Herrenhaus Schloss Ahrensburg

Schloss Ahrensburg, nach seiner historischen Funktion ein Herrenhaus des ehemaligen Adligen Gutes, ist im Tal der Aue gelegen. Es ist ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung und wird als Museum der adligen Wohnkultur in Schleswig-Holstein genutzt.

Südostturm eingerüstet während der Sanierung der Außenfassade, 2009

Außenarchitektur

Das Gebäude ist ein sogenanntes Dreihaus, mit drei parallelen Satteldächern, Schweifgiebeln und vier schlanken, achteckigen Türmen mit offenen Laternen an den Gebäudeecken. Der heute geweißte, dreigeschossige Ziegelbau steht in einem Wassergraben, mit einer Granitbrücke mit Ziegelgeländer als Zugang.

Innenarchitektur

Das mittlere Haus birgt im Erdgeschoss die Diele und den Gartensaal und im 1. Obergeschoss den ursprünglich ungeteilten Saal. In den seitlichen Häusern gab es im 1. Obergeschoss einst vier Appartements mit je einem Zimmer und Kammer. Die Erschließung innerhalb des Hauses erfolgte über Wendeltreppen neben dem Hauseingang und in drei der vier Ecktürme.

Heinrich Carl Schimmelmann ließ nach dem Kauf 1759 alsbald eine dreiläufige Rokoko-Treppe einbauen und alle Räume im Stil des Rokoko und des Frühklassizismus modernisieren.

Weitere Renovierungsphasen folgten ab 1855, 1954/55, 1984-1986 und 2009-2016.

Südfassade des Herrenhauses auf einer Postkarte, 1902

Geschichte

Nach dem Tod seines Bruders, des Feldherrn Daniel Rantzau im Jahr 1557 vor Varberg (Schweden), erbte Peter Rantzau dessen Besitz und Braut.

Das Herrenhaus Ahrensburg wurde von ca. 1575 (Dendrodaten der hölzernen Hausgrabeneinfassung) bis 1595 auf einer künstlichen, im Tal der Aue geschaffene Insel erbaut. Die Ziegel stammten wohl zum Teil vom Vorgängerbau, der aufgegebenen Burg Arnesvelde. Die lange Bauzeit erklärt sich vermutlich durch häufige Abwesenheit des Bauherrn, der das Amt des Bauherrn als Amtmann von Flensburg innehatte und dessen Wohnsitz auf Gut Troyburg.

Das Herrenhaus war einst vor Angriffen nicht nur durch den breiten, zu einem Mühlenteich aufgestauten Hofgraben geschützt, sondern besaß nach wohl zwei Seiten (Osten und Süden) jeweils Kanonenwälle; hiervon ist nur der östliche Wall als Relikt erhalten und heute mit Linden bestanden. Die kleinen Schießscharten in den Sockeln der Ecktürme dürften eher dekorative Ergänzung sein, für eine wirksame Verteidigung sitzen sie zu tief.

1759 kaufte Heinrich Carl Schimmelmann das hochverschuldete Adlige Gut Ahrensburg und lies in den folgenden Jahren auch das Herrenhaus umbauen und modernisieren.

Der einst nördlich jenseits des Hausgrabens anschließende Wirtschaftshof wurde ab den 1840er-Jahren auf die Ostseite der Straße hinter den Marstall Ahrensburg verlegt. Die nunmehr freie Fläche wurde zu einem Park im englischen Stil umgewandelt.

In den 1930er-Jahren musste Carl Otto von Schimmelmann aus finanziellen Gründen nach einem Teil des wertvollen Inventars auch das Gut mit dem Herrenhaus verkaufen. Dessen Käufer war der neu gegründete Schlossverein Ahrensburg, bestehend aus dem Land Schleswig-Holstein, dem Kreis Stormarn, der Stadt Ahrensburg und der Kreis-Sparkasse Stormarn. Diese hatte zuvor schon einen Teil der Ausstattung erworben und so gesichert. 1938 wurde das Herrenhaus, das mittlerweile nur noch Schloss Ahrensburg genannt wurde, als Museum eröffnet, aber mit Kriegsbeginn geschlossen. 1942 lagerte man die historische Ausstattung der Räumlichkeiten aus. 1943 nahmen sie Buten-Hamborger auf. Außerdem waren hier zeitweilig ein Lazarett und eine Zweigstelle der Seewarte Hamburg untergebracht. Nach Kriegsende diente das Schloss zunächst als Kommandostelle der britischen Besatzung, seit 1946 lebten dann in seinen Zimmern bis zu 400 Flüchtlinge aus dem Osten Deutschlands. Nach einer Zwischennutzung durch die Berufliche Schule des Kreises Stormarn in Ahrensburg vom Februar 1947 bis April 1954 konnten die Räume renoviert und 1955 das Museum Schloss Ahrensburg wieder eröffnet werden.

