Rolf Carls

Der frühere Generaladmiral Rolf Carls war von 1943 bis 1945 kommissarischer Landrat des Kreises Stormarn.

Ausbildung

Rolf Carls besuchte in Rostock zunächst eine private Vorschule und für ein Jahr das Gymnasium. Danach wechselte er für drei Jahre an eine Schule in Osterrode im Harz, dann für zwei Jahre an das Gymnasium in Inwrozlaw, das spätere Hohensalza, in Westpreußen. Mit 15 Jahren kam er wieder zurück an das Rostocker Gymnasium. 1901 ging er an das Realgymnasium im mecklenburgischen Schönberg, das er 1903 mit dem Abitur verließ. Im selben Jahr begann er seine Ausbildung zum Marineoffizier zunächst als Seekadett.

Beruflicher Werdegang

Als Marineoffizier in der Kaiserlichen Marine wurde Rolf Carls 1906 zum Leutnant zur See befördert. Bis 1914 hatte er den Rang eines Oberleutnants erreicht. Nach ersten Einsätzen im Ersten Weltkrieg wurde er im selben Jahr zum Kapitänleutnant befördert. 1919 war er Kompanieführer und Bataillonskommandeur im Freikorps Marine-Brigade von Loewenfeld, 1920 dann Kommandeur der Küstenabwehrabteilung V in Pillau. 1921 erfolgte die Beförderung zum Korvettenkapitän, später zum Kapitän zur See, nach weiteren Stationen 1934 zum Konteradmiral, 1937 zum Admiral und 1940 zum Generaladmiral. 1943 schied er aus dem aktiven Dienst aus und wurde zum kommissarischen Landrat des Kreises Stormarn berufen.

Lebenslauf

Da Rolf Carls Vater als Marineoffizier häufig versetzt wurde, wuchs er in mehreren Städten auf und musste daher häufig die Schule wechseln. Wie bereits sein Vater strebte er eine militärische Karriere an. Nach seiner Ausbildung an verschiedenen Marine- und U-Bootschulen war er von 1905 bis 1907 im Kreuzergeschwader Ostasien stationiert. Während des Ersten Weltkriegs erfolgte sein Einsatz überwiegend im Schwarzen Meer, nach einer Erkrankung dann als Ausbilder und Kommandant auf Schulschiffen und U-Booten.

1924 heiratete Rolf Carls die Witwe Emma Behrend, die zwei Kinder mit in die Ehe brachte. Die Familie lebte an den wechselnden Standorten von Carls, so unter anderem in Preußisch Arnau bei Königsberg in Preußen, in Kiel und Wilhelmshaven.

Rolf Carls war als Freicorps-Mitglied an der Niederschlagung des Ersten Polenaufstands 1919 und des Ruhraufstands 1920 beteiligt. 1927 wurde er als Referent der Flottenabteilung an die Marineleitung berufen und leitete später die Ausbildungsabteilung und den Stab. Während des Nationalsozialismus konnte er seine Karriere fortsetzen. Im Spanischen Bürgerkrieg übernahm er den Oberbefehl der unterstützenden Seestreitkräfte. Von 1938 bis 1940 hatte er die Leitung der Marinestation Ostsee inne. Als Marinestratege beschäftigte er sich vor dem Zweiten Weltkrieg mit dem geplanten Seekrieg gegen England. Kurz nach Kriegsausbruch war Carls Oberbefehlshaber des Marinegruppenkommandos Ost, später Nord, in Kiel und Wilhelmshaven und maßgeblich an der Vorbereitung und Umsetzung der Besetzung des neutralen Norwegens und Dänemarks beteiligt. Als seine Ernennung zum Oberbefehlshaber der Kriegsmarine 1943 scheiterte, weil ihm Großadmiral Karl Dönitz vorgezogen wurde, schied er aus dem aktiven Dienst aus.

Erst 1943 trat Rolf Carls in die NSDAP ein und zog nach Ahrensburg. Im selben Jahr wurde er zum kommissarischen Landrat von Stormarn ernannt. Neben der Organisation von Kriegswirtschaft, Lebensmittelversorgung und Luftschutz war Carls kurz nach seinem Dienstantritt im Juni 1943 für die Verlegung und letztendlich 1944 die Zusammenführung der Kreisverwaltung Stormarn in Bad Oldesloe zuständig. Dies war notwendig, nachdem das Stormarnhaus in Wandsbek Ende Juli 1943 durch Luftangriffe teilweise zerstört worden war. Dazu kam die Aufnahme und Unterbringung der Buten-Hamborger und ab Winter 1944/45 der Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten im Kreisgebiet. Carls starb kurz vor Kriegsende beim schweren Bombenangriff auf Bad Oldesloe am 24.04.1945.

Bedeutung

Obgleich Rolf Carls als Marineoffizier keinerlei Erfahrung in der staatlichen Verwaltung mitbrachte, wurde er dennoch vom schleswig-holsteinischen Gauleiter Hinrich Lohse als Landrat eingesetzt und war für die umstrittene Verlegung des Landratssitzes und der Kreisverwaltung in den Kreis Stormarn zuständig.

Ehrungen und Preise

Dienstorden IV. Klasse, Eisernes Kreuz II. Klasse und I. Klasse, Mecklenburg-Schwerinisches Militär-Verdienstkreuz II. und I. Klasse, Osmanié-Orden IV. Klasse, Türkische Imtiazmedaille mit Schwertern und Türkischer Eiserner Halbmond 1914–1918

Schlesischer Adlerorden der II. und I. Klasse, Bewährungsabzeichen der III. Marine-Brigade in der II. und I. Klasse 1920

Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1940, Spanisches Großkreuz des Marine-Verdienstordens, Italienisches Großkreuz des Ordens der Krone, Finnisches Freiheitskreuz I. Klasse mit Stern und Schwertern 1942, Deutsches Kreuz in Gold 1943

Persönlichkeiten

Karl Dönitz GND: 118526251
Hinrich Lohse GND: 117197203

Vorgänger

Nachfolger

Familienname

Carls

vollständige Vornamen

Rolf Carl Wilhelm Hans

Rufname

Rolf

Geburtsdatum

29.05.1885

Geburtsort

Rostock (heute in Mecklenburg-Vorpommern)

Sterbedatum

24.04.1945

Sterbeort

Bad Oldesloe

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Marineoffizier

Funktionen, Rang

Generaladmiral 1940-1943, Landrat 1943-1945

Ehe-/Lebenspartner

Emma Carls, verwitwete Behrend, geb. Paulsen (1885-1940)

Kinder

ein Stiefsohn und eine Stieftochter

Eltern

Friedrich Wilhelm Carl Anton Carls (1853-unbekannt), Martha Victoria Wilhelmine Anna Sophie Carls, geb. Pogge (1860-unbekannt)

Landrat: Amtsinhaber

Literatur

  • Perrey, Hans-Jürgen: Stormarns preußische Jahre die Geschichte des Kreises von 1867 bis 1946/47. Neumünster, Wachholtz 1993, GVK: 152680373
  • Lehmann, Sebastian: Kreisleiter der NSDAP in Schleswig-Holstein Lebensläufe und Herrschaftspraxis einer regionalen Machtelite. Bielefeld, Verl. für Regionalgeschichte 2007, GVK: 512672008
  • Müller, Henning K.: Die Stormarner Landräte und der Nationalsozialismus. [Bad Oldesloe], Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn 2018, GVK: 1040337368

Weitere Literatur