Paschen von Cossel

Paschen Ritter und Edler von Cossel war Jurist in Hamburg, Syndikus und Domherr des hamburgischen Domkapitels sowie Gutsherr der Güter Jersbek und Stegen.

Ausbildung

Paschen Cossel besuchte in Stralsund das humanistische Gymnasium im Katharinenkloster, wo er 1731 mit dem Abitur abging. Er studierte dann Rechtswissenschaft in Rostock (1731), Greifswald (1734) und Halle (1736) mit dem Abschluss zum Licentiatum Juris. In Halle wurde er 1738 mit seiner überwiegend in lateinischer Sprache verfassten Dissertation über die Patrimonialgerichtsbarkeit in unterschiedlichen Gebieten des damaligen Deutschen Reichs zum Doktor beider Rechte (Dr. jur. utr.) promoviert.

Beruflicher Werdegang

Paschen von Cossel ließ sich 1738 als Advokat in Hamburg nieder. Besonders als Prozessanwalt hatte er bald Erfolg. Er erwarb am 04.12.1739 das Hamburger Bürgerrecht. 1741 wurde ihm die kaiserliche Pfalzgrafenwürde verliehen. 1750-1760 wirkte er als Syndikus und 1755-1791 als Domherr des hamburgischen Domkapitels.

Lebenslauf

Paschen von Cossel, geboren unter dem Namen Kossel, war das vorletzte von acht Kindern. Sein Vater war Kaufmann, Weinhändler und Gastwirt, unter anderem in Anklam, Wismar, Stralsund und Neubrandenburg.

Paschen von Cossel heiratete in erster Ehe am 15.05.1748 in Pyrmont die Pyrmonter Arzttochter Christine Eleonore Elisabeth Seip. Seine zweite Ehe schloss er am 12.08.1755 in Hamburg mit der Hamburger Kaufmannstochter und -witwe Maria Elisabeth Dorrien. Beide Ehen blieben kinderlos. Daher adoptierte Paschen von Cossel 1797 seinen Neffen Eberhard Christopher von Cossel und machte ihn zu seinem Gesamterben.

Paschen von Cossel war 1755-1757 Gutsherr des Hofes (später Kanzleigutes) Silk und 1768-1773 des Adligen Gutes Hoisbüttel, bevor er 1774 von Bendix Wilhelm Georg von Oberg, Enkel von Bendix von Ahlefeldt, das Adlige Gut Jersbek und das Adlige Gut Stegen kaufte.

Er wurde neben seiner zweiten Ehefrau, die rund 16 Jahre vor ihm verstorben war, im Jersbeker Forst in der Grabanlage von Cossel beigesetzt. Die Bestattung fand als "stille Beisetzung", wie sie damals in aufgeklärten Kreisen als fortschrittlich galt, ohne Feierlichkeiten statt. Auch auf geistliche Begleitung wurde verzichtet.

Bedeutung

Paschen von Cossel spielte in der hamburgischen Rechtspflege des 18. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle und genoss hohes berufliches sowie gesellschaftliches Ansehen.

Er schaffte schon ab 1784, lange vor der offiziellen Aufhebung in Holstein zum 01.01.1805, in seinen beiden Gütern die Leibeigenschaft ab und verpachtete die Ländereien zuerst in Zeit- und dann in Erbpacht gegen Entgelt.

Ehrungen und Preise

Paschen von Cossel wurde am 21.12.1742 zuerst in den nicht titulierten Reichs-Adelsstand und am 02.06.1755 in den erblichen Reichsritterstand als Ritter und Edler von Cossel erhoben.

Weitere Ernennungen waren zum Wirklichen Justizrat am 04.11.1752 durch Christian Ludwig II. von Mecklenburg-Schwerin, zum großfürstlich russischen und herzoglich holsteinischen Etatsrat (Staatsrat) am 23.07.1760 durch Peter III. von Russland in seiner Eigenschaft als Herzog von Holstein-Gottorf und zum dänischen Konferenzrat am 08.11.1769 durch Christian VII. von Dänemark.

Besonderheiten

Die Aufnahme in den Kreis der altehrwürdigen schleswig-holsteinischen Ritterschaft (Rezipierte) als nobilis adventitius wurde ihm verwehrt.

Persönlichkeiten

Bendix von Ahlefeldt GND: 1013970837
Bendix Wilhelm Georg von Oberg
Christian zu Stolberg-Stolberg GND: 118755544
Christian Ludwig II. von Mecklenburg-Schwerin GND: 102111847
Peter III. von Russland GND: 118740180
Christian VII. von Dänemark GND: 118930915

Vorgänger

Nachfolger

Familienname

von Cossel (anfänglich Kossel)

alternative Schreibweisen Familienname

Ritter und Edler von Cossel

vollständige Vornamen

Paschen

Geburtsdatum

21.12.1714

Geburtsort

Anklam in Vorpommern

Sterbedatum

17.01.1805

Sterbeort

Jersbek

Begräbnisort

Privatgrabstätte im Jersbeker Forst

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Jurist und Gutsherr

Funktionen, Rang

Canonicus minor (Domherr minderen Rechts) des hamburgischen Domkapitels 1755-1791 in der Funktion der Beratung und Mitverwaltung der Diözese

Ehe-/Lebenspartner

1. Ehe: Christine Eleonore von Cossel, geb. Seip (1728-1748); 2. Ehe: Maria Elisabeth von Cossel, verw. Dorrien, geb. Matthießen (1718-1789)

Kinder

Eberhard Christopher von Cossel (Adoptivsohn)

Eltern

Henning Detloff Kossel (1670-1741); Catharina Dorothea Kossel, geb. von Pritzbuer (1683-1741)

Adliges Gut Jersbek: Gutsherr

Literatur von der Person

  • Paschen Cossel: De dominis, subditos suos in iudicio suo convenientibus: Dissertatio Ivridica Inavgvralis / Praeside Io. Gottl. Heineccio ... Pvblico Examini Svbmissa, A Pasch. Cossel, Univ. Diss. Halle/Saale, 1738, GVK: 1090395051

Literatur

  • Axel Lohr: Deutung der Grabanlage von Paschen von Cossel in Jersbek. Großhansdorf, 2017, In: Jahrbuch für den Kreis Stormarn 2018, GVK: 1007480181
  • Axel Lohr: Der unfreiwillige Abgang des Tremsbütteler Amtmanns Graf Christian zu Stolberg-Stolberg im Jahr 1800. Großhansdorf, 2015, In: Jahrbuch für den Kreis Stormarn 2016, GVK: 1007175028
  • Axel Lohr: Streit zwischen Paschen von Cossel und dem Sülfelder Pastor Hans Christian Andresen über zu Unrecht erhobene Deprecationsgebühren. Ahrensburg, 2008, In: Jahrbuch für den Kreis Stormarn 2009, GVK: 1006396160
  • Axel Lohr: Die Geschichte des Gutes Jersbek von 1588 bis zur Gegenwart, Diss. phil. Neumünster, 2007, GVK: 537458905
  • Dieter Lohmeier: Cossel. Neumünster, 2000, In: Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck, Band 11, GVK: 852231806

Weitere Literatur