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Zwangsarbeiterlager Wiesenfeld

Das Arbeitslager Wiesenfeld war ein Lager für Zwangsarbeiter:innen der Firma Kurbelwellenwerk GmbH in Glinde.

Lage

Es erstreckte sich im südöstlichen Teil der Gemeinde Glinde im Bereich der heutigen Straßen Ellerholz, Knickrehm, Eichloh, Buchenweg und Haidberg.

Beschreibung

Das Lager bestand zunächst aus 18 bis 30 auf Betonfundamenten errichteten Holzbaracken. Nach einer 1943 erfolgten Erweiterung umfasste es 36 Wohnbaracken mit einer Größe von durchschnittlich 50 x 12 m sowie fünf Küchen, drei Sanitätsbaracken, eine Verwaltungsbaracke und vier Material- und Wirtschaftsbaracken.

Im Vordergrund Baracken des ehemaligen Lagers, die als Flüchtlingsunterkünfte genutzt wurden, 1960

Geschichte

Die zur Friedrich Krupp AG gehörende Kurbelwellenwerk Hamburg GmbH (KuHa) in Glinde profitierte ab Beginn der 1940er-Jahre vom Einsatz von Zwangsarbeiter:innen, darunter ausländische Zivilarbeiter:innen aus den besetzten Gebieten sowie Kriegsgefangene.

Um diese unterzubringen, wurde 1941/42 das Lager Wiesenfeld eingerichtet (offizielle Bezeichnung: Arbeiterlager der Kurbelwellenwerk GmbH Hamburg Glinde). Historischer Beleg ist ein Grundstückspachtvertrag vom 23.12.1941, erste Einquartierungen geschahen im darauffolgenden Jahr.

Die männlichen und weiblichen Insassen waren streng nach Nationalitäten getrennt und wurden je nach Herkunft sehr unterschiedlich behandelt. Den größten Teil machten russische, französische und polnische Gefangene aus. Weiterhin waren hier u. a. Menschen aus den Niederlanden, Belgien, Dänemark, Italien und Kroatien interniert – insgesamt aus 15 Nationen. Das Wachpersonal des Lagers wurde durch den Werkschutz des KuHa gestellt. Insbesondere polnische und russische Gefangene hatten unter miserabler Verpflegung und täglichen Misshandlungen zu leiden.

Im Zwangsarbeiterlager Wiesenfeld, das zu den größten in Schleswig-Holstein zählte, waren 1942-1945 über 3.000 Menschen interniert. Wie viele von ihnen hier zu Tode gekommen sind, ist unbekannt.

Einige Tage vor dem Einmarsch britischer Truppen in Glinde am 03.05.1945 setzte sich das Bewachungspersonal ab, und der Betrieb im KuHa wurde eingestellt. Unmittelbar nach Kriegsende verblieben zunächst ehemalige Zwangsarbeiter:innen aus Osteuropa in dem Lager. Später wurden hier deutsche Flüchtlinge, ausgebombte Hamburger:innen (Butenhamburger) und später auch ehemalige Soldaten der deutschen Wehrmacht untergebracht.

Im Rahmen des European Recovery Program (sogenannter Marshallplan) zur Förderung des Wiederaufbaus der europäischen Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ab 1950 Baracken auf dem Lagergelände zum Zweck des Siedlungsbaus abgerissen. Die letzten Baracken wurden in den 1960er-Jahren durch Wohnhäuser ersetzt.

Nutzung

Das Areal wird als Wohnsiedlung genutzt. Des Weiteren befindet sich auf einem Teil des ehemaligen Lagers die Gemeinschaftsschule Wiesenfeld.

Besonderheiten

An der Einfahrt zur Straße Eichloh erinnert seit 2014 eine „Stolperschwelle“ von Gunter Demnig an das ehemalige Lager Wiesenfeld. Außerdem befindet sich vor der Gemeinschaftsschule Wiesenfeld seit 2022 ein Mahnmal zum Gedenken an die Zwangsarbeiter:innen des Lagers.

Persönlichkeiten

Gunter Demnig GND: 119333708

Links

Informationen zum Mahnmal in Erinnerung an NS-Zwangsarbeiter:innen in Glinde: https://gems-wiesenfeld.de/nachrichten/datensatzanzeige/einweihung-des-mahnmals-in-erinnerung-an-ns-zwangsarbeiter.html (Zugriff am 31.01.2024)

Stolperschwelle in Glinde: https://de.wikipedia.org/wiki/Stolperschwelle_in_Glinde (Zugriff am 31.01.2024)

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Zwangsarbeiterlager Wiesenfeld directions_car 53.5343484664 10.2235044456

Bundesland

Schleswig-Holstein

Kreis/ Kreisfreie Städte

Glinde

GPS-Standort

53° 32' 3'' N, 10° 13' 24'' O

Auftraggeber

Kurbelwellenwerk GmbH

Strukturansicht

Literatur

  • Stadtarchiv Glinde (Hg.) : Kurbelwellen aus Glinde. Ein Stück Stadt- und Industriegeschichte. Glinde, 2014, GVK: 784007179
  • Bußenius, Sieghard, Juhre, Heinz : Zwangsarbeiter in Glinde. Das Lager Wiesenfeld. Reinbek, 1990, In: Spuren. Berichte aus der Geschichtswerkstatt Reinbek, Heft 1 (1990), S. 17–21, GVK: 715199102
  • Barthel, Albrecht : Glinde als ehemaliger Standort von Wehrmacht und Rüstungsindustrie im Dritten Reich. Die Offizierssiedlung „Negerdorf“. Heide, Westholsteinische Verl.-Anst. Boyens 2006, In: DenkMal! Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein, Bd. 13 (2006), S. 25–30, GVK: 546286682

Weitere Literatur