Veröffentlicht

Landgemeinde und Gemeinde Bramfeld

Die Gemeinde Bramfeld lag im Westen des Kreises Stormarn. Seit 1937 gehört Bramfeld zu Hamburg.

Lage

Bramfeld grenzte im Norden an die (Land-)Gemeinden Wellingsbüttel und Sasel, im Osten an die Hamburger Exklave Farmsen-Berne, südlich an die Stadt Wandsbek sowie Hamburg-Barmbek. Westlich lagen die Gemeinde Steilshoop sowie Hamburg-Ohlsdorf.

Ortsgliederung

Die Gemeinde Bramfeld bestand aus dem Ortskern und dem südlichen Ortsteil Hellbrook. Im Nordosten lag das Hamburger Staatsgut Karlshöhe.

Geschichte

Aus dem Dorf Bramfeld ging 1867 im Zuge der preußischen Landgemeindeordnung die Landgemeinde hervor. Zunächst der Kirchspielvogtei Bargteheide und ab dem 01.10.1889 dem Amtsbezirk Poppenbüttel zugeordnet, bildete sie ab 1910 mit der Landgemeinde Steilshoop den Amtsbezirk Bramfeld.

Mit Hamburgs Beitritt zum Deutschen Zollverein wurde zum 01.01.1888 die Zollstation Hellbrook aufgelöst. 1913 übereignete die Gemeinde der Stadt Flächen zur Erweiterung des Ohlsdorfer Friedhofes.

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs entwickelte sich v. a. der Ortsteil Hellbrook durch Ansiedlung von Gärtnereien zum zweitgrößten Gemüseanbaugebiet im Hamburger Raum. Aus einer Stellmacherei ging später die Baumarktkette Max Bahr hervor.

Die Ansiedlung von metall- und lebensmittelverarbeitenden Betrieben seit Ende der 1880er-Jahre brachte v. a. durch den Zuzug von Arbeitern ein rasches Bevölkerungswachstum. Ab den 1920er-Jahren entstanden u. a. zwischen beiden Ortsteilen neue Wohngebiete. Bramfeld war 1923 ein Schauplatz des Hamburger Aufstandes in Stormarn.

Infrastrukturelle Aufgaben wie Wasserversorgung, Abwasserentsorgung sowie Nahverkehr führten in den 1920er-Jahren zur Verschuldung der Gemeinde. Die favorisierte Eingemeindung nach Hamburg scheiterte an Preußen, eine Eingemeindung nach Wandsbek 1927/28 an Bramfeld.

Mit der neuen Gemeindeordnung von 1935 fand die Umwandlung zur Gemeinde Bramfeld statt. Im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes erfolgte mit der Eingemeindung nach Hamburg zum 01.04.1937 ihre Auflösung.

Politik und Verwaltung

Gemeindevorsteher:
Hans Richter 1934–1937 (ab 1935 Bürgermeister)
Emil Kaiser 1934
Joachim Caesar 1933/34
Carl Bremer 1930–1933
Wilhelm Diers 1924–1926
Albrecht Schwarz (kommissarisch) 1923
August Bienwald 1920–1923
Wilhelm Markmann 1919–1920
Hermann Siemers (kommissarisch) 1915–1919
Joachim Möller 1902–1915
H. Remstedt 1895–1902
J. Hinsch 1889–1895

Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung

Jahr: Einwohner:
1935 10.173
1930 8.212
1925 5.929
1910 3.429
1900 1.506
1890 1.166
1885 1.000
1873 650

Ausflugslokal "Seehof", 1898

Wirtschaft

Bramfelds Wirtschaft war durch den Gemüseanbau und -export – v. a. von Rhabarber und Kohl – sowie durch mehrere Gewerbe- und Industriebetriebe wie die Margarinefabrik Thörl, die Fischfabrik Gosch und ein Kalksandsteinwerk geprägt. Daneben sorgten zahlreiche Handwerks-, Handels- und Gewerbebetriebe für den Bedarf der Einwohner. Die Sparkasse des Kreises Stormarn, die 1931 die 1905 gegründete Gemeinde-Sparkasse Bramfeld übernommen hatte, betrieb zwei Filialen.

