Schloss Reinfeld

Das ab 1600 errichtete Schloss Reinfeld diente als Residenz für Johann d. J. von Schleswig-Holstein-Sonderburg (1545-1622) und als Sitz des Amtmanns. Es wurde 1773-1775 abgebrochen.

Außenarchitektur

Das Schloss war ein dreigeschossiger Vierflügelbau mit einem Satteldach, teilweise ausgebautem Dachgeschoss und hohem Keller auf quadratischem Grundriss von etwa 35 m Seitenlänge. In der Nordostecke stand ein fünfgeschossiger Turm mit einer barocken Haube. Auf drei Seiten war es von einem Graben umgeben, der sich auf der Südseite teichartig erweiterte.

Die Einfahrt zum Innenhof führte über eine Brücke zum Nordflügel, der hier einen Treppenturm mit Uhr besaß. Im etwa 15 x 15 m großen Innenhof befanden sich in der Südwest- und Nordostecke zwei Treppentürme mit Wendeltreppen. Eine zweigeschossige gedeckte hölzerne Säulengalerie vor dem West-, Nord- und Ostflügel diente zur Erschließung der Räume.

Um das Schloss herum lagen mit dem Alten Garten und dem Neuen Garten verschiedene Zier- und Lust- sowie Nutz- und Küchengärten, dazu ein Tiergehege.

Innenarchitektur

Gemäß einem Inventar von 1764 lagen im Nordflügel im 1. Obergeschoss der festliche Speisesaal, die herzoglichen Wohn- und Audienzräume sowie im Erdgeschoss einige Gesinderäume. Die Räume für die Amtsverwaltung und das Archiv befanden sich im Westflügel, im Ostflügel das beheizbare Esszimmer für den Winter und im Turm ein Wohn- und Schlafzimmer des Amtmanns. In der 2. Etage fanden sich im wesentlichen Wohnräume. Im Südflügel lagen die Wirtschaftsräume mit Küche und Brauerei, darüber zwei Malzböden.

Der Speisesaal besaß vergoldete Stukkaturen und einen Ofen mit Porzellanaufsatz. Die meisten übrigen Räume verfügten über Kachelöfen, lediglich einige nutzten als Heizung die Abwärme des Küchenschornsteins.

Der Nord-, Süd- und Ostflügel waren unterkellert und wurden hier als Lagerräume genutzt. Unter dem Turm befand sich das Gefängnis. Im Erdgeschoss des Ostflügels gab es eine Zelle für Vaganten.

Materialien

Die Mauerziegel stammten zum Teil vom abgebrochenen Kloster Reinfeld. Das Kupfer des Schlossturms wurde dem Dach der Klosterkirche entnommen, deren südliche Dachhälfte deshalb 1603 mit Holzschindeln neu gedeckt wurde.

Geschichte

Im Zuge der Landesteilung von 1564 unter Christian III. von Dänemark erhielt dessen jüngster Sohn Johann (Hans) d. J. nach Aufhebung von Kloster Reinfeld 1582 auch dieses Gebiet. Im Amt Reinfeld richtete er sich einen großen Jagdpark ein und ließ aus den abgebrochenen Resten des Klosters 1600-1604 als Residenz ein neues Schloss erbauen. 1649-1654 diente es als Ritterakademie, d. h. als Prinzenschule für die drei ältesten Söhne des in Plön residierenden Herzogs Joachim Ernst von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön. 1707 bis zu ihrem Tod 1722 bewohnte Herzogin-Witwe Dorothea Sophia von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön das Schloss, 1730-1762 Herzogin-Witwe Dorothea Christina von Plön-Norburg mit ihrer Familie.

Nach dem Aussterben der Plöner Linie 1761 fiel Reinfeld mit dem Herzogtum Holstein-Plön gemäß Erbvertrag an die königliche Linie zurück. Am 12.06.1773 wurde das Schloss für 5.001 Reichsthaler an den Ahrensburger Tischlermeister Johann August Rothe verkauft und bis 1775 abgetragen. Mit den Mauerziegeln wurde das neue Amtshaus errichtet, das spätere Forstamt. Die Matthias-Claudius-Kirche erhielt 200 Dachpfannen. Der übrige Bauschutt wurde zum Straßenbau verwendet. Seit 1839 steht das Gebäude der sogenannten Alten Schule auf dem ehemaligen Schlossplatz.

Die 1765 von Nicolaus Sigismund Bauer gezeichneten vier Grundrisse mit Erläuterungen sind im Landesarchiv Schleswig-Holstein erhalten.

Bedeutung

Der Bau war ein schlichter Vierflügelbau des 16. Jahrhunderts. Ihn zeichnete die außergewöhnliche zweigeschossige Galerie im Innenhof im Stil der italienischen Renaissance aus.

Erhaltungszustand

Vom Schloss Reinfeld hat sich bis auf wenige Bruchstücke von Säulen nichts erhalten; diese sind hinter dem Heimatmuseum Reinfeld ausgestellt. Das Museum zeigt neben einer Suppenterrine und Waffen aus dem Schloss auch ein Sperrholzmodell des Schlosses, welches in den 1950er-Jahren von Schülern der Oldesloer Berufsschule im Maßstab 1:50 angefertigt wurde.

Besonderheiten

Das Schloss verfügte nicht wie üblich über eine Schlosskapelle. Johann von Schleswig-Holstein-Sonderburg besuchte die ehemalige Klosterkirche. Dorothea Christina von Plön-Norburg ließ in deren Nachfolgebau, der Matthias-Claudius-Kirche, 1737 für sich und ihre Familie den Fürstenstuhl errichten.

Persönlichkeiten

Johann der Jüngere von Schleswig-Holstein-Sonderburg GND: 121500373
Joachim Ernst von Schleswig-Holstein GND: 128556315
Dorothea Sophia von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön GND: 122803566
Dorothea Christina von Plön-Norburg GND: 1036446689

Links

Website mit Informationen zum Reinfelder Schloss und dem Amtshaus: www.reinfeld.sh/geschichte/6-bauten (Zugriff am 08.07.2020)

14 400
Schloss Reinfeld business 53.8320320000 10.4799370000

Ort

Matthias-Claudius-Straße 29-35 23858 Reinfeld

GPS-Standort

53° 49' 55'' N, 10° 28' 47'' O

Auftraggeber

Johann d. J. von Schleswig-Holstein-Sonderburg

Errichtungsdatum

1600-1604

Abrissdatum

1773-1775

Literatur

  • Hunzinger, Silke: Schloß Plön Residenz, Adeliges Armenhaus, Erziehungsanstalt. Plön, Marius-Böger-Stiftung 1997, GVK: 237867818
  • Hunzinger, Silke: Schlösser und Gärten der Herzöge von Sonderburg-Plön. Neumünster, Wachholtz 1998, GVK: 242210864
  • Hirschfeld, Peter: Herrenhäuser und Schlösser in Schleswig-Holstein. München [u.a.], Dt. Kunst-Verl. 1980, GVK: 164983570
  • Haupt, Richard: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein : mit Ausnahme des Kreises Herzogtum Lauenburg. Kiel, Homann 1888, GVK: 038670305

Weitere Literatur