Schloss Reinbek

Einst Fürstensitz und Jagdschloss mit einem Park am Nordufer der Bille, wird das aus dem 16. Jahrhundert stammende Renaissance-Schloss Reinbek heute vielfältig als Kulturzentrum und Bürgerhaus genutzt.

Außenarchitektur

Über einem mit Granitplatten verkleideten Sockel steht ein zweigeschossiger, dreiflügeliger Mauerwerksbau mit unregelmäßigen Grundriss, errichtet aus roten Ziegeln und je Geschoss mit drei waagerechten Sandstein-Lagen in Höhe der Sohlbänke, Kämpfer und Fensterstürze versehen. Zum Hof zeigt sich auf zwei Seiten ein offener Arkadengang mit toskanischen Säulen. Dem Südflügel ist der Kapellenbau vorgesetzt, mit einem zweigeschossigen, gekoppelten Aborterker.

Die vierteiligen Kreuzstock-Fenster mit Bleiverglasung in Sandsteinrahmen besitzen für die unteren Rahmen hölzerne Klappläden. Das mit Schiefer gedeckte Walmdach ist mit zwei Reihen Gauben besetzt.

In der Südostecke des Hofes steht ein sechseckiger Treppenturm von 1707, bekrönt von einem zweigeschossigen Helm mit Uhrgeschoss, offener Laterne und einer Spitze. Die heute offene Westseite des Hofes war ursprünglich von einer Mauer mit zwei Wachhäuschen abgeschlossen.

Freilegung der bemalen Decke während der Restaurierung, 1985

Innenarchitektur

Heute zeigt sich im Innern weitgehend wieder die ursprüngliche Raumaufteilung. Über alle Räume im Erd- und Obergeschoss spannen sich auf flache Konsolen gestützte starke Eichenbalken und quer dazu schmale Tochterbalken. Die Balken und Felder mit ihren hölzernen Brettern sind mit bauzeitlicher Schablonenmalerei geschmückt. Die Konsolen zeigen im Erdgeschoss ionische, im herrschaftlichen Obergeschoss korinthische Profile.

Das zweigeschossige Pfettendach ist als Krummspanner-Konstruktion im Kniestock und einem liegenden Dachstuhl darüber errichtet. Die Fußböden im Nordflügel sind mit farbigen Tonfliesen belegt.

Die große Haupttreppe im Ostflügel ist eine moderne Ergänzung, ebenso der benachbarte Aufzug, eine Freitreppe zum Park und die Toilettenanlage im Untergeschoss - alles für die neue Nutzung und aus Gründen der Barrierefreiheit des Schlosses unabdingbar.

Schloss Reinbek als Sitz der Bundesforschungsanstalt für Holz- und Forstwirtschaft, 1964

Geschichte

Auf dem Grundstück des 1529 an den Landesherrn verkauften und fünf Jahre später in der Grafenfehde zerstörten Zisterzienserinnen-Klosters Reinbek ließ Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf in den Jahren 1572-1576 durch einen unbekannten, vermutlich niederländischen Baumeister ein neues Schloss im Stil der niederländischen Renaissance errichten. Er und seine Nachfolger nutzten es als Jagdschloss und Repräsentationsbau im Süden des Herzogtums Schleswig-Holstein-Gottorf. Ein herrschaftliches Vorwerk ergänzte den Hof.

Im Südflügel befanden sich einst die herzoglichen Räume, mit der Burgstube sowie der Schlosskapelle im Erdgeschoss und dem Trabantenraum, dem Audienz- und dem Festsaal sowie den anschließenden Schlafräumen im Obergeschoss. Im Ostflügel lagen die Zwei-Zimmer-Appartements für vornehme Gäste und Familienangehörige. Im Nordflügel befanden sich im Erd- und Untergeschoss die Küche und weitere Wirtschaftsräume. Die Mägde, Knechte und Bediensteten hatten Kammern im Dachgeschoss.

Schloss und Amt Reinbek waren zweimal Leibgedinge (Braut- und Witwenausstattung): 1586-1604 für Christine von Schleswig-Holstein-Gottorf, die wesentlich zur Ausstattung des Schlosses beitrug. (Augusta) Auguste von Schleswig-Holstein-Gottorf, seit 1606 Witwe von Johann Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf, ließ ab 1616 den Kapellenbau im Südflügel ausbauen und ausstatten. Für beide war Reinbek lediglich ein Nebenwohnsitz.

Nach der Zusammenführung aller schleswig-holsteinischen Teilherzogtümer bis 1773 diente das Schloss weitere hundert Jahre als Wohn- und Arbeitssitz des jeweiligen Amtmanns von Reinbek, Trittau und ab 1800 Tremsbüttel. Einem weitgehenden Abriss der Süd- und Nordflügel entging das Schloss um 1818 nur knapp. 1867 fiel Schloss Reinbek an Preußen. Der letzte Amtmann und erste preußische Landrat Wilhelm von Levetzau blieb bis zum Umzug nach Wandsbek hier wohnen.

