Paul von Schoenaich

Paul von Schoenaich war ein deutscher Offizier, Politiker und Pazifist, der jahrzehntelang in Reinfeld lebte und wirkte.

Ausbildung

Mit dem Besuch der Kadettenanstalt in Kulm (heute Chełmno, Polen) erwarb Schoenaich das Abitur. Ab 1883 diente er als Seekadett für vier Jahre bei der Marine des Deutschen Kaiserreiches und wurde damit zum Offiziersanwärter.

Beruflicher Werdegang

1887 trat Schoenaich in Berlin beim 2. Garde-Dragonerregiment in den Dienst der preußischen Armee. Nach der Beförderung zum Major 1907 war er im Kriegsministerium als Kavalleriereferent im Veterinärwesen beschäftigt, bevor er 1913 als Oberstleutnant Kommandeur des 15. Husarenregiments in Wandsbek wurde. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldete er sich freiwillig für den Fronteinsatz und kommandierte das 14. Dragonerregiment Colmar in Frankreich und Polen. 1915 berief man ihn erneut in die Kavallerieabteilung des Kriegsministeriums, ab März 1919 als Kommandeur der Berliner Kavallerie. Im April 1920 wurde er von seinem Vorgesetzten, dem General und führenden Beteiligten des Kapp-Lüttwitz-Putsches Walther von Lüttwitz, zum Generalmajor befördert, aber gleichzeitig wegen seiner prorepublikanischen Haltung in den Ruhestand versetzt.

Lebenslauf

Als sechstes und jüngstes Kind auf dem elterlichen Gut in Westpreußen geboren, entschied sich Paul von Schoenaich bereits als Jugendlicher für eine militärische Laufbahn. Am 14.08.1891 heiratete er die in Hamburg geborene Kaufmannstochter Stephani Brödermann. Das Ehepaar verlor frühzeitig zwei Söhne, den Älteren 1918 infolge einer im Ersten Weltkrieg erlittenen Schussverletzung. Nach seiner Versetzung in den Ruhestand lebte Schoenaich in Reinfeld. Dort widmete er sich - neben den weitgefächerten gesellschaftspolitischen Aktivitäten - seinem zuvor erworbenen landwirtschaftlichen Betrieb. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau am 05.12.1939 heiratete er am 04.01.1941 Elisabeth Brödermann-Slomann, Tochter des Mitbegründers der Vereinsbank Hamburg, Wilhelm Amsinck.

Werk/Aktivitäten

In seiner Reinfelder Zeit engagierte sich Schoenaich als Redner, Publizist und Funktionär für die Deutsche Demokratische Partei (DDP), der er 1918-1928 angehörte. Als Mitglied der DDP saß er im Reichsparteiausschusses und war Abgeordneter im Stormarner Kreistag. Außerdem war er Vorsitzender des Kreisverbands Stormarn und der Ortsgruppe Reinfeld der DDP.

1922 trat er der Deutschen Friedens-Gesellschaft (DFG) bei, deren Präsident er 1929 wurde. Diese politischen Aktivitäten führten zum Bruch mit seinen bisherigen militärischen Kreisen. Sie brachten Schoenaich auch in Kontakt mit Friedrich Bölck, der ihm und der DFG zeitweilig das Herrenhaus Trenthaus/Wulmenau als Versammlungsort zur Verfügung stellte. 1930 trat Schoenaich der Radikaldemokratischen Partei (RDP) bei, einer linken Abspaltung der DDP.

In seinem publizistischen Werk sowie in zahlreichen Rednerauftritten kritisierte Schoenaich den Militarismus und Antirepublikanismus der Reichswehr und plädierte für einen strikten Pazifismus.

Nach dem Verbot der DFG durch die Nationalsozialisten im März 1933 wurde er für sechs Wochen inhaftiert und lebte in der Folge in Reinfeld weitgehend isoliert, teilweise in Hausarrest.

Als die DFG 1946 wiederbegründet wurde, übernahm Schoenaich erneut das Amt des Präsidenten, bis er 1951 aufgrund von Differenzen um die Zustimmung zur Volksbefragung gegen die Remilitarisierung und für einen Friedensvertrag abgesetzt wurde.

Bedeutung

Als einer der neben Ludwig Quidde und Fritz Küster wichtigsten Pazifisten der Weimarer Republik vertrat Schoenaich radikale Forderungen nach einer allgemeinen Abrüstung aller Staaten. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte er sich gegen die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik Deutschland.

Ehrenämter

Schoenaich wurde 1952 zum Ehrenvorsitzenden der DFG ernannt.

Gedenkstein in Reinfeld, 2020

Ehrungen und Preise

Die Tierärztliche Hochschule Berlin verlieh Schoenaich 1918 die Ehrendoktorwürde für seine Arbeit im Veterinärwesen des Kriegsministeriums.

In Reinfeld wurde am 16.02.1946 die Hauptstraße nach ihm benannt. Zusätzlich erinnert ein Gedenkstein an den Pazifisten.

Besonderheiten

Schoenaichs gesellschaftspolitische Konversion vom hochrangigen preußischen Offizier zum Demokraten und Pazifisten machte ihn in der Weimarer Republik zu eine der umstrittensten Persönlichkeiten.

In den 1920er-Jahren befürwortete er das Wirtschaftsmodell der Freiwirtschaft nach dem Sozialreformer Silvio Gesell, der die Überführung von Grund und Boden in öffentliches Eigentum propagierte.

Persönlichkeiten

Walther von Lüttwitz GND: 118891499
Wilhelm Amsinck GND: 135697247
Ludwig Quidde GND: 11874318X
Fritz Küster GND: 118874578
Silvio Gesell GND: 118538934

Familienname

Hoverbeck genannt von Schoenaich

vollständige Vornamen

Paul Eugen

Rufname

Paul

Geburtsdatum

16.02.1866

Geburtsort

Klein Tromnau (Trumiejki, heute Polen)

Sterbedatum

07.01.1954

Sterbeort

Reinfeld (Holstein)

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Offizier

Funktionen, Rang

Generalmajor

Ehe-/Lebenspartner

1. Ehe: Stephani von Schoenaich, geb. Brödermann (1868-1939), 2. Ehe: Elisabeth von Schoenaich, geb. Amsinck, verh. Brödermann-Slomannn (1876-1966)

Kinder

drei Söhne

Eltern

Eduard von Schoenaich (1827-1880), Kamilla von Schoenaich, geb. von Buddenbrock (1827-1885)

Strukturansicht

Literatur von der Person

  • Schoenaich, Paul von 1866-1954: Abrüstung der Köpfe ein Weg zum inneren und äußeren Frieden. Leipzig, Oldenburg , GVK: 448844842
  • Schoenaich, Paul von: Mein Damaskus Erlebnisse und Bekenntnisse. Berlin, Verl. der Neuen Ges. 1926, GVK: 135809983

Literatur

  • Gräper, Friederike: Die Deutsche Friedensgesellschaft und ihr General - Paul Freiherr von Schoenaich (1866-1954). In: Pazifistische Offiziere in Deutschland 1871 - 1933, Bremen: Donat, (1999), S. 201-217, GVK: 597257744

Weitere Literatur