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Raimund Harmstorf

Der Schauspieler Raimund Harmstorf wurde in den 1970er-Jahren durch seine Mitwirkung in internationalen Abenteuerfilmen und Actionkomödien bekannt. Er stammte aus einer Bad Oldesloer Familie.

Ausbildung

Raimund Harmstorf besuchte bis 1957 die Theodor-Mommsen-Schule in Bad Oldesloe, anschließend die Rudolf-Steiner-Schule in Hamburg-Wandsbek. Nach dem Abitur 1959 studierte er zunächst Medizin, nahm jedoch bald Unterricht bei dem Schauspieler Eduard Marks und wechselte zur Hochschule für Musik und Theater in Hamburg.

Beruflicher Werdegang

Raimund Harmstorf debütierte 1964 am Stadttheater Rheydt. Danach war er v. a. an Tourneetheatern wie der Schauspieltruppe Zürich (1965) und den Deutschen Kammerspielen in Buenos Aires (1966/67) engagiert. Bis Anfang der 1970er-Jahre spielte er etwa 80 Bühnenrollen, ab 1965 auch kleinere Film- und Fernsehrollen.

Sein schauspielerischer Durchbruch kam 1971 mit der Rolle des Kapitäns Wolf Larsen in der ZDF-Fernsehverfilmung des Abenteuerromans "Der Seewolf" von Jack London, die in etliche Länder verkauft wurde. In der Folge spielte der groß gewachsene, im Mehrkampf trainierte Harmstorf in zahlreichen internationalen Filmproduktionen, darunter weitere Jack-London-Verfilmungen wie "Call of the Wild" ("Ruf der Wildnis", 1972) und "Zanna Bianca" ("Wolfsblut", 1973). In der deutsch-italienischen Actionkomödie "Lo chiamavano Bulldozer" ("Sie nannten ihn Mücke", 1978) spielte er an der Seite von Bud Spencer. Große persönliche Erfolge waren die Titelrollen in zwei deutschen Literaturverfilmungen, der TV-Serie "Michael Strogoff" (1975) nach Jules Vernes "Kurier des Zaren" und Wolfgang Liebeneiners Goethe-Adaption "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" (1976).

Nach Abklingen seiner internationalen Karriere wandte sich Harmstorf seit den späten 1970er-Jahren wieder stärker dem Theater zu. U. a. stand er 1979 als "Old Firehand" bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg und noch 1996 als Götz von Berlichingen bei den Burgfestspielen in Jagsthausen auf der Bühne. Als Gast trat er in TV-Unterhaltungsserien wie "Die Schwarzwaldklinik" und "Klinik unter Palmen" auf.

Lebenslauf

Raimund Harmstorf war der Enkel des Direktors der Spar- und Leihkasse Bad Oldesloe, Ernst Harmstorf, und Sohn des Chirurgen Ernst Harmstorf mit Praxis in Hamburg-Eppendorf. Während des Zweiten Weltkrieges zog die Familie 1943 zurück nach Bad Oldesloe, wo Harmstorf größere Teile seiner Kindheit und Jugend verbrachte. Später wohnte er zeitweise in Berlin, München, Rom und auf der Karibikinsel Grenada. Zuletzt lebte er zusammen mit seiner Lebensgefährtin auf einem Bauernhof in Marktoberdorf (Bayern).

Seit Mitte der 1990er-Jahre litt Harmstorf an Parkinson. In der Öffentlichkeit hielt er seine Erkrankung, in deren Folge er medikamentenabhängig wurde, geheim. Der 58-jährige Schauspieler nahm sich 1998 das Leben, nachdem in der Boulevardpresse kurz zuvor sensationell aufgemachte Berichte über einen Aufenthalt in der Psychiatrie und Suizidversuche erschienen waren.

Bedeutung

Raimund Harmstorf gehörte zu den wenigen deutschsprachigen Schauspielern seiner Generation mit internationaler Karriere. Die tragischen Umstände seines Suizids können als Beispiel für die Folgen grenzverletzender medialer Berichterstattung gelten.

Ehrungen und Preise

Im Neubaugebiet Steinfelder Redder in Bad Oldesloe gibt es seit 2007 einen Raimund-Harmstorf-Weg.

Familienname

Harmstorf

vollständige Vornamen

Raimund

Geburtsdatum

07.10.1939

Geburtsort

Hamburg

Sterbedatum

03.05.1998

Sterbeort

Marktoberdorf (Bayern)

Begräbnisort

Friedhof Bad Oldesloe

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Schauspieler

Ehe-/Lebenspartner

Gudrun Staeb

Eltern

Ernst Harmstorf (1902-1992); Maria Harmstorf, geb. Stübs (1903-1970)

Strukturansicht

Literatur

  • Weniger, Kay: Das große Personenlexikon des Films. Bd. 3: F-H. Berlin, Schwarzkopf und Schwarzkopf 2001, DNB: 963524496
  • Kellner, Oliver; Marek, Ulf: Seewolf & Co. Robinson Crusoe, Lederstrumpf, David Balfour, Mathias Sandorf, Tom Sawyer - Die grossen Abenteuer-Vierteiler des ZDF. Erweiterte Neuausgabe. Berlin, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2005, GVK: 477084907
  • Schultheis, Christoph: Nachwirkungen der "Bild"-Berichterstattung. Wie eine große deutsche Boulevardzeitung wirkt. In: Schertz, Christian; Schuler, Thomas (Hg.): Rufmord und Medienopfer. Die Verletzung der persönlichen Ehre. Berlin, Christoph Links Verlag 2007, S. 31-42, DNB: 984190813
  • Mirko Nottscheid: Porträt Raimund Harmstorf. In: Andreas Stuhlmann: Vater Courage. Reinhold K. Olszewski und die "Deutschen Kammerspiele" in Lateinamerika 1949-1974. München, Belleville 2016, S. 174-175, DNB: 1114836648

Weitere Literatur