Caroline Rudolphi

Die Schriftstellerin und Pädagogin Caroline Rudolphi lebte und arbeitete 1783/84 in Trittau.

Ausbildung

Nach dem Erwerb der Elementarschulbildung erweiterte Caroline Rudolphi wahrscheinlich autodidaktisch ihr Wissen. Mit ca. 13 Jahren kam sie bei Leseabenden einer Nachbarin in Kontakt mit literarischen und philosophischen Werken der Aufklärung bzw. Empfindsamkeit.

Beruflicher Werdegang

Caroline Rudolphi sammelte seit 1775 erste Erfahrungen im Umgang mit Kindern bei einer befreundeten Familie und trat 1778 eine Stelle als Erzieherin bei der Familie Röpert auf dem Gut Trollenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) an.

Seit 1776 veröffentlichte sie Gedichte und Fabeln. Der finanzielle Erfolg ihrer ersten Gedichtsammlung 1781 ermöglichte ihr, im April 1783 mit den Töchtern der Familie Röpert nach Trittau zu ziehen und deren Erziehung dort fortzusetzen. Es folgten 1784 Umzüge nach Billwerder sowie ca. ein Jahr später nach Hamm (beides Hamburg), um weitere Schülerinnen aufzunehmen und das Mädchenpensionat zunehmend zu professionalisieren. In ihrem "Erziehungs-Institut für junge Demoiselles" lehrte Rudolphi Fremdsprachen sowie Handarbeiten, für naturwissenschaftliche Fächer waren zeitweise ihr Bruder Ludwig sowie Hauslehrer zuständig. Parallel zu ihrer erzieherischen Tätigkeit arbeitete Rudolphi weiter als Autorin.

Im August 1803 erfolgte der Umzug des Instituts nach Heidelberg. Nach Rudolphis Tod führten ehemalige Schülerinnen das Institut bis 1839 weiter.

Lebenslauf

Aus der ersten Ehe ihres Vaters hatte Caroline Rudolphi eine Halbschwester, von ihren vier Geschwistern überlebte nur ihr älterer Bruder. Die Familie zog nach Potsdam, als der Vater ca. 1756 eine Stelle als Lehrer am Mägdehaus des Militärwaisenhauses antrat. Nach dem Tod des Vaters 1762/63 wuchs Rudolphi in einfachen Verhältnissen auf.

Werk/Aktivitäten

Caroline Rudolphis Fabeln und teils vertonten Gedichte erschienen in angesehenen Sammlungen und Zeitschriften ihrer Zeit, z. B. der "Kleinen Kinderbibliothek" von Joachim Heinrich Campe oder in "Des Knaben Wunderhorn" von Clemens Brentano und Achim von Arnim. Unter den Käufern ihrer ersten Gedichtsammlung 1781 fanden sich u. a. Johann Wolfgang von Goethe sowie Mitglieder der Adelsfamilien Anhalt-Dessau, Sachsen-Gotha und Schimmelmann.

Rudolphi beschäftigte sich in ihrer religiös beeinflussten Lyrik vorrangig mit der Natur, ihrem Alltag und Freundschaften. Nach zwei weiteren Gedichtbänden 1787 und 1796 sowie Einzelveröffentlichungen erschien 1806/07 ihr zweibändiger Briefroman "Gemälde weiblicher Erziehung", in dem sie ihre Erziehungsgrundsätze darlegte. Beeinflusst von Jean-Jacques Rousseau und Johann Heinrich Pestalozzi trat Rudolphi dafür ein, in natürliche Entwicklungs- und Lernprozesse von Kindern nicht zu stark einzugreifen, sie lediglich anzuregen und zu unterstützen. Rudolphi verfasste zunehmend, teils anonym, Aufsätze in Zeitschriften, in denen sie zu Themen wie Weiblichkeit, Freundschaft sowie zur gesellschaftlichen Rolle von Mädchen und Frauen Stellung bezog. Männer und Frauen seien grundsätzlich gleichwertig, hätten allerdings von Natur aus unterschiedliche Anlagen, Denkweisen und Aufgaben. Folglich sei die Frau verantwortlich für Haus und Familie, was einen Beruf als Wissenschaftlerin oder Künstlerin unmöglich mache.

1835 erschien posthum Rudolphis Autobiografie.

Bedeutung

Caroline Rudolphi betrieb eines der angesehensten Erziehungsinstitute. Sie setzte sich für eine gleichberechtigte, umfassende Bildung von Mädchen ein, indem sie ihnen auch den Zugang zu Naturwissenschaften ermöglichte sowie einige Schülerinnen unentgeltlich aufnahm.

