Rolf Breusing

Der Verwaltungsjurist Rolf Breusing hatte während des Zweiten Weltkriegs von 1940 bis 1942, offiziell bis 1945, das Amt des Landrats des Kreises Stormarn inne.

Ausbildung

Rolf Breusing besuchte in Bonn nach der Volksschule das Städtische Gymnasium, das er 1928 mit dem Abitur verließ. Er absolvierte das Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Bonn (1928–1929, 1930–1932) und Berlin (1929–1930). Die Erste juristische Staatsprüfung legte er 1932 in Köln ab. Als Gerichtsreferendar war er am Amtsgericht Sinzig sowie am Landgericht und der Staatsanwaltschaft Bonn eingesetzt. Die weitere Ausbildung als Regierungsreferendar erfolgte am Regierungspräsidium Köln, am Polizeipräsidium Köln und am Landratsamt in Bonn. 1936 bestand er in Berlin die Große juristische Staatsprüfung.

Beruflicher Werdegang

Rolf Breusing kam 1936 als Regierungsassessor an das preußische Ministerium des Inneren in Berlin und wurde kurzfristig zum Landratsamt Nauen abgeordnet. 1937 erfolgte seine Versetzung an das Landratsamt Eutin, 1939 seine Ernennung zum Regierungsrat. 1940 wurde er zum Landrat des Kreises Stormarn berufen.

Nach seiner Absetzung 1945 wurde Breusing wegen seiner Zugehörigkeit zu NS-Organisationen eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst verwehrt. Er arbeitete zunächst als Dolmetscher für die britische Militärregierung in Hamburg, ab 1950 in Köln für eine Wohnungsbaugesellschaft. 1951 fand er wieder eine Anstellung beim Landesversorgungsamt in Neumünster und wurde 1952 Vertreter des Landrates des Kreises Segeberg. Von 1956 bis 1975 war er geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Schleswig-Holsteinischen Landkreistages.

Lebenslauf

Rolf Breusing stammte aus einer Familie von Akademikern und Staatsbeamten. Nach dem frühen Tod des Vaters, eines Landrichters, während des Ersten Weltkriegs zog die Mutter mit den Kindern von Köln nach Bonn. Als Student engagiert sich Breusing in den Verbindungen des Vereins Deutscher Studenten in Bonn und Berlin. 1930 trat er in die NSDAP ein, 1933 dann in die Allgemeine Schutzstaffel (SS) der NSDAP, wo er 1939 zum SS-Hauptscharführer befördert wurde. Außerdem war er Mitglied in weiteren NS-Organisationen. 1937 trat Breusing aus der evangelischen Kirche aus.

Mehrfach war Breusing während des Zweiten Weltkriegs als Soldat eingezogen, so bei Kriegsbeginn in Polen und 1940 in Frankreich. Zwischenzeitlich übernahm er eine Tätigkeit als Wehrmachtsbeamter. Seine erneute Abkommandierung an die Ostfront erfolgte im August 1942, wo der Oberleutnant ab 1944 als NS-Führungsoffizier eingesetzt wurde. 1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Im August 1940 war Breusing, inzwischen Regierungsrat, zum Landrat des Kreises Stormarn ernannt worden. Der 30-Jährige war der bislang Jüngste, der dieses Amt in Stormarn innehatte. Er engagierte sich für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als kriegswichtige Einrichtung und organisierte während des Zweiten Weltkriegs die Kriegswirtschaft des Kreises. Wie bei seinen Vorgängern kam es wegen der Kreisstadt-Frage zu Konflikten mit der NSDAP-Kreisleitung Stormarn. Zunächst befürwortete Breusing den Verbleib in Wandsbek, sprach sich ab Ende 1941 jedoch für eine Verlegung in das Kreisgebiet aus. Damit kam er den Wünschen des Gauleiters der Provinz Schleswig-Holstein Hinrich Lohse entgegen.

Breusing engagierte sich im Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD), berichtete in Stormarner Geheimdienstangelegenheiten der übergeordneten NS-Institution in Kiel und wurde dafür zum SS-Obersturmführer befördert. Zu den Verbrechen des NS-Regimes wie die Vernichtung der Juden stellte er sich in späteren Spruchgerichtsverfahren ahnungslos. Bis in die Nachkriegszeit versuchte er jedoch, seine Verbindung zum NS-Regime zu relativieren und teilweise zu leugnen.

Erst nach Einstellung des Entnazifizierungsprozesses in der ehemaligen britischen Besatzungszone 1950 konnte Breusing sich um Wiedereinstellung in den Verwaltungsdienst des Landes Schleswig-Holsteins bewerben. Sogar der Sozialdemokrat und Stormarner Landrat Wilhelm Siegel befürwortete seine erneute Einstellung. Ein politisches Amt übernahm Breusing nicht mehr.

Bedeutung

Rolf Breusing begleitete als Stormarner Landrat den Kreis während des Zweiten Weltkriegs und bereitete mit seiner Entscheidung die Verlegung des Kreissitzes von Wandsbek in das Kreisgebiet vor.

Ehrenämter

Während seiner Stormarner Zeit übernahm Rolf Breusing die Leitung des Kreisverbands des DRK und engagierte sich als ehrenamtlicher Verbindungs-Mann für den SD-Abschnitt Kiel.

Ehrungen und Preise

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Rolf Breusing 1942 das Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern, 1944 das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

Persönlichkeiten

Hinrich Lohse GND: 117197203
Wilhelm Siegel GND: 1119642035

Vorgänger

Nachfolger

Familienname

Breusing

vollständige Vornamen

Rolf

Geburtsdatum

26.07.1910

Geburtsort

Köln

Sterbedatum

16.11.2004

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch, 1937 Kirchenaustritt, danach Gottgläubiger ohne Religionszugehörigkeit

Berufe

Verwaltungsjurist, Angestellter

Funktionen, Rang

Landrat 1940-1945, Geschäftsführer Landkreistag 1956-1975

Kinder

zwei Stiefsöhne

Eltern

Hugo Julius Dietrich Karl Breusing (1875-1917), Louise (Luise) Caroline Julie Breusing, geb. von Braun (1878-unbekannt)

Landrat: Amtsinhaber

Literatur

  • Perrey, Hans-Jürgen: Mein Stormarn Zutaten für eine Geschichte des Kreises. Berkenthin, Schwanenverl. 2003, GVK: 368919641
  • Perrey, Hans-Jürgen: Stormarns preußische Jahre die Geschichte des Kreises von 1867 bis 1946/47. Neumünster, Wachholtz 1993, GVK: 152680373
  • Lehmann, Sebastian: Kreisleiter der NSDAP in Schleswig-Holstein Lebensläufe und Herrschaftspraxis einer regionalen Machtelite. Bielefeld, Verl. für Regionalgeschichte 2007, GVK: 512672008
  • Müller, Henning K.: Die Stormarner Landräte und der Nationalsozialismus. [Bad Oldesloe], Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn 2018, GVK: 1040337368

Weitere Literatur