Rolf Italiaander

Der Schriftsteller und Kunstsammler Rolf Italiaander gründete das Museum Rade im Naturpark Oberalster, die heutige Sammlung Italiaander - Reinbeks Forum der Völker im Schloss Reinbek.

Ausbildung

Rolf Italiaander besuchte in Leipzig die Volksschule und das Schiller-Realgymnasium, von dem er nach eigenen Angaben 1926 relegiert wurde. Eine anschließende Schlosserlehre musste er aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Mit besonderen Erlaubnis durfte der erst Sechzehnjährige 1930-1932 natur- und geisteswissenschaftliche Vorlesungen an der Universität Leipzig hören, erwarb jedoch keinen akademischen Abschluss.

Beruflicher Werdegang

Nach dem Abbruch seines Studiums war Italiaander zeitlebens als freier Autor tätig, zunächst in Berlin (1934-1945), nach dem Zweiten Weltkrieg in Hamburg (1947-1991).

Nebenberuflich arbeitete Italiaander in seiner Berliner Zeit als Lektor und Herausgeber für Jugendbücher des Gustav Weise-Verlags. 1945-1947 leitete er ein Tourneetheater des British Army Welfare Service. In den Nachkriegsjahren war Italiaander freier Mitarbeiter von Tages- und Wochenzeitungen (u. a. Die Welt, Die Zeit) sowie des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) und fungierte einige Jahre als deutscher Repräsentant des Wiener Paul Zsolnay-Verlags.

Lebenslauf

Rolf Italiaander war der Sohn eines niederländischen Herrenschneiders und einer Deutschen. Durch seinen Vater, über dessen mögliche jüdische Herkunft Italiaander später widersprüchliche Angaben machte, erhielt er die niederländische Staatsbürgerschaft. Von 1927 an lebte er als Pflegesohn zeitweise in der Familie des prominenten Berliner Schriftstellers Willy Haas, der ihn mit der Ordnung seiner Bibliothek und redaktionellen Arbeiten an der von ihm herausgegebenen Zeitschrift "Die literarische Welt" betraute.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Italiaander Mitglied der Reichsschrifttumskammer und etablierte sich im Laufe der 1930er-Jahre als Autor populärer Jugendbücher. Italiaander hielt zwar Distanz zu NS-Organisationen, begeisterte sich aber zunehmend für den italienischen und japanischen Faschismus. 1942 erschien seine hagiografische Biografie des italienischen Kolonialpolitikers Italo Balbo, im selben Jahr interviewte er in Rom Benito Mussolini. Nach Kriegsende wurden in der Sowjetischen Besatzungszone 15 seiner Bücher auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt. Zugleich wurde er im britischen Sektor Berlins entnazifiziert.

Als Zivilangestellter der Britischen Armee kam Italiaander 1947 nach Hamburg. Noch im selben Jahr gründete er zusammen mit dem Schriftsteller Hans Henny Jahnn und anderen Kunstschaffenden die Freie Akademie der Künste in Hamburg. Nach Diskussionen um seine publizistische Tätigkeit in der NS-Zeit, die Italiaander stets nur einseitig und lückenhaft reflektierte, musste er 1968 als Ständiger Sekretär der Freien Akademie zurücktreten.

1970 gründeten Italiaander und sein langjähriger Lebensgefährte Hans Ludwig Spegg in Tangstedt das Museum Rade im Naturpark Oberalster, in das er seine umfangreichen Sammlungen afrikanischer und asiatischer Kunst sowie von Werken der Hamburger Sezession und der naiven Malerei einbrachte. Ab 1987 war die Sammlung in einer Villa am Schloss Reinbek zu sehen. 2018 wurde sie als "Forum der Völker" im Schloss Reinbek neu eröffnet.

Ausstellungsplakat, 1989

Werk/Aktivitäten

Ab 1924 war Rolf Italiaander in der Jugendbewegung (u. a. Deutsche Freischar) aktiv. Von seinen Erlebnissen als junger Segelflieger berichtete Italiaander in seinem ersten Buch "So lernte ich Segelfliegen" (1931). Mit 19 Jahren unternahm er eine zweimonatige Radtour durch Nordafrika. Während seines Studiums engagierte er sich in der paneuropäischen Bewegung von Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi. Auf seinen Vortrags- und Studienreisen bereiste Italiaander nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Länder auf sechs Kontinenten.

