Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V.

Der Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V. ist eine in Ahrensburg ansässige deutsche Naturschutzorganisation.

Zweck

Der Zweck des Vereins besteht im Natur-, Umwelt- und Tierschutz sowie in der Landschaftspflege. Dazu werden auf Basis von Umweltforschung und -recht durch die Betreuung von Schutzgebieten die natürlichen Lebensgrundlagen von Pflanzen, Tieren und Menschen erhalten bzw. wiederhergestellt. Im Vordergrund steht der Schutz der Seevögel.

Struktur

Der von der Mitgliederversammlung gewählte und von einem Beirat beratene Vorstand leitet die Arbeit des Vereins. Zu dessen Unterstützung agiert ein hauptamtlicher Geschäftsführer. Für die Betreuung der Schutzgebiete und die damit verbundenen Aufgaben beschäftigt der Verein mehrere hauptamtliche Mitarbeiter sowie ehrenamtliche Schutzgebietsreferenten. Die Arbeit in Nordfriesland wird darüber hinaus von einer Regionalstelle koordiniert.

Einsatz in Nordfriesland nach der Öl-Havarie des Frachters "Pallas", 1998

Geschichte

Im Februar 1907 gründeten Ornithologen aus Thüringen, Sachsen und Hamburg den Verein zur Begründung von Vogelfreistätten an den deutschen Küsten – Jordsand. Ziel war es, ornithologische Schutzgebiete an der Nord- und Ostseeküste zu etablieren. Die zwischen Sylt und Rømø gelegene Hallig Jordsand wurde als erste Vogelfreistätte betreut. Aufgabe des Vogelwärters war es v. a., Eiersammler und Vogeljäger von ihrer Tätigkeit abzuhalten. Seit der Volksabstimmung 1920 gehört die Hallig zu Dänemark, sodass die Dänische Ornithologische Vereinigung die Betreuung übernahm. 1909 erwarb der Verein Jordsand als zweites Schutzgebiet die Hallig Norderoog. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Schutzgebiete hinzu: Oehe-Schleimündung (seit 1922), Hallig Habel (1930-1932, erneut ab 1983), Scharhörn (1939), Amrum Odde (1941).

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Verein Jordsand 1938 gleichgeschaltet und in den Reichsbund für Vogelschutz e. V. eingegliedert. Da der Verein im Vereinsregister eingetragen blieb, konnte er bereits Ende 1945 mit Genehmigung der britischen Militärregierung eigenständig weiterarbeiten.

Seit den 1950er-Jahren werden weitere Schutzflächen an der Nord- und Ostseeküste betreut: Rantumbecken (1957), Hallig Südfall (1957), Hauke-Haien-Koog (1967), Norderoogsand (1968), Schwarztonnensand (1973), Helgoländer Lummenfelsen (1980), Neuwerk (1982), Helgoländer Felssockel (1983), Nigehörn (1989), Insel Möwenberg in der Schlei bei Schleswig (1991), Greifswalder Oie (1993), Asselersand (1994), Nordhaken Olpenitz (2009) und Fährinsel bei Hiddensee (2014).

Auf Stormarner Gebiet betreut der Verein die Naturschutzgebiete Hoisdorfer Teiche und Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal. 1997/98-2016 wurde innerhalb einer aus mehreren Organisationen bestehenden Schutzgemeinschaft das bundesländerübergreifende Naturschutzgebiet Höltigbaum gemanagt.

Die praktische Arbeit sieht im Einzelnen unterschiedlich aus. Wesentlich sind immer der Schutz vor Störungen, eine breite Öffentlichkeitsarbeit und das Monitoring der Pflanzen- und Tierwelt. Einige Schutzgebiete wurden nur zeitweise vom Verein Jordsand betreut. Die Beendigung lag u. a. darin begründet, dass sich die regionalen Zuständigkeiten geändert hatten oder die Betreuung der Gebiete nicht mehr dem Hauptzweck des Vereins, dem Seevogelschutz, entsprach.

1981 mietete der Verein von der Stadt Hamburg das Gutshaus Wulfsdorf in Ahrensburg und nutzt es seitdem als Geschäftsstelle, Ausbildungszentrum, Tagungsstätte und Unterkunft für die Mitarbeiter. 1982 erhielt das Gebäude den Namen Haus der Natur. 2005 konnte der Verein das Anwesen erwerben und betreut auch den denkmalgeschützten Naturerlebnisraum Park am Haus der Natur.

