Julia von Reventlow

Julia von Reventlow war in den 1790er-Jahren auf Gut Emkendorf der Mittelpunkt eines einflussreichen Kreises, der von pietistischer Frömmigkeit inspiriert war und literarische, religiöse sowie politische Fragen diskutierte.

Ausbildung

Julia von Reventlow erhielt den standestypischen Unterricht ihrer Zeit durch Privatlehrer im Zeichnen, in französischer, italienischer und deutscher Literatur sowie in Tanzen und Ballett. Bereits im Alter von vier Jahren hatte sie Musikstunden.

Lebenslauf

Julia von Reventlow war die Tochter des Unternehmers und Gutsbesitzers Heinrich Carl Schimmelmann, der durch atlantischen Dreieckshandel zu großem Reichtum gekommen war. Sie wuchs mit einer Schwester und fünf Brüdern im Kopenhagener Stadtpalais der Familie und im Herrenhaus Schloss Ahrensburg auf. 1778 zog die Familie auf das Adlige Gut Wandsbek. Ihr Bruder Ernst von Schimmelmann stieg zum dänischen Finanzminister auf, ihre Schwester Caroline von Baudissin lebte auf dem Adligen Gut Knoop bei Kiel.

Julia heiratete 1779 in der Schlosskirche Ahrensburg Friedrich Karl von Reventlow. Mit ihm zog sie 1781 nach Stockholm, wo er bis 1783 den Posten des dänischen Gesandten innehatte. Nach einer Italienreise 1783/84 lebten sie 1785-1787 in London, wo Reventlow ebenfalls als Gesandter amtierte. Im Sommer 1790 ließ sich das Paar auf dem Adligen Gut Emkendorf nieder. Dort bildete sich in den folgenden Jahren ein kulturell und politisch interessierter Kreis von Männern und Frauen, zu denen Gutsbesitzer, Beamte, Schriftsteller, Philosophen und vor der Französischen Revolution geflohene Adelige gehörten. 1795-1797 reisten Julia und Friedrich von Reventlow noch einmal nach Italien, wo sie Gemälde und Kunstschätze für die Ausstattung des Gutshauses erwarben.

Julia war wie ihr Mann lutherisch-orthodox geprägt, ihre Frömmigkeit wies aber auch pietistische Züge auf. Sie hatte Verbindungen zum Zürcher Theologen Johann Caspar Lavater sowie zum katholischen Kreis von Münster. Um 1800 näherte sie sich unter dem Einfluss ihrer Freunde Friedrich Leopold zu Stolberg und Amalia von Gallitzin dem Katholizismus an. Die vermutlich an Schwindsucht Erkrankte war darüber hinaus befreundet mit Friedrich Gottlieb Klopstock und Matthias Claudius.

Julia von Reventlow und ihr Mann blieben kinderlos, zeitweise lebte Ina Holk als Pflegetochter auf dem Gut. 1814 adoptierte das Paar die Söhne von Julias Nichte Caroline Friederike Merchier de Criminil, geb. Schimmelmann (1778-1858), Joseph und Heinrich.

Werk/Aktivitäten

Für ihre Gutsuntertanen, besonders die Schulkinder, entfaltete sie eine maternalistisch-soziale Tätigkeit. In diesem Zusammenhang standen auch ihre an Johann Heinrich Pestalozzi orientierten pädagogisch-praktischen Schriften ("Sonntagsfreuden des Landmanns", Kiel 1791; "Kinderfreuden oder Unterricht in Gesprächen", Kiel/Leipzig 1793). Dabei nahm sie zwar volksaufklärerische Theorien auf, war aber vor allem religiös motiviert und richtete sich gegen den theologischen Rationalismus der Zeit. Die Leibeigenschaft selbst stellte sie nicht infrage.

Als Miterbin karibischer Zuckerrohrplantagen diskutierte sie auch innerhalb ihrer Familie über die Sklavenhaltung. Sie setzte sich dafür ein, die Lebensbedingungen der Sklaven zu verbessern, und veranlasste die Herrnhuter Brüdergemeine, Missionare in die Schimmelmannschen Besitzungen zu entsenden.

In Johann Georg Jacobis Taschenbuch für 1796 (Königsberg/Leipzig) veröffentlichte sie die Prosatexte „Die Quelle“, „Der Wanderer“ und „Die Turteltauben“.

