Landgemeinde Reinbek

Die Landgemeinde Reinbek lag im Süden des Kreises Stormarn.

Lage

Die Landgemeinde Reinbek wurde im Osten und Südosten durch die Bille vom Kreis Herzogtum Lauenburg getrennt. Im Süden verlief die Grenze zu Hamburg-Bergedorf. Im Westen lag die Landgemeinde Lohbrügge, im Norden die Landgemeinden Glinde und Schönningstedt.

Ortsgliederung

Die Landgemeinde bestand aus dem Ortskern nördlich der Eisenbahnstrecke Hamburg–Berlin, südlich davon aus dem Schlossareal. Dazu kamen Villenviertel an den Geesthängen der Bille und an der Wildkoppel. Im Westen lag die Siedlung Hinschendorf und im Norden Richtung Schönningstedt begann der Ausbau zum Ortsteil Prahlsdorf.

Geschichte

Nach Annektierung der Herzogtümer durch Preußen 1867 entstand aus dem Dorf Reinbek die Landgemeinde, die bis 1873 Sitz der neu errichteten Kreisverwaltung Stormarn war. Sie wurde zunächst der neu geschaffenen Kirchspielvogtei Reinbek zugeordnet, nach Errichtung der Amtsbezirke zum 01.10.1889 dem Amtsbezirk Reinbek. Zum 01.01.1897 war die Landgemeinde aufgrund ihres starken Wachstums alleinige Gebietskörperschaft im Amtsbezirk. Ihr Gemeindevorsteher übte in Personalunion das Amt des Amtsvorstehers aus. Mit Auflösung der Gutsbezirke zum 30.09.1928 vergrößerte sich die Landgemeinde um einige Areale des Forstgutsbezirks Reinbek.

Die Mitte des 19. Jahrhunderts begonnene Zuwanderung hielt unvermindert an, zuerst ließen sich vor allem begüterte Hamburger nieder. Ab den 1920er-Jahren fanden dann Arbeiter, Beamte und Angestellte u. a. in der neuen Siedlung Prahlsdorf Quartier.

Mit Einführung der neuen Gemeindeordnung zum 01.04.1935 wurde die Landgemeinde zur Gemeinde Reinbek.

Politik und Verwaltung

Gemeindevorsteher:
Eduard Claußen 1931–1935
Oscar Beutler (kommissarisch) 1930–1931
Wilhelm Kleist 1920–1930
Emil Schultz 1918–1920
Carl Albertz 1910–1918
Adolf Kiehn 1880–1910

Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung

Jahr: Einwohner:
1933 2.775
1912 1.980
1905 1.809
1890 1.320
1880 1.097
1871 866
1867 735

Wirtschaft

Die Landwirtschaft konzentrierte sich auf wenige Betriebe, so u. a. auf das Gut Hinschendorf und den Karolinenhof. Insbesondere Handel, Handwerk und Gewerbe prägten die Landgemeinde Reinbek. Zahlreiche Gastwirtschaften und Hotels trugen dem zunehmenden Ausflugsverkehr Rechnung.

Die Spar- und Leihkasse des Zweckverbands Reinbek versorgte seit der Übernahme durch die Sparkasse des Kreises Stormarn 1923 als Zweigstelle die Einwohner. Auch die Gewerbebank Bergedorf führte im Ort eine Filiale.

Postkarte mit dem Elektrizitätswerk links, 1902

Infrastruktur

Die Hauptstraße verlief Richtung Lohbrügge zur südlich gelegenen Verbindung Hamburg–Bergedorf. Über Nebenstraßen nach Glinde und Schönningstedt konnte die nördlich gelegene Hauptstraße Hamburg–Mölln erreicht werden. Ein Weg querte die Bille in den Kreis Herzogtum Lauenburg und nach Bergedorf. Über den Anschluss an die Bahnstrecke Hamburg–Berlin konnten Produkte nach Hamburg vermarktet werden und Pendler ihre Arbeitsstätten in Hamburg erreichen.

