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Trave

Die Trave ist der längste Fluss im Kreis Stormarn und der zweitlängste Fluss in Schleswig-Holstein. Sie war auf ihrer Strecke zwischen Oldesloe und Lübeck bis ins 19. Jahrhundert hinein von großer Bedeutung für Schifffahrt, Handel und Fischerei.

Lage

Die Trave entspringt bei Gießelrade in einem Quellgebiet im Raum Ahrensbök. Zunächst fließt sie nach Westen durch den Wardersee und erreicht in großem Bogen, von Bad Segeberg kommend, in Sühlen den Kreis Stormarn. In süd- und zuletzt südöstlicher Richtung fließt sie dann, parallel zur Bundesautobahn 21, nach Bad Oldesloe. Anschließend wendet sich die Trave zunächst nach Osten Richtung Meddewade, Benstaben – hier unterquert sie die Bundesautobahn 1 – und Groß Barnitz. Sodann verläuft sie südlich von Reinfeld nach Groß Wesenberg und Hamberge. Dort verlässt sie nach den Kreis Stormarn, den sie auf einer Strecke von 70 Kilometer durchquert hat, und fließt über Lübeck der Mündung entgegen.

Die Bezeichnungen für die einzelnen Flussabschnitte variieren, üblich ist folgende Unterteilung: Obere Trave zwischen der Quelle des Flusses und Bad Segeberg, Mittlere Trave zwischen Bad Segeberg und Bad Oldesloe, Untere Trave zwischen Bad Oldesloe und der Mündung in die Ostsee. Innerhalb Lübecks gelten jedoch andere Zuordnungen.

Gloria-Mühle der Firma Ströh in Bad Oldesloe, ca. 1970

Geschichte

Das Tal der Trave ist seit der Mittleren Steinzeit besiedelt. In Oldesloe erhielt die Neustadt eine Insellage, als am Ende des Hochmittelalters mit dem sogenannten Mühlenarm ein Durchstich der Trave erfolgte. Die Freie Reichsstadt Lübeck erhielt im hohen Mittelalter Privilegien zugunsten einer ungehinderten Nutzung des Flusses zwischen Oldesloe und der Mündung. Den Rechten auf Bootsfahrt, Fischerei, Fährbetrieb und Brückenbau korrespondierten Unterhaltungspflichten, vor allem die Reinigung des Flusses. Transportiert wurden unter anderem Salz und Kalk. Auch diente der Fluss dem Antrieb von Mühlen, zum Beispiel in Sühlen und Oldesloe.

Im 16. Jahrhundert kam es zu Konflikten über die Lübecker Privilegien. Die holsteinischen Traveanlieger und -schiffer setzten schrittweise eigene Rechte gegenüber Lübeck durch. Im 17. Jahrhundert verlor die Hansestadt ihre mittelalterlichen Privilegien. Umgekehrt begann Oldesloe mit Unterstützung der Landesherrschaft im Herzogtum Holstein, seine Rechte auf Fischerei sowie Schifffahrt und Handel auszudehnen. Dies führte zu teils tätlichen Auseinandersetzungen mit Lübecker Schiffern. Die Konflikte wurden 1706 in einem so genannten Interimsvergleich zwischen den Schiffern beider Städte insofern gelöst, als Lübecker wie Oldesloer jeweils neu definierte Rechte am Fluss erhielten. Ab 1847 waren die holsteinische Landesherrschaft und Lübeck auf ihren jeweiligen Territorien für die Trave hoheitlich zuständig.

In der preußischen Zeit ab 1867 verlor die Traveschifffahrt aufgrund der Konkurrenz durch die 1865 eröffnete Eisenbahn schrittweise ihre bisherige verkehrstechnische Rolle und wurde eingestellt. Auch der Fischfang verlor an Bedeutung. Im späten 19. Jahrhundert kam es im Raum Oldesloe zu erheblichen Verschmutzungen der Trave, unter anderem durch die Papier- und Lederherstellung. Mit dem Preußischen Wassergesetz 1913 wurde die Trave zwischen der Krahnbrücke in Bad Oldesloe und der Grenze zu Lübeck zu einer Wasserstraße Erster Ordnung und war damit auf Stormarner Gebiet vom preußischen Staat zu unterhalten. 1921 wurde die Trave von Bad Oldesloe bis zur Einmündung des Elbe-Lübeck-Kanals zur sogenannten Reichswasserstraße. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Unterhaltung der Trave weiterhin staatliche Aufgabe. Flussaufwärts vom Elbe-Lübeck-Kanal, also auf Stormarner Gebiet, ist sie heute schleswig-holsteinisches Landesgewässer.