Die ab 1759 geschaffenen, zum Teil Mitte des 19. Jahrhunderts modernisierten Räume sind noch heute im Wesentlichen erhalten und bilden den Rahmen für das heutige Museum. Die Säle, Zimmer und Kammern sind durch die originalen hölzernen Wandvertäfelungen, Bespannungen, Stuckfriese, Stuckdecken sowie Möbel und Gemälde aus Familienbesitz geprägt. Die Fußböden bestehen zumeist aus einfachen Dielen, in den beiden Sälen im Obergeschoss liegt ein aufwendiges Parkett.

Die bauliche Sanierung des früheren Herrenhauses begann 1984 mit der Öffnung und Wiederherstellung des inneren Hausgrabens, der unter Heinrich Carl Schimmelmann um 1760 bis auf schmale Kasematten zugeschüttet worden war. Dadurch konnten der Grundwasserspiegel unter dem Gebäude dauerhaft abgesenkt, jahreszeitliche Schwankungen vermieden, das Kellergeschoss nun insgesamt trockengelegt und so für eine vielfältige Nutzung hergerichtet werden. Mit den vom Rand der Kasematten geborgenen Granitpfeilern und eisernen Ketten wurde der Vorplatz neu gestaltet. Hierbei kamen auch die Granitfundamente der früheren, aus dem 16. Jahrhundert stammenden zweibogigen Zugangsbrücke wieder zutage, sie bilden seither den Unterbau für den darauf neu errichteten Zugang in das Schloss bzw. Museum. Um einen notwendigen zweiten Fluchtweg aus dem Gebäude zu schaffen, wurde vom Gartensaal aus nach Süden eine kleine neue Brücke in nun modernen Formen errichtet. Im letzten Sanierungsabschnitt wurde ab 2009 die alte Kellertreppe vor dem Nordwestturm abgerissen und unterhalb der barocken Treppe eine neue Treppe in das Kellergeschoss geführt; dort entstanden zeitgleich für die Besucher eine neue Garderobe und Toiletten.

Heutiger Eigentümer des Schlosses Ahrensburg einschließlich der Schlossinsel und der südlich anschließenden Wiesenfläche ist die 2003 aus dem ehemaligen Schlossverein umgewandelte Stiftung Schloss Ahrensburg.

Bedeutung

Schloss (Herrenhaus) Ahrensburg ist ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. In seiner Ausstattung spiegelt sich die Lebensweise der einstigen adligen Oberschicht in Schleswig-Holstein.

Seine Bauweise als Dreihaus ist im Lande nur noch durch Schloss Glücksburg (erbaut 1582-1587) und das Herrenhaus Nütschau (erbaut 1587-88) vertreten.

Nutzung

Das Gebäude wird als Museum Schloss Ahrensburg mit seiner ganz überwiegend aus einst Schimmelmannschen Besitz stammenden Ausstattung und Einrichtung als Beispiel der adligen Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts genutzt. Es ist das einzige Herrenhaus in Schleswig-Holstein, das mit seiner spezifischen, wertvollen Ausstattung dauerhaft öffentlich zugänglich ist.

Erhaltungszustand

Nach Abschluss der letzten mehrjährigen Renovierung präsentiert sich Schloss Ahrensburg seit 2016 in einem hervorragenden baulichem Zustand.

Besonderheiten

Das Kellergeschoss kann von jedermann für private Zwecke oder für Firmenfeiern gemietet werden. Die Versorgung erfolgt durch eine Caterer-Firma.

Persönlichkeiten

Horst von Bassewitz GND: 110872614
Daniel Rantzau GND: 138402191
Peter Rantzau GND: 429203853
Helmut Riemann GND: 129873918
Hans Schadendorff GND: 1027111955
Heinrich Carl Schimmelmann GND: 118917323

Datierung Schutzstellung

14.01.1966

Begründung Schutzstellung

Historische, künstlerische, geschichtliche und städtebauliche Bedeutung

14 400
Herrenhaus Schloss Ahrensburg business 53.6802230000 10.2404590000

Ort

Ahrensburg

GPS-Standort

53° 40' 48'' N, 10° 14' 25'' O

Planer/Architekt

Sanierung 1984-1986: Horst von Bassewitz, Sanierung 2009-2016: Helmut Riemann

Literatur

  • Teuchert, Wolfgang: Renaissanceschloß Ahrensburg und verwandte Bauten. Neumünster, Wachholtz-Verlag 1997, GVK: 1004516126
  • Ceynowa, Tatjana: Schloss Ahrensburg: Bestand durch Wandel. Großhansdorf, ProFunda-Verlag 2016, GVK: 894108492
  • Neumann, Antonia: Schloss Ahrensburg Heinrich Carl Schimmelmann als Bauherr auf Schloss Ahrensburg. Großhansdorf, ProFunda-Verlag 2011, GVK: 682401870