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Rüdiger Nehberg

Rüdiger Nehberg, der in Stormarn wohnte, war ein deutscher Menschenrechtsaktivist und bekannter Survival-Experte.

Ausbildung

Rüdiger Nehberg besuchte zunächst das Ratsgymnasium Bielefeld und anschließend ein Gymnasium in Münster (Westfalen), das er mit der Mittleren Reife verließ.

1951-1953 absolvierte er in Münster eine Bäckerlehre, schloss nach der Gesellenprüfung eine Konditorenlehre in Gelsenkirchen an und legte nach der Wanderschaft 1960 in Hamburg die Meisterprüfung ab.

Beruflicher Werdegang

Im Herbst 1965 gründete Rüdiger Nehberg gemeinsam mit seiner Frau eine Bäckerei/Konditorei in Hamburg-Wandsbek. Bis Mitte der 1970er-Jahre wuchs der Betrieb, auch durch die Errichtung mehrerer Filialen, auf 50 Mitarbeiter an. Trotz seiner späteren zahlreichen Auslandsaufenthalte blieb Nehberg bis zum Verkauf 1991 Eigentümer des Betriebs.

Ab den 1970er-Jahren legte er den Schwerpunkt seiner Erwerbstätigkeit auf Kurse zum Survival-Training. Zudem verfasste er Ratgeber zu Überlebenstechniken und Reiseberichte.

Lebenslauf

Als ältestes Kind eines Sparkassenbeamten wuchs Rüdiger Nehberg in Bielefeld mit zwei Geschwistern in einer bürgerlichen Familie auf. Während des Zweiten Weltkrieges zog sie nach Zoppot (heute Sopot/Polen). Mitte Mai 1945 floh die Familie nach Dänemark. Dort wurde sie zwei Jahre interniert und kehrte dann nach Bielefeld zurück. Ab 1949 lebte sie in Münster (Westfalen).

Bereits während seiner Lehr- und Gesellenzeit unternahm Rüdiger Nehberg 1951-1960 internationale Fahrradtouren. In Hamburg wohnhaft, heiratete er 1963 seine erste Ehefrau Maggy. 1966 kam Tochter Kirsten zur Welt.

Ab Ende der 1960er-Jahre beschäftigte Nehberg sich zunehmend mit dem Thema Survival. Er erprobte Überlebenstechniken, indem er ohne Ausrüstung und Verpflegung durch unzugängliche Regionen reiste. 1970, 1972 und 1975 befuhr er, jeweils in Begleitung eines Freundes, per Boot den Blauen Nil. Auf der letzten dieser Reisen wurde sein Freund und Kameramann Michael Teichmann bei einem Überfall erschossen. Es folgten 1976 die Befahrung des Omo-Flusses in Äthiopien und 1977 die Durchquerung der Danakilwüste in Äthiopien.

Ende der 1970er-Jahre begann Nehbergs gesellschaftspolitisches Engagement. Dabei nutzte er seinen wachsenden Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit. Ab 1980 setzte er sich dafür ein, Lebensraum und Gesundheit der indigenen Volksgruppe der Yanomami im Norden Brasiliens vor der Bedrohung durch Rodungen und den Abbau von Bodenschätzen zu bewahren.

Zur Vorbereitung auf eine Urwald-Expedition wanderte er 1981 in 23 Tagen zu Fuß rund 1.000 km abseits bewohnter Gebiete durch Deutschland, von Hamburg nach Oberstdorf. Dabei ernährte er sich nur aus der umgebenden Natur. Die Verkaufserlöse aus seinem ersten Survival-Buch ermöglichten ihm um 1980 den Erwerb der verfallenen Wassermühle in Rausdorf, die er zu seinem Wohnsitz umbaute.

1983 reiste Rüdiger Nehberg erstmals nach Südafrika. Den Atlantischen Ozean überquerte er dreimal: 1987 mit einem Tretboot, 1992 zusammen mit der Menschenrechtsaktivistin Christina Haverkamp auf einem Bambusfloß und 2001 bei seiner Aktion „The Tree“ mit einem Einbaum aus einer 350 Jahre alten Weißtanne. Ende Juli 2003 ließ er sich im brasilianischen Urwald absetzen und durchquerte diesen in 25 Tagen ohne Ausrüstung, wobei er zwischenzeitlich als verschollen galt.

