Peter-Paul-Kirche, Luftbild von Südwesten (2008)

Peter-Paul-Kirche

Die Peter-Paul-Kirche ist die Hauptkirche der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Oldesloe

Außenarchitektur

Das heutige Kirchengebäude ist ein spätbarocker Backstein-Saalbau mit hohem Satteldach und eingezogenem Chor. Der rund 60 m hohe, vorgesetzte quadratische Westturm besitzt neoromanische Formen, mit einem neogotischen Spitzhelm, der am Sockel von vier Ecktürmchen und Dreiecksgiebeln begleitet wird.

Kirchenweihe nach der Renovierung, 18. Dezember 1960

Innenarchitektur

Das Kircheninnere wird von der eingestellten zweigeschossigen hölzernen Empore und dem hölzernen Muldengewölbe geprägt.

Im Chor dominieren Altarblock, Taufstein und Lesepult aus Jura-Kalkstein, die der Kieler Bildhauer Jo Kley 2005 geschaffen hat. Die drei Fenster im Chor aus dem Jahr 1960 hat Siegfried Assmann, Großhansdorf, entworfen, sie zeigen im Ostfenster die Auferstehung und Christus im himmlischen Jerusalem sowie rechts und links Szenen aus dem Leben der Apostel Petrus und Paulus. Auf der Westempore steht die Pfingsten 2006 eingeweihte neue Orgel der Firma Mühleisen aus Leonberg. Sie besitzt eine mechanische Traktur, drei Manuale und 41 Register mit insgesamt 2.808 Pfeifen.

Geschichte

Die erste Weihe der Vorgängerkirche (oder zumindest des Chors) soll angeblich durch Bischof Vizelin 1150 erfolgt sein, doch sie oder eine Vorgängerkapelle könnte auch älter gewesen sein. Das Peters-Patrozinium verweist entweder auf die ältere Petrikirche in Hamburg oder auf ältere Petri- und Peterskirchen in Städten am Hellweg. Erst 1483 wird das zweite Patrozinium des Apostels Paulus genannt.

Die ursprüngliche Kirche war eine dreischiffige Basilika aus Feldsteinmauerwerk, mit vorgebautem quadratischem Turm. Sie wurde durch den Krieg von 1415, bei dem Herzog Erich V. von Sachsen-Lauenburg die Stadt eingeäschert hatte, und durch Blitzeinschläge mehrfach schwer beschädigt, aber immer wieder aufgebaut.

Mitte des 18. Jahrhunderts erstellte der Landbaumeister Johann Gottfried Rosenberg eine (erhaltene) Bauaufnahme und registrierte schwere Schäden. Nach langen Diskussionen zwischen Kirchenvorstand, Rat der Stadt und der Regierung in Kopenhagen wurde sie im Frühjahr 1757 abgerissen.

Der spätbarocke Neubau wurde 1757-1764 nach Plänen des Lübecker Stadtbaumeisters Johann Adolf Soherr (1706-1768) errichtet. Ihr Turm wurde erst 1802 fertig gestellt, nach einem Blitzschlag aber schon 1818 wieder niedergelegt. Als Ersatz diente bis 1884 ein hölzernes Glockengerüst auf dem westlichen Kirchhof. 1884-86 entstand unter dem Kreisbaumeister Greve der heutige Turm.

Das Geläut der Peter-Paul-Kirche besteht heute aus vier Bronzeglocken. Die älteste wurde 1765 von dem Eckernförder Glockengießer Johann David Kriesche gegossen. Die anderen drei Glocken fertigte 1957 bei der Firma Rincker in Sinn. Außerdem gibt es noch eine kleine eiserne Uhrglocke, die alle Viertelstunden schlägt.

1917 und 1940 hatte die Kirche je zwei Gocken für Kriegszwecke abliefern müssen, darunter eine große Glocke von 1769, die ebenfalls von J. D. Kriesche gegossen worden war.

Eine alte, beschädigte Glocke, 1489 von Wilken Krote aus Bronze gegossen und 1560 umgegossen, steht heute im Vorraum der Kirche.

Die Ausstattung des barocken Neubaus wurde aus der abgebrochenen Kirche übernommen, insbesondere der 1634 der im Auftrag der Kirchengemeinde von dem Hamburger Bildhauer Henning Heidtrieder geschaffene eichene Renaissance-Flügelaltar. Diesen Altar ersetzte man 1807 durch einen angekauften Barockaltar, der 1709 für die Lübecker St. Johannis-Klosterkirche gefertigt worden war.