Im 20. Jahrhundert erfolgten in Bad Oldesloe Begradigungen und Regulierungen der Trave, um den wiederkehrenden Überschwemmungen zu begegnen: 1934 zunächst flussaufwärts der Stadt sowie 1956/57 im Stadtgebiet und flussabwärts. Das Mühlenwehr am Pferdemarkt in Bad Oldesloe wurde 2001 durch eine Sohlgleite ersetzt. Eine zweite Sohlgleite in der Nähe des Steinfelder Redders wurde 2007 errichtet. Damit wurde die Durchgängigkeit des Flusses für Fische wiederhergestellt. Ab 2019 wird statt der bisherigen Sohlschwelle eine weitere Sohlgleite an der Mündung der Beste angelegt.

Flora und Fauna

An den Ufern flussaufwärts von Bad Oldesloe sind Fluren mit Rohrglanzgras, Großer Brennnessel und anderen Stickstoffzeigern zu finden. Im Tralauer Moor und Brennermoor dominieren Schilf-Landröhrichte, seit dem Torfabbau wachsen dort Weidengebüsche und Schwarzerlen. Die Auenwälder weisen unter anderem Schwarzerle und Gemeine Esche auf. Unterhalb von Bad Oldesloe kommen Weiden und Schwarzerlen vor.

Die Trave hat reiche Fischbestände, darunter Aal, Hecht, Meerforelle und Zander. Weiter vorhanden sind kleinere Fischarten wie Bachschmerle, Elritze und Moderlieschen. Daneben sind unter anderem Eisvogel und Fischotter nachgewiesen.

Ökologische Bedeutung

Das Travetal vom Wardersee bis zum Lübecker Wallhafen wurde von der Europäischen Kommission als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FHH) anerkannt. Seit 01.01.2010 ist es gesetzlich als besonderes Schutzgebiet ausgewiesen und unterliegt dem sogenannten Verschlechterungsverbot. Es umfasst über weite Strecken auch einen zehn Meter breiten Streifen auf beiden Seiten des Flusses und seiner Altarme, insgesamt eine Fläche von 1.298 Hektar.

Schiffstaufe in Klein Wesenberg, 1987

Nutzung

Die Trave wird von der Fischereiwirtschaft genutzt und dient dem Sport- und Freizeitangeln. Weitere Nutzungen erfolgen durch Wassersport und Bootstourismus, auf Stormarner Gebiet vor allem Kanu- und Paddelfahrten. Auf Teilstrecken befinden sich im Stadtgebiet von Bad Oldesloe am Ufer Spazier- und Wanderwege.

Besonderheiten

Bemerkenswert sind die binnenländischen Salzquellen im Gebiet der Trave, zu denen das Naturschutzgebiet Brennermoor als größtes Salzmoor Schleswig-Holsteins zählt.

Der von Hamburg zur Trave führende Alster-Beste-Kanal sorgte ab 1529 kurzzeitig für eine 91 Kilometer lange schiffbare Direktverbindung zwischen Hamburg und Lübeck. Wegen nicht zu kompensierenden dauerhaften Wasserverlustes bei den zahlreichen Schleusungen musste der Betrieb 1549 wieder eingestellt werden und war bis dahin ohne große wirtschaftliche Bedeutung geblieben. Reste des Kanals können heute in Sülfeld besichtigt werden.

Links

Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Travetal: www.kreis-stormarn.de/files/freizeit-und-tourismus/naturschutzgebiete/ManagementplanTravetal.pdf (Zugriff am 10.11.2019)

14 400
Trave directions_boat 54.0541500000 10.5988950000

Bundesland

Schleswig-Holstein

Kreis/Kreisfreie Städte

Ostholstein, Segeberg, Stormarn, Lübeck

Anrainerorte

Bad Oldesloe, Reinfeld, Bad Segeberg, Lübeck

Flusssystem

Trave

Länge

113,6 km

Quelle

Bei Gießelrade (Gemeinde Ahrensbök, Kreis Ostholstein)

GPS Quelle

54° 3' 14'' N, 10° 35' 56'' O

Mündung

Lübeck-Travemünde, in die Ostsee (Lübecker Bucht)

GPS Mündung

53° 57' 43'' N, 10° 53' 30'' O

linke Nebenflüsse

Pulverbek, Heilsau (in Stormarn); Cleverau, Schwartau

rechte Nebenflüsse

Leezener Au, Beste (in Stormarn); Stecknitz (heute Teil des Elbe-Lübeck-Kanals), Wakenitz

Einzugsgebiet

2665 km2

Strukturansicht

Literatur

  • Manfred Brembach : Die Trave - ein Fluss mit vielen Gesichtern. Bad Oldesloe, Oho 2000, GVK: 364329815
  • Sylvina Zander : Die Stadt, die Trave und das Wasser. Neumünster, Wachholtz 2007, GVK: 584413130

Weitere Literatur