Liebfriede Bernstiel

Die renommierte deutsche Keramikerin Liebfriede Bernstiel lebte und arbeitete 1955-1998 in Ahrensburg.

Ausbildung

Liebfriede Bernstiel verlies die Oberrealschule Alstertal 1931 nach Ende der Obersekunda. 1933 begann sie eine Ausbildung an der Landeskunstschule Hamburg in der Klasse von Max Wünsche. 1934 setzte sie ihre Töpferlehre an der Staatlich-Städtischen Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale in der Keramikklasse von Hubert Griemert fort. Nach bestandener Gesellenprüfung 1937 erwarb sie 1944 in der ehemaligen Bauhauswerkstatt Dornburg/Saale (Thüringen) ihren Meisterbrief.

Beruflicher Werdegang

1937/38 arbeitete Liebfriede Bernstiel als Assistentin von Hubert Griemert, bevor sie in der keramischen Werkstatt Dornburg bei Otto Lindig angestellt wurde. Kriegsbedingt übernahm sie von Dezember 1944 bis Mai 1945 die Werkstattführung samt Lehrlingsausbildung. An der Landeskunstschule Hamburg nahm sie 1946 zunächst als Assistentin von Gerhard Marcks, 1947 von Siegfried Möller und im selben Jahr bei dessen Nachfolger Otto Lindig ihre Arbeit wieder auf. 1955 ließ Bernstiel auf dem elterlichen Grundstück in Ahrensburg ein kleines Wohn- und Arbeitshaus errichten und arbeitete fortan als selbstständige Keramikerin. Seit den frühen 1960er-Jahren bis 1982 bildete sie in ihrer Werkstatt acht Lehrlinge aus.

Lebenslauf

Liebfriede Bernstiel wuchs in Hamburg als Tochter eines Kaufmanns und einer Schneiderin mit drei jüngeren Geschwistern auf. Im März 1942 verlobte sie sich mit dem ebenfalls in der Dornburger Werkstatt arbeitenden Markus Lindig, der seit 1943 als vermisst gilt. 1946 kehrte sie zu ihrer mittlerweile in Ahrensburg lebenden Familie zurück. Von Ende der 1940er-Jahre bis zu seinem Tod hatte sie eine Liebesbeziehung mit Otto Lindig. 1952 kam die gemeinsame Tochter Christiane zur Welt.

Werk/Aktivitäten

Für Liebfriede Bernstiels Werk war die Formensprache Otto Lindigs prägend, darüber hinaus entwickelte sie ein eigenes Vokabular. Von Lindig geerbte Gips-Formen halfen ihr, sein Vermächtnis in der Fertigung zahlreicher Repliken zu wahren.

Ein gesichertes Auskommen ermöglichten seit 1956 Aufträge zur Ausfertigung von Baukeramik. Im Rahmen von Kunst am Bau entstanden in Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit Georg Weiland keramische Wandbilder in der Volksschule Wittorf (Neumünster), der Schwimmhalle in Neumünster und für das Carl-Jakob-Burckhardt Gymnasium in Lübeck. Das Wandmosaik Stormarn zwischen Hamburg und Lübeck findet sich im Stormarnhaus in Bad Oldesloe und ein weiteres in der Wandelhalle der LungenClinic Großhansdorf. Die ihr entgegengebrachte Wertschätzung zeigte sich auch in der Fertigung des Ehrentellers mit Stormarner Wappen.

Bis in die 1970er-Jahre standen auf der Scheibe gedrehte Gefäße im Mittelpunkt ihres Schaffens. Die Gestaltung war ausgerichtet an der klaren Funktionalität des Bauhauses und der auf das Wesentliche reduzierten Form mit zurückhaltender Farbigkeit der Glasuren. In Erweiterung ihrer Arbeitstechniken folgten vieleckige Formen aus gewalzten und zugeschnittenen Tonplatten. In den Folgejahren entwickelte sie ihr Repertoire durch Gefäße in Kubus- und Quaderformen in geklopften, eckig gedrückten Variationen und Längskehlungen. Ihr Alterswerk zeigt deutliche Einflüsse ihrer Chinareisen 1989 und 1991.

Arbeitsintensiv war ihre Beteiligung an mehr als 100 Ausstellungen im In- und Ausland, sowohl in Gruppenbeteiligung als auch in Einzelpräsentation. 1955-1992 war sie regelmäßige Teilnehmerin der Jahresmesse im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Einmal jährlich präsentierte sie sich im eigenen Atelier. Im Ausstellungsprogramm des Kreises war sie seit 1971 in sieben Einzel- und Gruppenausstellungen im Stormarnhaus Bad Oldesloe, im Rathaus und Schloss Ahrensburg und im Schloss Reinbek präsent.

Ehrenteller des Kreises Stormarn

Bedeutung

Ihre Arbeiten finden sich, auch international, in vielen privaten und öffentlichen Sammlungen und in Keramikmuseen.

Ihr Lebensmittelpunkt war Stormarn, wo sie durch die Qualität und Modernität ihrer Keramiken und durch die Lehrlingsausbildung wirkte.

Ehrungen und Preise

1995 Preis der Justus-Brinkmann-Gesellschaft für das Lebenswerk

Besonderheiten

1948 entstand in der Zusammenarbeit mit Gerhard Marcks ein Teeservice für die serielle Produktion, dessen Fertigung auf seinem Entwurf „Tiergarten“ von 1932 beruhte. Als Feinsteinzeug mit mattschwarzer Glasur ist es Sammlungsgegenstand zahlreicher Museen.

Persönlichkeiten

Hubert Griemert GND: 11869765X
Otto Lindig GND: 119125420
Gerhard Marcks GND: 118577573
Siegfried Möller GND: 129041394
Georg Weiland
Max Wünsche

Links

Wikipedia-Eintrag zu Liebfriede Bernstiel: https://de.wikipedia.org/wiki/Liebfriede_Bernstiel (Zugriff am 15.02.2021)
Kurzbiografie zu Liebfriede Bernstiel: https://peoplepill.com/people/liebfriede-bernstiel/ (Zugriff am 08.02.2021)

Familienname

Bernstiel

vollständige Vornamen

Liebfriede

Rufname

Liebfriede

Geburtsdatum

14.12.1915

Geburtsort

Hamburg

Sterbedatum

06.02.1998

Sterbeort

Bad Oldesloe

Geschlecht

weiblich

Religion

evangelisch

Berufe

Keramikerin

Kinder

eine Tochter

Eltern

Otto Bernstiel (1889-1976); Erna Bernstiel, geb. Aye (1892-1983)

Strukturansicht

Literatur

  • Hans Thiemann: Liebfriede Bernstiel; Weg und Wirken. Hamburg, Verlag Rohse 1988, In: Schriftenreihe Sigill, Heft 1, Folge10, GVK: 361105444
  • Johannes Spallek: Fächer Stormarner Künste. Neumünster, Wachholtz Druck 1987, GVK: 784680868
  • Johannes Spallek: Liebfriede Bernstiel Keramik, Christiane Bernstiel Keramik, Ulrich Sack Malerei. Neumünster, Wachholtz Druck 1989, GVK: 27496015X
  • Konrad Kessler: Liebfriede Bernstiel zum Hundertsten... im Anfang war Dornburg. Gera, Druckhaus Gera 2015, GVK: 848011155

Weitere Literatur