Das Kircheninnere erfuhr im Zuge einer tiefgreifenden Renovierung im Jahr 1960 durch den Architekten Otto Andersen ein starke Umgestaltung. Dabei wurde der Barockaltar zerstört. Heute stehen von ihm - unter den Emporen - nur noch die vier Evangelisten.

Die zwölf Reliefs aus den Seitenflügeln des alten Heidtrieder-Altars aus dem Jahr 1634, die zuvor an der Chorbrüstung angebracht waren, wurden um 1970 restauriert und dann im Chor einzeln aufgehängt. 2008 wurden sie wieder zu Flügeln zusammengefügt und zieren heute die Wände des Altarraum zwischen den Fenstern. Bekrönt werden sie von den vier Evangelisten aus der verlorenen einstigen Mitteltafel. Die Abendmahlsszene aus der Predella wurde zwischen ihnen unter dem Ostfenster angebracht.

Die beiden barocken Kronleuchter aus Messing von 1616 und 1634 hängen über dem Mittelgang.

Nutzung

Die Peter-Paul-Kirche wird hauptsächlich für die sonntäglichen Gottesdienste, für Festgottesdienste, kirchliche Trauungen, Taufen und Andachten genutzt.

Weiterhin finden hier Orgel-, Chor- und Gospel-Konzerte statt. Die Kirche ist in der Regel tagsüber geöffnet.

Der von Linden gesäumte Kirchhof diente bis 1824 als Friedhof und ist heute eine Grünfläche.

Erhaltungszustand

Die letzte, umfassende Renovierung des Inneren fand von 2005-2008 unter der Leitung des Architekten Gunnar Seidel, Kiel, statt. Heute befindet sich die Kirche in einem guten Zustand.

Besonderheiten

Besondere Ausstattungsstücke sind der hölzerne Armenblock ("Lazarus", ein Opferstock) von 1590 und eine spätgotische, etwas derbe Madonna aus der ehemaligen Kapelle in Tralau aus dem 15. Jahrhundert, die heute am nördlichen Pfeiler des Chorbogens steht; ihre Krone weist sie als Himmelskönigin aus.

Der bronzene Kruzifixus, 1960 von dem Hamburger Bildhauer Fritz Fleer für den Hauptaltar geschaffen, hängt seit 2008 an der südlichen Chorwand.

Eine Besonderheit ist auch die Kombination der Glasfenster von Siegfried Assmann aus dem Jahr 1960 mit den Flügeln und der Predella des ehemaligen Hauptaltars von 1634, die hier eine überraschende, gelungene Symbiose eingehen.

Persönlichkeiten

Vizelin GND: 121523403
Henning Heidtrieder GND: 135688418
Johann Gottfried Rosenberg GND: 1155578147
Johann Adolf Soherr
Johann David Kriesche GND: 116132139X
Otto Andersen GND: 1133384706
Siegfried Assmann GND: 11936998
Fritz Fleer 118533835
Jo Kley GND: 141428945

Datierung Schutzstellung

27.03.1968

Begründung Schutzstellung

Die Peter-Paul-Kirche steht zusammen mit dem umgebenden Kirchhof und den wenigen erhaltenen älteren Grabdenkmälern als Ensemble aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen unter Denkmalschutz.unter Denkmalschutz.

Lage: Die Kirche steht auf einer Landzunge zwischen dem Stadtarm der Trave und der unweit einmündenden Beste.

14 400
Peter-Paul-Kirche business 53.8085920000 10.3758310000

Ort

Bad Oldesloe, Kirchberg

GPS-Standort

53° 48' 30'' N, 10° 22' 32'' O

Planer/Architekt

Johann Adolf Soherr (1757); Gunnar Seidel, Kiel (2005-08)

Errichtungsdatum

1757-1763/64

Literatur

  • Dabelstein, Rolf: Peter-Paul-Kirche Bad Oldesloe. Berlin, Monumente u. Menschen 2011, GVK: 749922052
  • Hitzer, Otto: Die Oldesloer Peter-Paul-Kirche im Wandel der Zeiten. Bad Oldesloe, Willfang 1985, GVK: 159757282
  • Kunst-Topographie Schleswig-Holstein. Neumünster, Wachholtz 1969, GVK: 021009430

Weitere Literatur