Auf dem Gelände der früheren Dampfmühle am Mühlenteich war 1900 das Elektrizitätswerk Reinbek entstanden. Seit den 1920er-Jahren wurden Gasversorgung und Kanalisation ausgebaut.

Die Freiwillige Feuerwehr Reinbek gewährleistete ab 1887 den Brandschutz der Landgemeinde.

Mit dem St. Adolf-Stift besaß Reinbek seit 1884 erstmals eine Krankeneinrichtung.

Seit 1867 war die Landgemeinde Sitz des Amtsgerichts Reinbek.

Kultur, Bildung und Sport

Vereine wie der Vaterländische Frauenverein von 1869, der Reinbeker Schützenverein von 1874 e. V. als Nachfolger der Reinbeker Brandgilde und der Männergesangverein von 1884 e. V. Für sportliche Betätigung sorgte die Turn- und Sportvereinigung (TSV) Reinbek von 1892 e. V. prägten das Gemeindeleben.

Die 1914 errichtete neue Volksschule beschulte neben einer Privatschule die Kinder. 1924 wurde mit dem Reformrealgymnasium, der späteren Sachsenwaldschule Gymnasium Reinbek, erstmals eine weiterführende Schule gegründet.

Nachdem Reinbek mit Schönningstedt, Ohe und Glinde 1894 zur eigenständigen Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde geworden war, erfolgte 1900 der Bau der Maria-Magdalenen-Kirche. In der Kapelle des St. Adolf-Stifts fanden katholische Gottesdienste statt. Seit 1889 besaß Reinbek einen eigenen Friedhof mit Kapelle an der Klosterbergenstraße.

Sehenswürdigkeiten

Das Renaissanceschloss Reinbek war seit 1576 das Zentrum des Ortes. Die 1793 aus Granitquadern errichtete Dänenbrücke über die Bille bildete den Übergang zwischen den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg.

Links

Zur Geschichte Reinbeks:
www.reinbeker-geschichten.de (Zugriff am 14.09.2020)
www.museumsverein-reinbek.de (Zugriff am 14.09.2020)

Vorgänger

Nachfolger

14 400
Landgemeinde Reinbek location_city 53.5100270000 10.2519940000

Bundesland

Schleswig-Holstein

Kreis / Kreisfreie Städte

Kreis Stormarn

Verwaltungssitz

Reinbek

GPS-Standort

53° 30' 36'' N, 10° 15' 7'' O

Fläche

9,15 km2

Höhe

27 m über NN

Ersterwähnung / Gründung

1867

Auflösungsdatum

31.03.1935

Politischer Repräsentant

Gemeindevorsteher Eduard Claußen

Verwaltungsleitung

Amtsvorsteher Eduard Claußen

Einwohnerzahl

2775

Bevölkerungsdichte

303,28 Einwohner / km2

Vorgänger

Gemeinde Reinbek: Vorgänger

Kirchspielvogtei Reinbek: Landgemeinden

Amtsbezirk Reinbek: Landgemeinden

Literatur

  • Stickel, Hans-Heinrich: Unterschiedliche Wege zur modernen Kleinstadt die Stormarner Landgemeinden Glinde und Reinbek im Kaiserreich zwischen 1892 und 1914. GVK: 537688358
  • Museumsverein Reinbek: 775 Jahre Reinbek ein langer Weg zur Stadt$dBegleitheft zur Ausstellung im Schloss Reinbek - Stormarnzimmer. Reinbek, 2013, GVK: 1010182013
  • Bavendamm, Dirk: Reinbek eine holsteinische Stadt zwischen Hamburg und Sachsenwald. Reinbek, Magistrat der Stadt 1988, GVK: 157602702
  • Davids, Curt: Die Kirchspielvögte, Amtsvorsteher, Gemeindevorsteher und Bürgermeister von 1868-1945. In: Festschrift zur 725-Jahrfeier von Reinbek: 1238 - 1963, Reinbek am Sachsenwalde, (1963), S. 133-134, GVK: 1010301314

Weitere Literatur