zugeschlagen. Stormarn verlor mit 67.000 Einwohnern ca. 50 % der Bevölkerung, mit knapp 130 km² ca. 14 % seiner Fläche und mit den Industriegebieten von Billstedt, Bramfeld und Lohbrügge erheblich an Wirtschaftskraft.

Gauführerschule Barsbüttel, 1938

Ab 1937 befand sich in der ehemaligen Villa Lunugala in Barsbüttel eine Gauführerschule Hamburgs, weitere als Burg Seebergen in Lütjensee sowie ab 1935 im ehemaligen Genesungsheim Trittau.

Nach der weiteren Entrechtung von Juden durch die Nürnberger Gesetze übte das Regime verstärkt wirtschaftlichen Druck auf sie aus, untersagte ihnen ab 1938 weitere Berufe und enteignete Betriebe sowie Grundbesitz. Die jüdischen Besitzer verkauften die Villa Waldfrieden in Hoisdorf unter Wert. Die Ahrensburgerin Gertrud Eickhorst wurde gezwungen, 1940 ihre Apotheke zu verkaufen. Bereits Ende Oktober 1938 wies das NS-Regime polnische Juden wie die Familie des Blumendorfers David Flusberg aus und deportierte sie an die polnische Grenze.

Zum Verlauf des Novemberpogroms 1938 im Kreis liegen widersprüchliche Informationen vor, z. B. zur Zerstörung der Ahrensburger Synagoge und des dortigen jüdischen Friedhofs. In der Folge kam es zu Verhaftungen und KZ-Inhaftierungen, z. B. von John Schuster, der auf Gut Nütschau eine Einrichtung für Palästina-Auswanderer betrieb sowie von Mitgliedern der ähnlichen Ausbildungsstätte Brüderhof in Harksheide. Der Reinbeker Georges-Arthur Goldschmidt konnte 1938 nach Italien ausreisen. Für Mai 1939 wurden für Stormarn 39 Juden, davon 24 sogenannte Glaubensjuden gezählt.

Zweiter Weltkrieg

Betriebe und Fabriken setzten vielfach auf die Arbeitsleistung ausländischer Zwangsarbeiter:innen und Kriegsgefangener. Im Kreis lagen über 100 Gemeinschaftsunterkünfte, darunter ab 1942 das Zwangsarbeiterlager Wiesenfeld in Glinde als eines der größten in Schleswig-Holstein. 1944 erhielt es eine Außenstelle der Gestapo.

Von den nach Erlass des Ausreiseverbots im Oktober 1941 in Schleswig-Holstein verbliebenen Juden, darunter der Ahrensburger Magnus Lehmann, wurde der Großteil nach Riga deportiert und ermordet. Eisenbahnwaggons aus Hamburg, Kiel und Lübeck mit ca. 900 Juden wurden am 06.12.1941 am Bahnhof Bad Oldesloe zusammengekoppelt.

Während der Luftangriffe der Alliierten auf Hamburg im Juli/August 1943 kam es auch zur Bombardierung von Barsbüttel und zur teilweisen Zerstörung des Stormarnhauses der Kreisverwaltung in Wandsbek. Größere Angriffe trafen am 06.10.1944 ebenso die Militäranlagen in Glinde sowie als einer der schwersten Luftangriffe in Schleswig-Holstein am 24.04.1945 Bad Oldesloe.

Rückansicht des bei Bombenangriffen zerstörten Stormarnhauses in Wandsbek, 1943

Ab Mitte April 1945 passierten mehrere KZ-Häftlingstransporte und „Todesmärsche“ Stormarn.

Britische Truppen erreichten am 01.05.1945 erste Stormarner Orte, die meisten ergaben sich kampflos. Am 05.05.1945 kapitulierten die deutschen Truppen im Norden, am 08.05.1945 die gesamten deutschen Streitkräfte.