Gasthöfe, insbesondere am Neuen Teich, profitierten vom Hamburger Ausflugsverkehr.

Infrastruktur

Durch Bramfeld verlief die Reichsstraße 75 zwischen Hamburg und Lübeck. Nebenlandstraßen führten nach Wandsbek, Steilshoop und Farmsen-Berne. Eine Straßenbahnlinie verband Hellbrook mit Wandsbek und Hamburg, eine Buslinie führte seit 1924 nach Hamburg-Barmbek.

Das 1907 errichtete Elektrizitätswerk war seit 1929 an die Überlandleitung des Kreises Stormarn verpachtet. Die Wasserversorgung erfolgte durch die Wasserwerke Hamburg-Ost. In der Gemeinde gab es eine Posthilfsstelle, eine Apotheke und mehrere Ärzte. Neben der Freiwilligen Feuerwehr von 1887 existierte seit 1931 eine dem Wandsbeker Präsidium unterstellte Polizeizweigstelle.

Kultur und Freizeit

Die Volksschule am Dorfplatz besuchten auch die Kinder aus Steilshoop. Das Gebäude beherbergte zugleich die Volksbücherei. Auf dem Staatsgut Karlshöhe existierte eine Lehranstalt für Geflügelzucht.

Mehrere Gesangsvereine wie die Bramfelder Liedertafel „Eintracht“ von 1873, Orchester, Turn- und Sportvereine, Kleingartenvereine sowie ein Kino prägten das kulturelle und gesellschaftliche Leben. Am Neuen Teich lag ein Freibad.

Nach Auspfarrung aus dem Kirchspiel Bergstedt 1907 bildete Bramfeld mit Steilshoop und Wellingsbüttel eine eigene Kirchengemeinde mit der 1914 geweihten Evangelischen Kirche zu Bramfeld (später Osterkirche).

Denkmal und Friedenseiche am Dorfplatz, 1914

Sehenswürdigkeiten

Am Dorfplatz erinnern zwei Gedenksteine an die Schleswig-Holsteinische Erhebung 1848 sowie den Deutsch-Dänischen Krieg 1864, die Friedenseiche an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.

Ein 1935 von Karl Schurig gestaltetes Ehrenmal des Ersten Weltkriegs steht am Alten Teich.

Wappenerläuterung

Das im Januar 1936 genehmigte Wappen zeigt in einem Schild das silberne holsteinische Nesselblatt, darin ein zweiter Schild mit dem dreiarmigen Ginster (= Bram) auf dem Bramberg in Grün und Gelb.

14 400
Landgemeinde und Gemeinde Bramfeld location_city 53.6139480000 10.0769890000

Bundesland

Schleswig-Holstein

Kreis / Kreisfreie Städte

Kreis Stormarn

Verwaltungssitz

Bramfeld

GPS-Standort

53° 36' 50'' N, 10° 4' 37'' O

Fläche

11 km2

Ersterwähnung / Gründung

01.10.1867

Auflösungsdatum

31.03.1937

Politischer Repräsentant

Bürgermeister Hans Richter

Verwaltungsleitung

Amtsvorsteher Hans Richter

Einwohnerzahl

10173

Bevölkerungsdichte

925 Einwohner / km2

Strukturansicht

Amtsbezirk Bramfeld: Landgemeinden

Literatur

  • Wohlrab, Gudrun: Bramfelder Streiflichter aus 750 Jahren Dorf und Stadtteil. Hamburg, Stadtteilarchiv Bramfeld 2021, GVK: 1776013409
  • Hoppe, Ulrike: Zwischen Dorf und Stadt Bramfeld und Steilshoop - zwölf Spaziergänge durch Geschichte und Gegenwart. Hamburg, VSA-Verl. 2003, GVK: 367213346
  • Seeler, Siegfried: Bramfeld, Hellbrook, Steilshoop vom Dorf zum Stadtteil. Hamburg, Heinevetter 1988, GVK: 162509294

Weitere Literatur