Nach der Verlegung der Kreisverwaltung Stormarn 1873 nach Wandsbek wurde das Schloss 1874 vom Fiskus versteigert. Der neue Besitzer Wilhelm Specht richtete nach einem durchgreifenden Umbau ein Hotel ein. Er ließ auf dem Hof ein neugotisches Treppenhaus errichten, die Arkaden wurden zugemauert und zu Fluren umfunktioniert. Die großen Räume wurden zu kleineren Zimmern aufgeteilt, die Decken abgehängt und die meisten Fenster tiefergelegt.

Die Schlosskapelle im Erdgeschoss diente der evangelischen Kirchengemeinde Reinbek bis zur Einweihung der Maria-Magdalenen-Kirche 1901 als Gottesdienstraum.

1919 erwarb Margarethe von Patow das Schloss und betrieb darin ein Erholungsheim. 1939 kaufte die Stadt Hamburg das Anwesen und richtete hier das aus Tharandt verlegte Reichsinstitut für ausländische und koloniale Forstwirtschaft ein. Es wurde 1952 in die Bundesforschungsanstalt für Holz- und Forstwirtschaft umgewandelt.

Am 21.12.1972 erwarben der Kreis Stormarn und die Stadt Reinbek das Anwesen zu gleichen Teilen für 200.000 D-Mark. In zwei Bauabschnitten wurde das Schloss mit dem Park und den Nebengebäuden unter der Federführung des Architekten Horst von Bassewitz restauriert und in seinem Äußeren, weitgehend auch in der Raumaufteilung wieder auf seinen renaissancezeitlichen Zustand zurückgeführt. Das neugotische Treppenhaus wurde abgebrochen, die Arkaden wieder geöffnet und fehlende Säulen ergänzt.

Die Gesamtkosten von rund 21,4 Millionen D-Mark brachten die Stadt Reinbek und der Kreis Stormarn auf, unterstützt aus vielfältigen Fördertöpfen von Land und Bund.

Bedeutung

Schloss Reinbek ist ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. Es ist eines der wenigen Schlösser in Schleswig-Holstein und das einzige in Stormarn, das von der großen Abrisswelle vor allem in den 1770er-Jahren verschont blieb.

Plakat des Kulturzentrums Reinbek, 2004

Nutzung

Das Gebäude wird seit 1988 als Kulturzentrum Schloss Reinbek genutzt. Die Innenräume, die unter anderem mit Möbeln, Gemälden und Gobelins der Renaissancezeit ausgestattet sind, können tagsüber besichtigt werden. Im Südflügel ist ein Restaurant eingezogen.

Erhaltungszustand

Schloss Reinbek, seine Nebengebäude und der Schlosspark sind in einem guten Zustand.

Besonderheiten

Schloss Reinbek war der erste herrschaftliche Bau in Schleswig-Holstein, bei dem von vornherein auf jeglichen militärischen Schutz verzichtet wurde: Es besitzt keine Wälle oder Schießscharten.

Persönlichkeiten

Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf GND: 118812319
Johann Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf GND: 102032491
Christine von Schleswig-Holstein-Gottorf GND: 115819363
(Augusta) Auguste von Schleswig-Holstein-Gottorf GND:12112357X
Wilhelm Specht
Margarethe von Patow
Horst von Bassewitz GND: 110872614

Links

Website des Kulturzentrums Schloss Reinbek: www.schloss-reinbek.org (Zugriff am 29.05.2019)

Datierung Schutzstellung

10.02.1965

Begründung Schutzstellung

Geschichtliche, wissenschaftliche, künstlerische und städtebauliche Bedeutung

14 400
Schloss Reinbek business 53.5072830000 10.2541450000

Ort

Schlossstraße 5, 21465 Reinbek

GPS-Standort

53° 30' 26'' N, 10° 15' 14'' O

Auftraggeber

Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf

Planer/Architekt

Sanierung 1978-1987: Horst von Bassewitz, Hamburg

Errichtungsdatum

1572-1576

Literatur

  • Antje Wendt: Das Schloss zu Reinbek. Neumünster, Wachholtz 1994, GVK: 181526662
  • Kunst-Topographie Schleswig-Holstein. GVK: 021009430
  • Denkmalpflege im Kreis Stormarn. Neumünster, Wachholtz 1983, GVK: 038269023
  • Teuchert, Wolfgang: Die nationale Bedeutung von Schloß Reinbek. In: Jahrbuch für den Kreis Stormarn ..., Großhansdorf: ProFunda-Verlag, Band 4 (1986), S. 53-57, GVK: 1004874243

Weitere Literatur