Matthias Claudius

Matthias Claudius war ein deutscher Dichter und Journalist. Bekannt wurde er vor allem durch seine volkstümlich klingende, aber höchst kunstvolle Lyrik.

Ausbildung

Matthias Claudius besuchte die Gelehrtenschule in Plön. Im April 1759 nahm er in Jena ein Theologiestudium auf, wechselte jedoch bald zur Rechts- und Kameralwissenschaft. Ein Vermerk im Trauregister deutet darauf hin, dass er eventuell den ersten Abschluss im Studium beider Rechte „Juris Ultriusque Baccalaureus“ erwarb.

Beruflicher Werdegang

Erste Berufserfahrungen sammelte Claudius 1764/65 in Kopenhagen als Sekretär des Grafen Ulrich Adolph von Holstein. Seine Bewerbung auf ein Organistenamt in Lübeck zog er zugunsten eines begabteren Musikers zurück.

Von 1768 bis 1770 war Claudius in Hamburg als Redakteur der „Hamburgischen-Adreß-Comtoir-Nachrichten" tätig, die von Friedrich Gottlieb Klopstocks Bruder Viktor Ludwig herausgegeben wurden. Für sie verfasste er Börsenberichte und Meldungen über ankommende Schiffe.

Anfang Januar 1771 übernahm Matthias Claudius die Redaktion der von Heinrich Carl Schimmelmann als Nachfolge des „Wandsbecker Mercurius“ neu ins Leben gerufenen und von Johann Joachim Christoph Bode verlegten Tageszeitung „Der Wandsbecker Bothe“. Literarisch hoch angesehen, doch wirtschaftlich erfolglos, wurde das Blatt 1775 eingestellt.

Vermittelt durch Johann Gottfried Herder, ging Claudius im Jahr darauf nach Darmstadt, wo er bis zum Frühjahr 1777 als „Obercomissarius“ der Oberlandkommission fungierte und die „Hessen-Darmstädtische privilegirte Land-Zeitung“ redigierte.

1788 verhalf ihm der dänische Kronprinz Friedrich zu dem Amt eines Revisors bei der Schleswig-Holsteinischen Speciesbank in Altona (damals beim dänischen Gesamtstaat), was jährlich viermal seine Anwesenheit zur Prüfung der Quartalsabschlüsse erforderte.

Geburtshaus in Reinfeld

Lebenslauf

Matthias Claudius wurde als viertes von sechs Kindern des lutherischen Pastors Matthias Claudius in Reinfeld geboren. Dieser stammte bereits in sechster Generation aus einer Pastorenfamilie. Matthias‘ Mutter Maria, geb. Lorck, war die zweite Ehefrau seines Vaters. Matthias wuchs im Pastorenhaushalt auf und musste im Alter von elf Jahren den Tod dreier seiner Geschwister verschmerzen. Mit seinem älteren Bruder Josias ging er 1759 gemeinsam zum Studium nach Jena. Im Jahr darauf überstand er die Blattern (Pocken), während sein Bruder daran starb. 1762 kehrte Matthias nach Reinfeld in sein Elternhaus zurück und blieb dort – mit Ausnahme des einjährigen beruflichen Aufenthalts in Kopenhagen – bis 1768.

Bereits in Jena war Claudius der „Deutschen Gesellschaft“ zur Förderung deutscher Sprache und Literatur beigetreten und hatte erste kleine Erzählungen und Lieder geschrieben. Sein 1763 erschienenes erstes Buch „Tändeleyen und Erzählungen" wurde jedoch von Kritikern als stilistische Nachahmung bekannter Gedichte abgelehnt. In Kopenhagen lernte er die Grafen Christian und Leopold zu Stolberg kennen und fand Zugang zum Kreis um Friedrich Gottlieb Klopstock. Durch ihn erfuhr er wesentliche Impulse für sein literarisches Schaffen. Als Redakteur in Hamburg knüpfte er dann auch Verbindungen zu Johann Gottfried Herder, Gotthold Ephraim Lessing und dem Verleger Johann Joachim Christoph Bode.

Im Januar 1771 verlegte Claudius seinen Wohnsitz ins stormarnsche Wandsbek. Dem „Wandsbecker Bothen“, den er schon bald in den Augen seiner Leserschaft selbst verkörperte, verlieh er schnell ein besonderes Ansehen in der literarischen Welt – mit seinen eigenen Dichtungen, darunter einem fiktiven Briefwechsel des Asmus mit dessen Vetter Andres, und durch die Anwerbung prominenter Autoren aus den Kreisen der Stürmer und Dränger sowie des Göttinger Hainbundes.

Am 15.03.1772 heiratete Matthias Claudius in der Wandsbeker Kirche die 17-jährige Anna Rebekka Behn, Tochter eines dortigen Zimmermeisters und Gastwirts. Mit ihr bekam er bis 1794 zwölf Kinder, von denen das erste, ein Sohn, kurz nach der Geburt verstarb. Während seiner Tätigkeit für die Wandsbeker Zeitung vervollkommnete er in Gedichten wie Prosa seinen ganz persönlichen literarischen Stil. Am 12.08.1774 wurde er in die Hamburger Freimaurerloge „Zu den drei Rosen“ aufgenommen und blieb Logenbruder auch in anderen Logen bis Anfang der 1780er-Jahre.

