Maria-Magdalenen-Kirche

Die 1901 eingeweihte neugotische Maria-Magdalenen-Kirche gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Reinbek-Mitte.

Außenarchitektur

Die Kirche ist eine einschiffige Saalkirche im Stil der Neugotik. Wegen der Lage auf einer kleinen Anhöhe liegt der Altarraum im Südwesten. Gegenüber erhebt sich der schlanke, circa 50 Meter hohe Eingangsturm mit zwei seitlichen Treppentürmen. Schmale Rautenbänder ziehen sich um den Turm und die Treppenturmdächer. Strebepfeiler markieren die vier Joche des Langhauses.

Innenarchitektur

Das Kirchenschiff besitzt ein spitz zulaufendes Tonnengewölbe. Unter den Doppelfenstern liegen an den Seiten des Langhauses jeweils kleine Nischen. Die Empore mit der 1971 von der Stuttgarter Firma Weigle erbauten Orgel befindet sich über dem Eingang.

Seit 1951 sind die Wände in einem hellen Beigeton gehalten, die ursprünglichen neogotischen Rautenmuster und Ornamente wurden übermalt.

Hugo Groothoff hatte die Kirche als Gesamtkunstwerk entworfen: Wanddekor, Altar, Taufstein, Ringleuchter und Schalldeckel der Kanzel mitsamt holzgeschnitzter Turmspitze in gotischem Stil.

Teile des Inventars wurden aus der Kapelle im Schloss Reinbek übernommen, die bis 1901 für Gottesdienste genutzt wurde. Aus dem frühen 17. Jahrhundert stammen die Kanzelfiguren „Glaube“, „Liebe“ und „Hoffnung“ sowie am Lesepult die Figur des Moses, die Figuren von Christus und den Heiligen Petrus und Paulus am Eingangsbogen zum Chor. Sie werden dem Bildhauer Henning Heidtrieder zugeschrieben.

Ansicht von Süden, 1978

Materialien

Die Kirche ist aus rotem Backstein erbaut. Friese, Bänder und Gesimse aus glasierten Ziegeln setzen sich davon ab. Der Turmhelm ist mit Kupfer gedeckt. Das Gewölbe im Langhaus ist aus dunklem Holz gefertigt.

Geschichte

Bis zum Bau der Kirche fanden die Gottesdienste in der Kapelle im Schloss Reinbek statt. Bereits 1875 entstanden erste Pläne für einen Kapellenbau, ein Kirchenbauverein gründete sich. 1892 wurde Reinbek ein eigener Pfarrbezirk und die Schlosskapelle zunehmend als zu eng befunden. Konkretere Planungen schlossen sich an, da seit dem 01.10.1894 Reinbek, Schönningstedt, Ohe und Glinde eine eigenständige Kirchengemeinde bildeten, zu der 1898 Wentorf hinzustieß.

Nach problematischen Standortverhandlungen fiel die Wahl auf eine kleine Anhöhe am Ortsrand an der Straße nach Schönningstedt. Der Kirchenvorstand entschied sich für einen Entwurf des Hamburger Architekten Hugo Groothoff. Die Ausführung des am 30.04.1900 begonnenen Baus übernahm der Reinbeker Maurermeister Carl Ohl. Am 21.07.1901 konnte die Kirche geweiht werden.

Die aus der Reinbeker Schlosskapelle mitgenommene Orgel wurde 1914 durch einen Neubau der Firma Marcussen & Sohn aus Apenrade (heute Aabenraa, Dänemark) ersetzt.

Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg mussten Kirchenglocken zum Einschmelzen für Kriegszwecke abgeliefert werden. Die 1948 erworbenen drei Stahlgussglocken wurden 1988 wegen Materialermüdung durch vier neue Bronzeglocken der Firma Iversen, Dimier & Cie aus Hamburg ersetzt. Die einzige von 1901 noch erhaltene, kleinste Glocke hängt mittlerweile im Glockenturm auf dem Reinbeker Friedhof.

