Adliges Gut Nütschau

Das Adlige Gut Nütschau, nordwestlich von Oldesloe gelegen, war eines der ältesten Adligen Güter Stormarns.

Lage

Das Adlige Gut Nütschau grenzte im Nordosten und Osten an das landesherrliche Amt Traventhal. Im Südosten und Süden befanden sich die Adligen Güter Fresenburg und Blumendorf, im Südwesten das Adlige Gut Grabau, im Nordwesten das Adlige Gut Tralau. Im Norden verlief die Grenze zum Amt Segeberg.

Ortsgliederung

Von Norden nach Süden querte die Trave das Adlige Gut Nütschau. Westlich des Flusses befanden sich das Herrenhaus, der Haupthof mit dem Nütschauer Hoffeld und dem Dorffeld, einige Erbpachtstellen und die Wassermühle Nütschau sowie das westlich gelegene Dorf Vinzier, nordöstlich der Trave das Dorf Sühlen und das Dorf Klein Rönnau, welches teilweise zum Besitz gehörte.

Geschichte

Das Adlige Gut Nütschau entstand im frühen 16. Jahrhundert aus einem Hof, der ab 1530 der Familie von Pentz gehörte. Zwischen 1568 und 1573 erwarb Heinrich Rantzau Nütschau, das nach dem Lehnsbrief vom 02.12.1573 von Friedrich II. von Dänemark aus dem Hof mit Gutsbetrieb, dem gleichnamigen Dorf, Mühlen sowie umgebenden Ländereien bestand. Bereits 1555 hatte Rantzau Anteile des Dorfes Strukdorf, um 1562 Anteile von Klein Rönnau mit der Mühle sowie 1565 das Dorf Sühlen erworben und brachte diesen Besitz in das Adlige Gut ein. 1577/78 ließ er anstelle des Vorgängerbaus das Herrenhaus Nütschau errichten. Gegen Ende des Jahrhunderts erfolgte vermutlich die Niederlegung zumindest von Teilen des Gutsdorfes Nütschau und die Ansiedlung der Einwohner in dem neu errichteten Dorf Vinzier.

Bis 1642 blieb die Familie Rantzau im Besitz des Adligen Gutes. 1643 veräußerte Claus von Ahlefeldt die weit entfernt liegenden Strukdorfer Anteile. Unter Hieronymus Rantzau erfolgte 1674 der Verkauf der Rönnauer Mühle.

Seit 1713 gehörte Nütschau zum Preetzer Güterdistrikt.

Unter dem ersten nichtadligen Besitzer Johann Matthias Schalburg wurden 1778 die Wassermühle Nütschau an der Trave errichtet sowie 1781 in Sühlen und 1785 in Vinzier die Leibeigenschaft aufgehoben. Nach einem Konkurs wechselte Nütschau 1791–1801 in schneller Folge mehrmals gewinnbringend den Besitzer.

Nach Annektierung der Herzogtümer Schleswig und Holstein durch Preußen 1867 wurde das Adlige Gut 1872 in den Gutsbezirk Nütschau überführt, die Gutsdörfer Sühlen und Vinzier wurden zu Landgemeinden.

Politik und Verwaltung

Gutsbesitzer:
Richard von Seydlitz-Kurzbach 1870–1872
Rudolph von Seydlitz-Kurzbach 1852-1870
Adam Heinrich Carl von Moltke 1848–1851
Carl von Moltke 1827–1848
Adam Gottlob Detlev von Moltke 1802-1827
Christian Ernst Heinrich Polemann 1798–1802
Johann Friedrich Richter 1796–1798
Georg zu Münster-Meinhövel 1794–1796
Garlieb Amsinck 1791–1794
Johann Matthias Schalburg 1777–1789
Christian von Brömbsen jr. 1759–1777
Christian von Brömbsen 1732–1759
Heinrich von Brömbsen 1721–1732
Melchior von Korff 1698–1721
Johann (Hans) Friedrich von Korff 1682–1698
Elisabeth Sophie Rantzau 1679–1682
Hieronymus Rantzau 1670–1679
Claus von Ahlefeldt 1643–1670
Margarethe von Ahlefeldt 1642
Christian Rantzau 1641–1642
Anna Christina und Franz Rantzau 1633–1641
Christian Rantzau 1627–1633
Gert Rantzau 1619–1627
Breide Rantzau 1603–1618
Christina Rantzau 1597–1603
Heinrich Rantzau 1568/1573–1597
Baltzer von Pentz 1566–1568/1573
Jasper von Pentz 1543–1566
Hans von Pentz 1530–1543
Hans Rantzau 1526–1530

Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung

Jahr: Einwohner:
1871 607
1867 726
1855 796
1826 707
1803 556

Wirtschaft

Das Adlige Gut Nütschau war jahrhundertelang durch die Landwirtschaft geprägt. Insbesondere Viehzucht mit Milchwirtschaft, Getreideanbau sowie Gemüseanbau spielten eine Rolle. In der Trave und den Gutsteichen wurde Fischwirtschaft betrieben. Die ca. 59 ha großen Waldgebiete dienten der Forstwirtschaft und der Jagd, die 24,74 ha umfassenden Moore dem Torfabbau.

In den Gutsdörfern Sühlen und Vinzier hatten sich Landhandwerk sowie Kaufläden und Gastwirtschaften angesiedelt. Von den über Jahrhunderte ansässigen Graupen-, Kupfer-, Loh-, Öl- und Walkmühlen im Gutsgebiet existierten noch drei Kornmühlen am Hoffeld und in Sühlen. Nahe Vinzier war bereits vor 1790 eine Ziegelei errichtet worden.

Infrastruktur

Durch das Gutsgebiet verlief von Süden nach Norden die Nebenlandstraße von Oldesloe über Tralau in Richtung des Amts Segeberg. Eine Abzweigung führte westlich nach Vinzier. Die seit 1638 nachgewiesene und mehrfach erneuerte Brücke über die Trave verband das Gut bei Schlamersdorf mit der Nebenlandstraße von Oldesloe nach Segeberg über Sühlen. Die Trave war zugleich bis Oldesloe und von dort bis Lübeck schiffbar.

Nütschau hatte mit dem Adligen Gut Fresenburg ein gemeinsames Gericht in Oldesloe.

Seit dem 18. Jahrhundert gab es im Gut drei Viehgilden und eine Totengilde.

Kultur und Freizeit

In den Dörfern Sühlen und Vinzier existierten Schulen. Seit Aufgabe der Nütschauer Schule 1808 besuchten die dortigen Kindern die Schule in Vinzier.

Das Adlige Gut gehörte zum Kirchspiel Oldesloe. Die Gutsbesitzer besaßen in der Peter-Paul-Kirche einen eigenen Kirchenstuhl.

Sehenswürdigkeiten

Im Gutsbezirk lagen der frühgeschichtliche Ringwall Nütschauer Schanze, das Herrenhaus Nütschau und die Nütschauer Wassermühle.

Persönlichkeiten

Heinrich Rantzau GND: 11898716X
Friedrich II. von Dänemark GND: 118703188

Nachfolger

Bundesland

Schleswig-Holstein

Kreis / Kreisfreie Städte

Stormarn

Verwaltungssitz

Nütschau

Fläche

9,72 km2

Höhe

30 m über NN

Ersterwähnung / Gründung

1524

Auflösungsdatum

1872

Politischer Repräsentant

Gutsbesitzer Richard von Seydlitz-Kurzbach

Einwohnerzahl

611

Bevölkerungsdichte

62,45 Einwohner / km2

Strukturansicht

Kreis Stormarn: Vorgänger

Literatur

  • Rickert, Hans-Werner: Gut Nütschau. Vom Rittersitz zum Benediktinerkloster : eine Chronik. Kiel, Wachholtz Verlag - Murmann Publishers 2017, GVK: 895124459

Weitere Literatur