Von seiner Stellung in Darmstadt kehrte Claudius mit seiner Familie bereits im Mai 1777 nach Wandsbek zurück, infolge einer Erkrankung und weil ihm die hierarchischen Strukturen der fürstlichen Residenzstadt nicht behagten. In Stormarn besserte er den Lebensunterhalt für seine Familie mit Übersetzungen auf und durch das Unterrichten von Kindern, die er in Pension nahm. Viele seiner literarischen Arbeiten veröffentlichte er in acht Teilen zwischen 1775 und 1812 unter dem Titel „ASMUS omnia sua SECUM portans oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen". Sie verhalfen ihm zu überregionaler Berühmtheit und zahlreichen Besuchern. Finanzielle Unterstützung erhielt die Familie durch wohlhabende Freunde. Erst ein bescheidener Ehrensold, den der dänische Kronprinz Friedrich Claudius ab 1785 zukommen ließ, verbesserte die Lage. Von den aufklärerischen Idealen seiner Jugend wandte er sich in den 1780er-Jahren ab und zunehmend einer politisch und theologisch konservativen Haltung zu.

Claudius’ Übersetzertätigkeit, die er bis ins 19. Jahrhundert ausübte, bezog sich u. a. auf Schriften von Jean Terrasson, Andrew Michael Ramsay, Francois Fénelon und Louis Claude de St. Martin.

Im August 1813 flohen Claudius und seine Frau aus dem durch die Kriegswirren der Franzosenzeit unsicher gewordenen Wandsbek. Nach Aufenthalten in Kiel und Lübeck zogen sie im Dezember 1814, als Matthias Claudius bereits schwer erkrankt war, in das Haus seiner ältesten Tochter und seines Schwiegersohnes, des Verlegers Friedrich Christoph Perthes, am Hamburger Jungfernstieg. Dort verstarb Claudius am 21.01.1815.

Bedeutung

Matthias Claudius setzte sich kritisch mit seiner Epoche und ihren literarischen Vertretern auseinander, behielt aber eine eigenständige Haltung. Sein Werk vereint in nur vordergründig naiver, doch äußerst kunstreicher Sprache die Botschaft der Natur- und Menschenliebe, des christlichen Glaubens sowie des Strebens nach Gerechtigkeit und Frieden mit Alltagsbeobachtungen, Humor und Lebensfreude.

Viele seiner Verse gehören zum bleibenden Schatz deutscher Poesie, manche wurden zu Volksliedern – so sein noch heute populäres Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“.

Ehrungen und Preise

In vielen deutschen Städten und Gemeinden wurden nach dem Dichter Straßen, Plätze und Gebäude benannt. U. a. tragen in Reinfeld die evangelische Kirche und die Grundschule, in Hamburg-Wandsbek ein Gymnasium sowie in Reinfeld und Reinbek jeweils eine Straße seinen Namen.

Einweihnung der Skulptur am Reinfelder Herrenteich, 1990

Besonderheiten

Zwei eiserne Grabkreuze erinnern auf dem historischen Friedhof Wandsbek an Matthias Claudius und seine Frau. Am Ufer des Reinbeker Herrenteiches steht seit 1989 für den Dichter ein von dem Bildhauer Jörg Plickat geschaffenes Denkmal aus Granit. In Hamburg-Wandsbek sind mehrere Denkmale Matthias Claudius gewidmet.

Zu Claudius‘ 150. Todesjahr 1965 und 250. Geburtsjahr 1990 gab die Deutsche Bundespost Sonderbriefmarken heraus. Im Evangelischen Namenskalender ist der 21. Januar als Gedenktag mit ihm verbunden.

Die Insignien des „Wandsbecker Bothen“ – Hut, Stock und Tasche – sind noch heute Bestandteil des Wandsbeker Wappens.

Persönlichkeiten

Heinrich Carl Schimmelmann GND: 118917323
Ulrich Adolph von Holstein GND: 376593245
Friedrich VI. von Dänemark GND: 119217139
Friedrich Gottlieb Klopstock GND: 118563386
Johann Gottfried Herder GND: 118549553
Gotthold Ephraim Lessing GND: 118572121
Johann Joachim Christoph Bode GND: 118660438
Friedrich Christoph Perthes GND: 118790471
Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg GND: 118755552
Christian zu Stolberg-Stolberg GND: 118755544

Links

Wikipediaartikel „Matthias Claudius“: https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Claudius (abgerufen am 20.11.2018)

Urban Roedl: Artikel "Claudius, Matthias" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 266-267: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118521098.html#ndbcontent (abgerufen am 08.11.2018)

Rezension von Reinhard Görisch: „In der Verflechtung mit seinem Zeitalter wird Claudius’ Eigenart sichtbar“ Matthias Claudius in einer neuen Biografie von Annelen Kranefuss: https://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16414 (abgerufen am 08.11.2018)

Familiename

Claudius

vollständige Vornamen

Matthias

Geburtsdatum

15.08.1740

Geburtsort

Reinfeld

Sterbedatum

21.01.1815

Sterbeort

Hamburg

Begräbnisort

Friedhof der Christuskirche, Wandsbek

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Dichter, Journalist

Funktionen, Rang

Zeitungsredakteur

Ehe-/Lebenspartner

Anna Rebekka Claudius, geb. Behn (1754-1832)

Kinder

sechs Töchter und sechs Söhne

Eltern

Matthias Claudius (1703-1773); Maria, geb. Lorck (1718-1780)

Literatur

  • Günther, Barbara (Hrsg.): Stormarn Lexikon. Neumünster, Wachholtz 2003, GVK: 365197653