Entnazifizierungsausschuss Bad Oldesloe, 1949

Folgewirkungen und heutige Bedeutung

In der unmittelbaren Nachkriegszeit richtete die britische Militärregierung im Schloss Ahrensburg ihr Hauptquartier sowie Kommandanturen in Bad Oldesloe, Bargteheide, Reinbek und Reinfeld ein. Politische Funktionsträger der NS-Zeit wurden ihrer Ämter enthoben und z. T. wie Kreisleiter Friedrich inhaftiert. Für Wehrmachtssoldaten bestanden Gefangenensammellager in Bünningstedt und Hammoor. Lager zur Rückführung der Displaced Persons lagen u. a. in Bad Oldesloe und im Jersbeker Park. Der von der Militärregierung ernannte Kreistag setzte im April 1946 einen Entnazifizierungsausschuss ein. Der Kreissonderhilfsausschuss entschied über Rückerstattungs- und Entschädigungszahlungen sowie Renten für NS-Opfer.

Stolperstein für Ernst August Bastian, Bargteheide, 2009

Seit 2003 erinnern mittlerweile 20 Stolpersteine in mehreren Orten an Verfolgte. Vor dem Zwangsarbeiterlager Wiesenfeld befindet sich eine Stolperschwelle (2014) sowie auf dem Gelände der Wiesenfeld-Gemeinschaftsschule die Skulptur „Der Mann mit der Kurbelwelle“ (2022). Am Bahnhofsvorplatz Bad Oldesloe informiert eine Gedenktafel über den Todesmarsch. Dessen Verlauf lässt sich in Bargteheide mittels eines Audiowalks nachvollziehen. In einer temporären Aktion wurde die Stormarner Strecke 2023 und 2025 im Rahmen der Gedenkaktion „Gegen den Strich“ markiert und erneut abgegangen.

Persönlichkeiten

Erwin Arras GND: 1183316216
Erich Friedrich GND: 130471356
Heinrich Scheele GND: 1299410820
Heinrich Backhaus GND: 1299317723
Constantin Bock von Wülfingen GND: 127859047
John Schuster
Gertrud Eickhorst
Karl Kaufmann GND: 119367270
Else Wex-Cleemann GND: 1227443358
Richard Kuöhl GND: 118024965
Hermann Claudius GND: 118676334
Hans Friedrich Blunck GND: 118512099
Karl Ballmer GND: 118652141
Arthur Goldschmidt GND: 119315599
Georges-Arthur Goldschmidt GND: 119216361
Wilhelm Jensen GND: 1055208143
Ernst Szymanowski GND: 128951249
Gustav Dührkop GND: 1331222826
Karl Matiszik
Richard Minkwitz
Rudolf Lüdemann
Louis Biester GND: 129918482
Hans Wöltje GND: 122757092
Paul von Schoenaich GND: 116859830
Otto Siege
Robert Kersten
Erich Keßler GND: 1031688250
Rolf Breusing GND: 1281434442
Franz Kieling GND: 1013152573
Ernst August Bastian GND: 1299318401
Johannes Kröger
Carl Harz GND: 102788234X
Friedrich Knutzen GND: 116262710
Adolf Hitler GND: 118551655

Links

Digitalisierung der Trittauer Zeitung (1939-1945): https://www.kreisstormarn.de/aktuelles/pressemeldungen/2023/die-zeitung-mit-dem-hakenkreuz.html (Zugriff am 02.06.2026)

Biografien von NS-Opfern, für die Stolpersteine verlegt wurden: https://www.kultur-stormarn.de/stormunity/alle-beitraege/view/275 (Zugriff am 02.06.2026)

Literatur

  • Zander, Sylvina : Bad Oldesloe in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus (1918-1945). Kiel, Wachholtz 2021, GVK: 1743061994
  • Dohnke, Kay : Nationalsozialismus in Norddeutschland, ein Atlas. Hamburg, Europa-Verl. 2001, GVK: 326206809
  • Omland, Frank : „Du wählst mi nich Hitler!“ Reichstagswahlen und Volksabstimmungen in Schleswig-Holstein 1933 - 1938. Norderstedt, Books on Demand GmbH 2006, GVK: 516114557
  • Günther, Barbara : „Die Mauer des Schweigens abtragen“, Kriegsgefangene und Zwangsarbeitende in Stormarn 1940 bis 1947. 2001, In: „Ausländereinsatz in der Nordmark“, Bielefeld: Verl. für Regionalgeschichte, 2001, (2001), S. 418-439, GVK: 583723217
  • Perrey, Hans-Jürgen : Stormarns preußische Jahre, die Geschichte des Kreises von 1867 bis 1946/47. Neumünster, Wachholtz 1993, GVK: 152680373

Weitere Literatur