Wilhelm Lehmann

Wilhelm Lehmann war ein deutscher Lehrer und Schriftsteller, der seine Jugend in Wandsbek verbrachte.

Ausbildung

Wilhelm Lehmann besuchte das Matthias-Claudius-Gymnasium in Wandsbek. Anschließend studierte er Sprachen, Philosophie und Naturkunde in Tübingen, Straßburg, Berlin sowie in Kiel, wo er 1905 promovierte und 1908 sein Staatsexamen für das höhere Lehramt ablegte.

Beruflicher Werdegang

Wilhelm Lehmann unterrichtete in Kiel, in Neumünster, an der freien Schulgemeinde Wickersdorf bei Saalfeld (Thüringen) und an mehreren Landschulheimen, bevor er 1923-1947 Lehrer am Reform-Realgymnasium in Eckernförde wurde.

Lebenslauf

Wilhelm Lehmann kam 1885 mit seiner Mutter aus Venezuela nach Hamburg. 1890 zog die Familie nach Wandsbek in ein Haus, dessen Garten seine Liebe zur Natur prägte.

1906-1912 war Lehmann ein erstes Mal verheiratet, nach der Scheidung ging er 1913 eine zweite Ehe ein. Seit 1923 lebte die Familie in Eckernförde.

Bereits während des Studiums in Berlin hatte er den Lektor des S. Fischer-Verlags Moritz Heimann kennengelernt und erste Gedichte veröffentlicht. 1917 erschien sein erster Roman "Der Bilderstürmer", der ebenso wie "Weingott“ (1921) deutlich autobiografische Züge trug. Bereits mit seiner frühen, in symbolreicher Sprache geschriebenen Prosa begründete Lehmann eine naturmythische Stilrichtung.

Seinem Einsatz als Landsturmmann 1917 entzog sich Wilhelm Lehmann noch kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs, indem er desertierte. Anschließend verbrachte er ein Jahr in englischer Kriegsgefangenschaft. Seine Kriegserlebnisse verarbeitete er 1925-1927 in "Der Überläufer", der aufgrund der Brisanz des Themas jedoch erst 1962 im Rahmen einer Gesamtausgabe publiziert wurde.

Die Befürchtung, als ehemaliger Deserteur seinen Beamtenstatus zu verlieren, bewog Wilhelm Lehmann dazu, am 01.05.1933 in die NSDAP einzutreten. 1935 erschien sein Gedichtband "Antwort des Schweigens", dessen Beschwörung der ewig gültigen Natur als innere Emigration gedeutet wird.

Ab 1946 veröffentlichte Lehmann, der nach dem Zweiten Weltkrieg nur einem kurzzeitigen Publikationsverbot unterlag, zahlreiche Essays, Gedichte und autobiografische Texte in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien.

Sein wachsendes literarisches Ansehen spiegelte sich darin, dass er im folgenden Jahrzehnt zum Mitglied der Darmstädter Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ernannt, in die Bayerische Akademie der schönen Künste aufgenommen, zum korrespondierenden Mitglied der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur gewählt wurde und dem deutschen PEN-Club angehörte. Ab 1957 war er Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg. In seinem 1952 herausgebrachten Buch "Mühe des Anfangs. Biographische Aufzeichnung" finden sich Spuren seiner Kindheit in Wandsbek. Diesem folgten bis Mitte der 1960er-Jahre ein Roman sowie mehrere Bände mit Gedichten und Erzählungen, die auf einer genauen Naturbeobachtung beruhten und die zeitlose Symbiose von Mensch und Natur betonten. In zahlreichen Vorträgen und Essays setzte er sich u. a. mit dem Wesen der Poesie auseinander.

Bedeutung

Wilhelm Lehmann gilt als einer der Hauptvertreter der Naturmagischen Schule. Seine Naturlyrik prägte u. a. Elisabeth Langgässer, Karl Krolow und Günter Eich.

Aus Anlass seines 80. Geburtstags kamen 1962 seine "Sämtlichen Werke" heraus. Doch seine Betrachtungsweise entsprach immer weniger dem sich wandelnden kulturellen Zeitgeist in der Bundesrepublik Deutschland, der von Schriftstellerinnen und Schriftstellern mittlerweile eine stärkere politische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft forderte. Wilhelm Lehmann geriet zunehmend in Vergessenheit. Erst das Aufkommen der ökologischen Bewegung und damit die wieder erstarkende Hinwendung zur Natur riefen sein Werk erneut ins Bewusstsein der literarischen Öffentlichkeit. 1982-2009 erschienen seine "Gesammelten Werke" in acht Bänden.

Ehrungen und Preise

1923 Kleist-Preis (geteilt mit Robert Musil)
1952 Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein
1953 Lessing-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg
1957 Großes Bundesverdienstkreuz
1959 Schiller-Gedächtnispreis des Landes Baden-Württemberg
1962 Ehrenbürgerschaft der Stadt Eckernförde
1963 Kulturpreis der Stadt Kiel

Besonderheiten

In der Jungmannschule in Eckernförde steht eine Büste von Wilhelm Lehmann. Auf dem Rathausmarkt der Stadt erinnert seit 2005 eine von Manfred Sihle-Wissel geschaffene Büste an den Dichter.

2004 erfolgte erneut die Gründung einer Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft, nachdem eine erste bereits in den 1950er-/60er-Jahren bestanden hatte.

Persönlichkeiten

Günter Eich GND: 118529374
Moritz Heimann GND: 118773666
Karl Krolow GND: 118566997
Elisabeth Langgässer GND: 11856949x
Robert Musil GND: 118585916
Manfred Sihle-Wissel GND: 118937626

Links

David A. Scrase: Artikel "Wilhelm Lehmann" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985): https://www.deutsche-biographie.de/sfz49870.html (Zugriff am 30.07.2021)

Website der Wilhelm Lehmann-Gesellschaft: http://www.wilhelm-lehmann-gesellschaft-eckernfoerde.de/ (Zugriff am 26.08.2021)

Wikipediartikel "Wilhelm Lehmann": https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Lehmann (Zugriff am 10.08.2021)

Familienname

Lehmann

vollständige Vornamen

Wilhelm

Geburtsdatum

04.05.1882

Geburtsort

Puerto Cabello (Venezuela)

Sterbedatum

17.11.1968

Sterbeort

Eckernförde

Begräbnisort

Friedhof Westerthal in Windeby (Kreis Rendsburg-Eckernförde)

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Lehrer, Schriftsteller

Funktionen, Rang

Studienrat

Ehe-/Lebenspartner

1. Ehe: Martha Lehmann, geb. Wohlstedt (1867-1947); 2. Ehe: Friederika Lehmann, geb. Riewerts (1889-1975)

Kinder

3 Söhne, 1 Tochter

Eltern

Friedrich Lehmann (1851-1895); Agathe Lehmann, geb. Wichmann (1855-1918)

Strukturansicht

Literatur von der Person

  • Lehmann, Wilhelm 1882-1968: Gesammelte Werke in acht Bänden. Stuttgart, Klett-Cotta , GVK: 124736904

Literatur

  • Bruns, Heinz: Wilhelm Lehmann sein Leben und Dichten ; eine Chronik. Kiel, M체hlau 1962, GVK: 175635013
  • Scrase, David 1939-: Wilhelm Lehmann Biographie. Göttingen, Wallstein-Verl. 2011, GVK: 657985090

Weitere Literatur