Bedeutung

Julia von Reventlow gehört zu einer Reihe von intellektuell bedeutenden und kulturell einflussreichen Frauen im 18. Jahrhundert in Schleswig-Holstein. Sie hatte Verbindungen zu bedeutenden Persönlichkeiten ihrer Zeit vor allem in Nordwestdeutschland und im dänischen Gesamtstaat. In den ideologischen Auseinandersetzungen nach der Französischen Revolution wendete sie sich wie viele Angehörige des Emkendorfer Kreises gegen Neuerungen in der Theologie und deren vermeintliche Auswirkungen auf die Gesellschaft. Darüber hinaus war sie maßgeblich an gesellschaftlichen Debatten über die Sklaverei beteiligt, die 1792 zu einem Verbot des Sklavenhandels in Dänemark führten.

Mobiliar aus dem Herrenhaus Emkendorf im Museum Schloss Ahrensburg, 2011

Besonderheiten

Die künstlerische Ausgestaltung des Gutshauses in Emkendorf und die dort geübte, oft monatelang dauernde Gastfreundschaft wurden durch die jährlichen Zahlungen aus dem Schimmelmannschen Familienfideikommiss mitfinanziert, das zu einem großen Teil durch Sklavenarbeit erwirtschaftet wurde.

Persönlichkeiten

Friedrich Karl von Reventlow GND: 116457279
Heinrich Carl (von) Schimmelmann GND: 118917323
Caroline Adelheid von Baudissin GND: 116083387
Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg GND: 118755552
Johann Heinrich Pestalozzi GND: 118592912
Johann Caspar Lavater GND: 118570293
Friedrich Gottlieb Klopstock GND: 118563386
Matthias Claudius GND: 118521098

Links

Wikipediaartikel "Julia von Reventlow": https://de.wikipedia.org/wiki/Friederike_Juliane_von_Reventlow (Zugriff am 03.04.2020)

Eintrag in Deutsche Biographie https://www.deutsche-biographie.de/sfz76298.html (Zugriff am 03.04.2020)

Eintrag in ADB als Teil des Artikels zu Friedrich Reventlow https://daten.digitale-sammlungen.de/0000/bsb00008386/images/index.html?fip=193.174.98.30&id=00008386&seite=339 (Zugriff am 03.04.2020)

Familienname

Reventlow, von, geb. Schimmelmann

vollständige Vornamen

Juliane Friederike

Rufname

Julia, Julie

Geburtsdatum

16.02.1763

Geburtsort

Kopenhagen (Dänemark)

Sterbedatum

27.12.1816

Sterbeort

Gut Emkendorf

Begräbnisort

St. Catharinenkirche in Westensee (Kreis Rendsburg-Eckernförde)

Geschlecht

weiblich

Religion

evangelisch

Berufe

Gutsbesitzerin, Schriftstellerin

Ehe-/Lebenspartner

Friedrich Karl von Reventlow (1754-1828)

Kinder

Joseph (1797–1850) und Heinrich (1798–1868) von Reventlow-Criminil (adoptiert)

Eltern

Heinrich Carl von Schimmelmann (1724–1782) und Caroline Tugendreich von Friedeborn (1730–1795)

Literatur

  • Christian Degn: Reventlow, Friederike Juliane. Nümünster, Wachholtz 1985, In: Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck Bd. 7, GVK: 666589909
  • Dieter Lohmeier; Wolfgang J. Müller: Emkendorf und Knoop. Kultur und Kunst in schleswig-holsteinischen Herrenhäusern um 1800. Heide, Boyens 1984, GVK: 016528778
  • Detlev W. Schumann: Caroline Baudissin und Julia Reventlow als Schriftstellerinnen. Heide, Boyens 1958, In: Nordelbingen 26, S. 158–173., GVK: 129495514
  • Hartmut Lehmann: Zwischen Pietismus und Erweckungsbewegung: Bemerkungen zur Religiosität der Emkendorfer. Neumünster, Wachholtz 1983, In: Aufklärung und Pietismus im dänischen Gesamtstaat 1770–1820, GVK: 024283274
  • Folke-Christine Möller-Sahling: Julia Gräfin von Reventlow. Versuch einer sozialhistorischen Rekonstruktion. Klagenfurt, 1999, GVK: 253997607

Weitere Literatur