Zur 50-Jahr-Feier 1951 erhielt die Kirche u. a. eine neue Ausmalung. 1969 fand eine weitere Umgestaltung durch Architekt Friedhelm Grundmann statt, bei der die vorderen Bankreihen entfernt wurden und ein beweglicher Tisch den Altar ersetzte. Die Altarfenster des Kunsthandwerkers Carl de Bouché wurden herausgenommen und drei neue Altar- sowie 16 Seitenfenster nach Entwürfen von Klaus Arnold eingesetzt. Nach Aufteilung der Kirchengemeinde Reinbek in drei eigenständige Gemeinden erhielt die Kirche 1969 den Namen Maria-Magdalenen-Kirche in Erinnerung an das gleichnamige Zisterzienserinnenkloster Reinbek.

Zur 100-Jahr-Feier der Kirche 2001 wurden einige Veränderungen von 1969 rückgängig gemacht, u. a. wurde der Schalldeckel wieder über der Kanzel angebracht. 2016 gründete sich eine Stiftung zur Erhaltung der Kirche.

Nutzung

Die Kirche verfügt über etwa 450 Sitzplätze. Neben Gottesdiensten und religiösen Feiern finden in der Kirche auch Orgel-, Chor- und Bläserkonzerte statt.

Erhaltungszustand

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kirche unbeschädigt. 2015/16 fand die Sanierung des Kirchendachs und von Teilen des Kirchturms statt.

Besonderheiten

Beim Bau der Kirche wurden circa 40.000 von insgesamt 130.000 Mark durch Spender aufgebracht, deren Namen sich heute noch auf einigen Gegenständen finden.

Hugo Groothoff entwarf auch das separat stehende 1903 errichtete Pastorat.

Am Eingang zum Kirchhof stehen zwei circa zwei Meter hohe Granitsäulen als Lampenträger, die aus dem Fundament des zum Kloster gehörenden ehemaligen Brauhauses stammen.

Seit 1968 befindet sich an der Außenseite der Kirche das vormals im Innenraum angebrachte Kriegerehrenmal, das Carl Andresen aus Flensburg 1922 aus Muschelkalkstein fertigte.

Persönlichkeiten

Hugo Groothoff GND: 121210928
Henning Heidtrieder GND: 135688418
Friedhelm Grundmann GND: 12881845X
Klaus Arnold GND: 118650408
Carl de Bouché GND: 116271531

Datierung Schutzstellung

14.07.1992

Begründung Schutzstellung

Die Kirche steht mitsamt ihrer Ausstattung, dem als Pastorat genutzten Nebengebäude und den zwei Granitpfeilern als Lampenträgern als Ensemble aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen unter Denkmalschutz.

Links

Website mit Informationen zu den Reinbeker Kirchenbauten und ihrer Geschichte: www.museumsverein-reinbek.de/wp-content/uploads/2018/06/Kirchen-in-Reinbek.pdf (Zugriff am 28.02.2020)

Website mit Bericht über die Grundsteinlegung der Maria-Magdalenen-Kirche 1900: www.reinbeker-geschichten.de/?p=995 (Zugriff am 28.02.2020)

14 400
Maria-Magdalenen-Kirche business 53.5135000000 10.2531000000

Ort

Schönningstedter Str. 7

21465 Reinbek

GPS-Standort

53° 30' 48'' N, 10° 15' 11'' O

Auftraggeber

Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Reinbek

Planer/Architekt

Hugo Groothoff

Errichtungsdatum

1900/01

Literatur

  • Claussen, Johann Hinrich: 1901 - 2001 die Kirche an den Jahrhundertwenden. In: 1901 - 2001: hundert Jahre Maria-Magdalenen-Kirche zu Reinbek, Reinbek, (2001), S. 4-10, GVK: 896377172
  • Kirchengemeinde Reinbek-Mitte: Zum 25j채hrigen Jubil채um der Evangel.-Luther. Kirche in Reinbek (Holstein) am 21. Juli 1926. Hamburg, Persiehl 1926, GVK: 345957679
  • Schreyer, Alf: Kirche in Stormarn Geschichte eines Kirchenkreises und seiner Kirchengemeinden. Hamburg, M+K Hansa-Verl. 1981, GVK: 039813940
  • Kunst-Topographie Schleswig-Holstein. Neumünster, Wachholtz 1969, GVK: 043799841
  • Behrens, Sabine: Norddeutsche Kirchenbauten des Historismus die Sakralarchitektur Hugo Groothoffs 1851 - 1918. Kiel, Ludwig 2006, GVK: 39258378X

Weitere Literatur