Durch persönliche Netzwerke etablierte sich ihr Institut als Treffpunkt der gebildeten Gesellschaft. Sie pflegte in Hamm Kontakte z. B. zu dem sogenannten Reimarus-Kreis, den Schriftstellern Friedrich Klopstock, Johann Heinrich Voß, Matthias Claudius, Jens Immanuel Baggesen sowie den Philosophen Karl Leonhard Reinhold und Johann Caspar Lavater. In Heidelberg kamen in ihrem Institut regelmäßig die Schriftsteller der Romantik Clemens Brentano und dessen Ehefrau Sophie Mereau, Achim von Arnim, Ludwig Tieck sowie an der dortigen Universität tätige Philologen, Juristen und Theologen zu Besuch.

Ehrungen und Preise

Rudolphiweg in Trittau

1930 Rudolphiplatz in Barmbek-Nord (Hamburg)

Gedenkstein im Gutspark Trollenhagen (Mecklenburg-Vorpommern)

Besonderheiten

In ihren Gedichten "Die Hütte" sowie "Abschied von der Hütte. Ostern 1784" thematisierte Rudolphi die Unterkunft ihres ersten Mädchenpensionats in Trittauerheide.

Rudolphis Gedicht "An Gott" wurde 1825 von Johann Heinrich Tobler als "Ode an Gott" vertont und ab Mitte des 19. Jahrhunderts als einziges Lied bis 1997 in der Landsgemeinde Appenzell Ausserrhoden (Schweiz) vor Wahlen und Abstimmungen gesungen und fand auch Eingang in religiöse, militärische, schulische und zivile Gesangbücher der deutschsprachigen Schweiz.

Persönlichkeiten

Friedrich Gottlieb Klopstock GND: 118563386
Ludwig Eberhard Gottlob Rudolphi GND: 116671866
Johann Wolfgang von Goethe GND: 118540238
Elise Reimarus GND: 116414391
Johann Heinrich Voß GND: 118627910
Jens Immanuel Baggesen GND: 118505904
Karl Leonhard Reinhold GND: 118599410
Johann Caspar Lavater GND: 118570293
Matthias Claudius GND: 118521098
Joachim Heinrich Campe GND: 118518658
Clemens Brentano GND: 118515055
Sophie Mereau GND: 11858104X
Achim von Arnim GND: 118504177
Ludwig Tieck GND: 12989432X
Jean-Jacques Rousseau GND: 118603426
Johann Heinrich Pestalozzi GND: 118592912
Johann Heinrich Tobler GND: 11895976X

Links

Aufsatz zu Rudolphis Gedicht "An Gott": https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=apk-002:2009:288::172 (Zugriff am 13.09.2021)

Familienname

Rudolphi

vollständige Vornamen

Caroline Christiane Louise

Rufname

Caroline

Geburtsdatum

24.08.1753 oder 24.08.1754

Geburtsort

wahrscheinlich Magdeburg

Sterbedatum

15.04.1811

Sterbeort

Heidelberg

Geschlecht

weiblich

Religion

wahrscheinlich pietistisch

Berufe

Lyrikerin, Erzieherin, pädagogische Schriftstellerin

Eltern

Georg Christian Rudolphi (gest. ca. 1762/63), Friederica Christina Rudolphi, geb. Barth (gest. 18.02.1780)

Strukturansicht

Literatur von der Person

  • Rudolphi, Caroline Christiane Louise 1754-1811: Gemälde weiblicher Erziehung. Lage, Beas-Ed. 1998, GVK: 251908542
  • Rudolphi, Caroline Christiane Louise 1754-1811: Schriftlicher Nachlaß mit dem Portrait der Verfasserin. Heidelberg, Mohr 1835, GVK: 270057005

Literatur

  • Perrey, Gudrun 1954-: Das Leben der Caroline Rudolphi (1753-1811) Erzieherin - Schriftstellerin - Zeitgenossin. Heidelberg, Universitätsverl. Winter 2010, GVK: 620825863
  • Rüdiger, Otto 1845-1904: Caroline Rudolphi eine deutsche Dichterin und Erzieherin, Klopstocks Freundin. Hamburg, Voss 1903, GVK: 311536999
  • Jessen, Alfred: Die Geschichte des Kirchspiels und Amtes Trittau und seiner weiteren Umgebung. Trittau, Gemeinde Trittau 1998, GVK: 243128010

Weitere Literatur