Trittauer Mühle

Das Ensemble der Trittauer Mühle (Wassermühle Trittau) mit seinem gut dreihundert Jahre alten Fachwerk-Wohnhaus liegt etwas abseits des Ortszentrums am Mühlenteich. Es wird als Kulturzentrum Wassermühle Trittau genutzt.

Außenarchitektur

Das L-förmige Mühlenensemble besteht aus einem 1701 errichteten repräsentativen Wohnhaus und einem etwas jüngeren Mühlenteil. Das Wohnhaus ist ein zweigeschossiger, sieben Fensterachsen breiter Fachwerkbau auf Granitfundament, mit einem mittigen Zwerchgiebel auf der Eingangsseite und einem ausgebauten, mit Tonpfannen gedeckten Halbwalmdach. Die übergiebelte Haustür wird von hölzernen Pilastern flankiert.

Der zweigeschossige Mühlenteil liegt traufständig zum Wasser, mit dem unteren Geschoss etwa einen Meter tiefer, und enthält die Mahlwerke mit allem technischen Zubehör.

Europa-Weihnachts-Bazar der Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) e.V. und Europa-Union, 1982

Innenarchitektur

Im Wohnhaus ist der historische Grundriss mit der Raumaufteilung erhalten. Die Türblätter und -gewände sind erneuert. Im Mühlenteil ist das Fachwerk sichtbar. Hier sind noch Teile des historischen Fußbodens erhalten und große Teile der Mahlwerke, der technischen Ausstattung und des Antriebs.

Materialien

Als Baumaterial diente Holz für das Fachwerk, Böden Treppen. Fensterläden, den Dachstuhl und viele Teile der Mahlwerke, Ton für die Ziegelausmauerung und die Dachpfannen sowie Gusseisen für das Mühlengetriebe.

Mühlen auf dem Lageplan von Matthäus Merian, 1650

Geschichte

Die älteste schriftliche Erwähnung der Kornmühle stammt aus dem Jahr 1599 in den Amtsrechnungen. Sie wurde aber sicherlich schon im Spätmittelalter bald nach der Errichtung der Burg Trittau erbaut und diente den Bewohnern des Amtshofes wie auch den Einwohnern aus 18 Dörfern des Amtes Trittau später als Korn- und bis 1854 als Zwangsmühle.

Die Energie erhielt sie aus dem großen Mühlenteich, der hier das Wasser des Trittauer Mühlenbaches (auch: Schönau) aufstaut. In einem Kupferstich von Matthäus Merian aus dem Jahr 1650 ist die Kornmühle mit ihrem separaten Wasserabfluss aus dem Mühlenteich dargestellt, neben einer Sägemühle am Teichausfluss.

Der Mühlenbesitzer konnte das Recht, auch Wasser aus dem Großensee zu beziehen, im Jahr 1900 gerichtlich gegen die Stadt Wandsbek durchsetzen.

An die Stelle eines Wasserrades trat Mitte des 19. Jahrhunderts eine Francis-Turbine, dann zusätzlich eine Dampfmaschine. Die Kraftübertragung erfolgte über eine Welle unter den Mahlwerken zum Stirnradgetriebe, das noch erhalten ist. In der Mühle sind drei Mahlgänge erhalten, einer ohne Steine.

Der Müller Hans Hinrich Holst wurde 1736 Zeitpächter der Mühle, sein gleichnamiger Sohn 1760 Erbpächter. Der letzte Müller aus der Familie, Heinrich Holst, verpachtete 1926 die Mühle. 1933 erwarb das Landhandelsunternehmen W. F. (Wilhelm Friedrich) Stoltenberg aus Barkhorst auf einer Zwangsversteigerung das Mühlenanwesen. Der Mahlbetrieb wurde 1963 eingestellt.

1973 kaufte die Gemeinde Trittau für 500.000 D-Mark die Mühle. Eine grundlegende Instandsetzung und Restaurierung erfolgte in den Jahren 1981/82 und 1986/87.

Neben der Mühle stand eine im späten 19. Jahrhundert aus Ziegeln erbaute Scheune. Sie wurde wegen großer Bauschäden abgebrochen und durch das Atelierhaus ersetzt.

Bedeutung

Als Kornmühle für die Dörfer des räumlich sehr großen Amtes Trittau war die Mühle von zentraler Bedeutung. Seit 1992 ist sie ein bedeutendes Kulturzentrum mit einem weithin beachteten Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm.

Nutzung

In den ehemaligen Wohnräumen finden mehrmals im Jahr Kunstausstellungen statt, die von der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn und der Gemeinde Trittau veranstaltet werden. Im Obergeschoss wohnt für ein Jahr jeweils eine Stipendiatin oder ein Stipendiat der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn.

Im Mühlenteil finden Vorträge, Theateraufführungen und Konzerte statt. Die Räume der Mühle können auch für private Veranstaltungen gemietet werden.

Erhaltungszustand

Dank der Grundinstandsetzungen und laufender Bauunterhaltung ist das Mühlenensemble in gutem baulichen Zustand.

Besonderheiten

Der benachbarte Mühlenteich ist seit 1986 Teil des Naturschutzgebietes Mühlenbachtal bei Trittau.

Persönlichkeiten

Hans Hinrich Holst senior
Hans Hinrich Holst junior
Wilhelm Friedrich Stoltenberg

Links

Website des Kulturzentrums Trittauer Wassermühle: www.wassermuehletrittau.de (Zugriff am 19.06.2019)

Datierung Schutzstellung

10.06.1976

Begründung Schutzstellung

Technisches Kulturdenkmal mit historischer Ausstattung und großer geschichtlicher Bedeutung

14 400
Trittauer Mühle business 53.6072210000 10.4159840000

Ort

Am Mühlenteich 3, 22946 Trittau

GPS-Standort

53° 36' 25'' N, 10° 24' 57'' O

Auftraggeber

Landesherr, vertreten durch den Amtmann von Trittau

Planer/Architekt

Sanierung 1981-1987: Heinrich Stuhr und Karl-Friedrich Sörensen, Bad Oldesloe

Errichtungsdatum

1701 und später

Literatur

  • Kunst-Topographie Schleswig-Holstein. Neumünster, Wachholtz 1969, GVK: 021009430
  • Scheuermann, Adelgard: Arbeiten und Leben in der Kornm체hle Sozialgeschichte und Technik der Trittauer Wasserm체hle von 1650 bis heute. Hamburg, VSA-Verl. 1989, GVK: 017138973

Weitere Literatur