Bereits als Jugendlicher veröffentlichte Italiaander Gedichte und literarische Beiträge in der Lokalpresse. Sein umfangreiches schriftstellerisches Werk umfasst mehr als 250 Buchpublikationen, darunter Jugendromane, Biografien, Theaterstücke, Gedichtbände und Ausstellungskataloge sowie Übersetzungen aus dem Niederländischen und Französischen. Nach dem Zweiten Weltkrieg spezialisierte er sich auf populärwissenschaftliche Sachbücher und Reisereportagen zu Afrika, Asien und Lateinamerika. Als Publizist bezog Italiaander auch Stellung zu Themen wie Fremdenfeindlichkeit, interreligiösem Dialog und moralischem Wertewandel. Außerdem setzte er sich aktiv für die Abschaffung der strafrechtlichen Verfolgung homosexueller Männer ein.

Bedeutung

Durch seine umfangreichen Aktivitäten avancierte Italiaander ab 1947 zu einer wichtigen Figur des literarischen-kulturellen Lebens in Norddeutschland. Das von ihm aufgebaute Museum Rade wurde zu einem überregionalen kulturellen Anziehungspunkt im Kreis Stormarn.

Ehrenämter

1963 Honorarkonsul der Republik Senegal für Hamburg und Schleswig-Holstein

1947-1968 Ständiger Sekretär der Freien Akademie der Künste in Hamburg

1954-1962 erster Präsident des Verbands deutschsprachiger Übersetzer e. V. (VDÜ) (1962-1991 Ehrenpräsident)

Ehrungen und Preise

1964 Hans Henny Jahnn-Preis der Freien Akademie der Künste in Hamburg (erst- und einmalig verliehen)

1977 Großes Verdienstabzeichen der Republik Österreich

1984 Bundesverdienstkreuz Erster Klasse

Persönlichkeiten

Italo Balbo GND: 118885871
Richard Nicolaus von Coudenhove-Kalergi GND: 118677101
Willy Haas GND: 118544101
Hans Henny Jahnn GND: 118556673
Benito Mussolini GND: 118585967
Paul Zsolnay GND: 117019526

Links

Webpräsenz "Sammlung Italiaander. Reinbeks Forum der Völker": https://sammlung-italiaander.de/ (Zugriff am 25.08.2020)

Familienname

Italiaander

vollständige Vornamen

Rolf Bruno Maximilian

Rufname

Rolf

Geburtsdatum

20.02.1913

Geburtsort

Leipzig

Sterbedatum

03.09.1991

Sterbeort

Hamburg

Begräbnisort

Friedhof Ohlsdorf

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Schriftsteller, Kunstsammler, Museumsleiter

Ehe-/Lebenspartner

Hans Ludwig Spegg (1927-1991)

Eltern

Curt Italiaander (1887-1953), Charlotte Italiaander, geb. Töpfer (1893-1935)

Literatur von der Person

  • Italiaander, Rolf: Mit dem Rad durch Nordafrika Erlebnisse eines Neunzehnjährigen. Mit Bildern von Karl Mühlmeister. (= Bunte Bücher, Heft 262). Reutlingen, Enßlin & Laiblin 1938, GVK: 612024873
  • Italiaander, Rolf: Italo Balbo. Der Mensch, der Politiker, der Flieger, der Kolonisator. München, Knorr & Hirth 1942, GVK: 138786992
  • Italiaander, Rolf: Im Lande Albert Schweitzers. Meine Besuche in Lambarene. Neuausgabe [= 55.-66. Tsd.]. Hamburg, Broschek 1958, GVK: 426428137
  • Italiaander, Rolf: Der ruhelose Kontinent. Ein Schlüssel zur Geschichte und Wirtschaft aller afrikanischen Länder. 2., überarbeitete und ergänzte Ausgabe. Düsseldorf, Econ 1961, GVK: 215252438
  • Italiaander, Rolf: Kunstsammler, glückliche Menschen. Erlebnisse mit Künstlern, Bildern, Skulpturen in aller Welt. Düsseldorf, Droste 1985, GVK: 021030316

Literatur

  • Baron, Ulrich: 40 Jahre Freie Akademie der Künste in Hamburg. Hamburg, 1990, GVK: 042510953
  • Nottscheid, Mirko/Stuhlmann, Andreas: Apologie und Neubeginn: Rolf Italiaander als Schlüsselfigur in literarischen Netzwerken im Hamburg der 1950er Jahre. In: "Hamburg, das ist mehr als ein Haufen Steine". Das kulturelle Feld in der Metropolregion Hamburg 1945-1955. Hrsg. von Melanie Mergler, Hans-Ulrich Wagner, Hans-Gerd Winter, Dresden: Thelem, 2014, S. 150-169, GVK: 796866848
  • Kraske, Bernd M.: Kunst aus aller Welt 50 Bilder aus der Sammlung Rolf Italiaander. Bad Schwartau, Crescer 2017, GVK: 885148479
  • Völksen, Horst: Das Museum Rade und sein Gründer Rolf Italiaander. In: Jahrbuch für den Kreis Stormarn, Bd. 35 (2017), S. 197-201, GVK: 875036163

Weitere Literatur