Die Jugendarbeit in der 1981 gegründeten Naturschutzjugend Jordsand (NJJ) verbindet naturkundliche Ausbildung, Öffentlichkeitsarbeit und praktische Einsätze, vor allem im Rahmen der Workcamps auf Norderoog.

Nachdem bereits 1966 der Name in Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel e.V. vereinfacht worden war, kam es 1982 zu einer erneuten Namensänderung. Die bis heute gültige Bezeichnung Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V. machte das erweiterte Aufgabenspektrum deutlich.

1986 gründete der Verein das Institut für Natur- und Umweltforschung des Vereins Jordsand (INUF) zur Unterstützung von Grundlagenforschung und Gutachtertätigkeit auf wissenschaftlicher Basis. Seit 2007 ist diese Arbeit allerdings weitgehend zum Erliegen gekommen. Als finanzielle Unterstützung für die Vereinsaufgaben wurde 2009 die Naturschutzstiftung Jordsand ins Leben gerufen.

Zur aktuellen Vereinsarbeit zählen - neben der Betreuung der Schutzgebiete - weitere Flächen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste, in denen das Wattenmeer-Monitoring im Rahmen des Trilateralen Überwachungs- und Bewertungsprogramms (TMAP) durch die Erfassung der Brut- und Rastvögel unterstützt wird.

Leitung

Mathias W. Vaagt seit 2018
Erika Vauk-Henzelt 2017 (geschäftsführende Vorsitzende)
Reinhard Schmid-Moser 2017
Eckart Schrey 2012-2017
Uwe Schneider 2005-2012
Veit Henning 2002-2005
Jörg Ganzhorn 1999-2002
Nicolaus Peters 1990-1999
Gottfried Vauk 1979-1990
Uwe Schneider 1976-1979
Joachim Münzig 1974-1976
Johann Henning 1973-1974 (Notvorstand)
Klaus Stüven 1962-1973
Wilhelm Meise 1952-1962
Heinrich Schulz 1940-1952
Herbert Zeidler 1937-1940
Nicolaus Peters 1935-1937
Franz Dietrich 1933-1935
Reinhart Biernatzki 1929-1933
Franz Dietrich 1907-1929

Mitgliederentwicklung

2019 ca 3.000
2017 über 2.000
1946 406
1940 187
1931 432
1918 136
1914 153
1907 23

Uwe Schneider und Loki Schmidt präsentieren die Blume des Jahres (Purpurblauer Steinsame), 1999

Besonderheiten

Der Verein zählt zu den ältesten Naturschutzorganisationen in Deutschland.

Seit 2014 präsentiert er turnusmäßig einen „Seevogel des Jahres“, um die entsprechende Vogelart stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern.

Fachwissenschaftliche Aufsätze und vereinsinterne Informationen werden seit August 1979 in der vierteljährlich erscheinenden Vereinszeitschrift "Seevögel" publiziert.

Populärstes Mitglied war Hannelore, genannt Loki Schmidt, die dem Verein Jordsand über 40 Jahre angehörte und im Haus der Natur über viele Jahre die Blume des Jahres vorstellte.

Persönlichkeiten

Gottfried Vauk GND: 118830554
Loki Schmidt GND: 118836617

Links

Wikipedia-Artikel zum Verein Jordsand: https://de.wikipedia.org/wiki/Verein_Jordsand (Zugriff am 20.08.2020)

Wikipedia-Artikel zum Seevogel des Jahres: https://de.wikipedia.org/wiki/Seevogel_des_Jahres (Zugriff am 31.08.2020)

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Name

Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V.

GPS-Standort

53° 39' 31'' N, 10° 11' 37'' O

Rechtsform

e. V.

Sitz

Bornkampsweg 35, 22926 Ahrensburg

Gründungsdatum

18.02.1907

Vorsitz

Mathias W. Vaagt

Mitgliederanzahl

ca. 3.000 (Stand 2019)

Strukturansicht

Literatur

  • Christel Grave: 100 Jahre Seevogelschutz an deutschen Küsten. Ahrensburg, 2007, GVK: 58524555X
  • Verein Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur: 90 Jahre Verein Jordsand 1907 - 1997. Ahrensburg, 1997, GVK: 304949779
  • 75 Jahre Seevogelschutz 1907 - 1982. [Hamburg], Verein Jordsand zum Schutze der Seevögel 1982, GVK: 067173284
  • 50 Jahre Seevogelschutz Festschrift des Vereins Jordsand. Hamburg, 1957, GVK: 657033561

Weitere Literatur