Von seiner Frau getrennt lebend, hatte Rüdiger Nehberg 1996 Annette Weber kennengelernt. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin – die er am 25.08.2009 heiratete – und fünf Gleichgesinnten gründete Nehberg im September 2000 die Menschenrechtsorganisation TARGET e. V. Sie richtet sich gegen die in vielen islamischen Ländern praktizierte Verstümmelung weiblicher Genitalien. 2002, 2004 und 2006 organisierte der Verein Konferenzen in Äthiopien, Mauretanien, Dschibuti und Kairo, bei denen die Beschneidung verurteilt wurde. Mit der Aktion „Karawane der Hoffnung“ warben Nehberg und Weber 2005 in den Oasen Mauretaniens für ihre Ziele. Zu den weiteren Projekten des Vereins zählten unter anderem der Aufbau einer Geburtshilfeklinik im äthiopischen Araf-Gebiet und einer Urwaldklinik in Brasilien.

Werk/Aktivitäten

Rüdiger Nehberg vermittelte seine Survival-Erfahrungen und seinen Einsatz für Menschenrechte in über 30 populärwissenschaftlichen Büchern. Auf einigen Expeditionen ließ er sich von einem Kamerateam begleiten, woraus viele Fernsehdokumentationen entstanden. Seine gesellschaftspolitischen Ziele trug er auch durch zahlreiche Interviews, Vorträge und Lesereisen in die Öffentlichkeit.

Bericht in der Ahrenburger Zeitung, 1995

Bedeutung

Rüdiger Nehbergs Engagement trug dazu bei, dass sich die Lebenssituation der Yanomami in den 1990er-Jahren deutlich verbesserte.

Sein Kampf mit TARGET gegen Genitalverstümmelung bewirkte, dass die weltweit wichtigsten Islam-Repräsentanten am 24.11.2006 die weibliche Beschneidung zum strafbaren Verbrechen gegen höchste Werte des Islam erklärten.

Ehrungen und Preise

2001 und 2010 Weitsicht-Preis für Menschenrechte
2002 Bundesverdienstkreuz am Bande, für sein Engagement für bedrohte Völker und für die Völkerverständigung, insbesondere für die Verständigung mit dem Islam
2004 Ehrenbürgerschaft von Chinguetti (Mauretanien)
2006 Hamburger Bürgerpreis der CDU Hamburg
2006 Ehrenbürgerschaft des Volks der Afar (Äthiopien)
2007 Internationaler B.A.U.M.-Sonderpreis
2008 Bundesverdienstkreuz I. Klasse, für sein Engagement gegen die Verstümmelung weiblicher Genitalien
2013 GSA-Preis der German Speakers Association (GSA) für sein Lebenswerk
2015 Urania-Medaille, zusammen mit seiner Frau Annette für ihren Einsatz für Menschenrechte
2019 Auszeichnung „Die blaue Zunge“ bei der Kölner Rednernacht 2019 für seine Lebensleistung im Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung

Persönlichkeiten

Annette Weber GND: 132344599
Christina Haverkamp GND: 1056232145
Kirsten Nehberg GND: 1062103173

Links

Persönliche Website: www.ruediger-nehberg.de (Zugriff am 20.04.2020)
Menschenrechtsorganisation TARGET e. V.: www.target-nehberg.de (Zugriff am 08.04.2020)

Familienname

Nehberg

vollständige Vornamen

Rüdiger

Rufname

Rüdiger

Geburtsdatum

04.05.1935

Geburtsort

Bielefeld

Sterbedatum

01.04.2020

Sterbeort

Rausdorf

Geschlecht

männlich

Religion

konfessionslos

Berufe

Bäcker- und Konditormeister, Reiseschriftsteller, Menschenrechtler

Ehe-/Lebenspartner

1. Ehe: Maggy Nehberg, 2. Ehe: Annette Weber (geb. 1959)

Kinder

eine Tochter, ein Stiefsohn und eine Stieftochter

Eltern

Karl Nehberg (um 1906-1974)

Literatur von der Person

  • Karawane der Hoffnung mit dem Islam gegen den Schmerz und das Schweigen ; mit den aktuellen Ergebnissen der TARGET-Gelehrtenkonferenz in Kairo. München [u.a.], Piper 2008, GVK: 552334030
  • Nehberg, Rüdiger: Die Autobiographie. München, Malik 2005, GVK: 507865804
  • Nehberg, Rüdiger: Die Yanomami-Indianer Rettung für ein Volk - meine wichtigsten Expeditionen. Piper, 2003, GVK: 39967487X
  • Nehberg, Rüdiger: Die Kunst zu überleben - Survival. München, Piper 1998, GVK: 245279989
  • Nehberg, Rüdiger: Im Tretboot über den Atlantik. Hamburg, Kabel 1988, GVK: 010219102