Kloster Nütschau

Das Priorat St. Ansgar in Nütschau, auch Kloster Nütschau genannt, ist das nördlichste Benediktinerkloster Deutschlands. Als geistliches Zentrum im Erzbistum Hamburg ist es zugleich eine moderne, spirituelle Begegnungs- und Bildungsstätte nicht nur für Katholiken.

Zweck

Das Priorat St. Ansgar ist eine Gemeinschaft von Mönchen, die nach den Regeln des heiligen Benedikt zusammenleben. Als Stätte der Besinnung, Bildung und Begegnung für die Katholiken in Schleswig-Holstein und Hamburg sowie offen für weitere Gäste bietet es neben den Gottesdiensten und Gebetszeiten jährlich zahlreiche Veranstaltungen an, ein- und mehrtägige Seminare, Exerzitien sowie das "Kloster auf Zeit". Weiterhin finden Vorträge, Konzerte, Fortbildungsveranstaltungen für Religionslehrer und -lehrerinnen, Atem-, Besinnungs- und Bewegungsseminare statt.

Struktur

Das Kloster Nütschau wird von einem Prior geleitet. Ihm stehen der Subprior zur Seite, der auch das "Haus St. Ansgar" leitet, und der Cellerar für die Finanzen des Klosters. Die weiteren Mönche versehen unterschiedliche Aufgaben wie geistliche Begleitung, Jugendarbeit, Arbeit mit Männern, Gastbruder und Ikonenschreiben.

Das Kloster wird unterstützt durch zwei Bildungsreferentinnen, darunter eine Schwester der "Gemeinschaft Jesu", für Frauen- und Jugendarbeit, Exerzitien, Religionspädagogik. Zusätzlich kümmern sich mehr als 30 Angestellte um das Wohl der Klostergäste.

Geschichte

Das Kloster Nütschau wurde 1951 als Exerzitienhaus "Haus St. Ansgar" gegründet, um eine Stätte für die zunehmende Anzahl der Katholiken in Schleswig-Holstein insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg zu errichten. Bereits zum 1.100. Jahrestag der Gründung des Bistums Hamburg im Jahr 1931 war vom Benediktinerkloster Gerleve im Münsterland der Wunsch nach einer Klosterniederlassung im Norden geäußert worden. Am 03.02.1951 hat das Bistum Osnabrück das Restgut Nütschau von der Familie Schuster erworben. Die ersten vier Mönche wurden kurz darauf aus der Abtei St. Joseph in Gerleve entsandt, und am 06.05.1951 konnte das "Haus St. Ansgar" eröffnet werden.

Nach der Herrichtung des alten Herrenhauses als Wohnraum und mit Einrichtung einer Kapelle im Herbst und Winter 1951/52 begann die geistliche Arbeit und der Aufbau des Klosters. Die übernommenen 84 ha Ländereien mit Acker- und Weideflächen sowie Wald wurden von den Mönchen bewirtschaftet. 1962 wurde der Betrieb mit Rinderhaltung und Milchwirtschaft ausgebaut, 1971 die Landwirtschaft bis auf den Forst schließlich aufgegeben.

Die Ernennung des ersten Priors erfolgte 1960. 1972 wurde das Kloster wirtschaftlich unabhängig. Am 16.10.1975 setzte Abt Clemens Schmeing von Gerleve das Errichtungsdekret in Kraft. Zehn Mönche von Gerleve übertrugen ihr Gelübde auf das nun selbstständige Kloster, das als jüngste Gründung der Beuroner Benediktinerkongregation angehört.

Das Kloster Nütschau öffnete sich immer weiter zu einem Begegnungs- und Bildungszentrum für Erwachsene und Jugendliche. Das 1954 für die Mönche errichtete Exerzitienhaus, die spätere Bildungsstätte St. Ansgar, erhielt 1959 einen zweiten Trakt und beherbergt inzwischen als Tagungshaus Gruppen. 1974 folgten die Klosterkirche und der Stille Bereich für Einzelgäste, ebenso die Speise-und Küchenräume. Das ehemalige Inspektorat des Gutes von 1906 wurde als Jugendhaus St. Benedikt eingerichtet und 1990 erweitert. Es wird von Jugendgruppen insbesondere aus Norddeutschland genutzt. 1997 konnte das Kloster das "Kavalierhaus" westlich des Herrenhauses käuflich erwerben; heute dient es als Haus Raphael vorrangig der "Männerarbeit".

In den Anfängen des Klosters bis 1959 unterstützten Schwestern des Mutterhauses Nette bei Osnabrück das Kloster, insbesondere den Gästebetrieb und die Jugendarbeit. Josefsschwestern aus Dänemark setzten diesen Dienst bis 1969 fort. Ihnen folgten Clemensschwestern aus dem Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Münster, die bis 2005 in Nütschau wirkten. Im Haus St. Franziskus finden heute junge Erwachsene als Absolventen des Freiwilligen Sozialen oder Ökologischen Jahres und Praktikanten eine Unterkunft.

Der neue dreigeschossige Konventbau östlich des Herrenhauses mit Refektorium, 19 Mönchszellen und einem Krankenbereich wurde am 12.05.1999 vom Hamburger Erzbischof Ludwig Averkamp eingeweiht, die Klosterpforte in dem ehemaligen Bibliotheksbereich eingerichtet. Die durchgreifende Sanierung des 1576/77 errichteten Herrenhauses ab 2003 konnte 2006 abgeschlossen werden. Während alle anderen Einrichtungen für Gäste offen stehen, bleibt dieser Bereich den Mönchen als Klausur vorbehalten.

Leitung

Prior Pater Johannes Tebbe seit 2015
Prior Pater Leo Overmeyer 1994-2015
Prior Pater Dr. Antonius Terstiege 1994
Prior Pater Gaudentius Sauermann 1971-1994
Prior Pater Amandus Eilermann 1960-1971

Mitgliederentwicklung

4 Mönche 1951
8 Mönche 1960
10 Mönche 1975
18 Mönche 2018

Besonderheiten

In zwei Reihen fassen seit 2006 Birnbäume die Rasenfläche des ehemaligen Gutshofes ein und geben dem gesamten Klosterensemble Halt.

Die Salzburger Äbtekonferenz fand mit 53 Äbten aus Österreich, Südtirol, Deutschland, Ungarn und der Schweiz in der Osterwoche 1978 im Kloster Nütschau statt.

1958 diente das Klostergelände als Drehort zum Heimatfilm "Das Mädchen vom Moorhof" nach einer Novelle von Selma Lagerlöf.

Persönlichkeiten

Ludwig Averkamp GND: 113425333
Clemens Schmeing GND: 189545046

Links

Wikipediaartikel zum Priorat St. Ansgar (Nütschau): https://de.wikipedia.org/wiki/Priorat_St._Ansgar_(N%C3%BCtschau) (abgerufen am 21.11.2018)

Name

Priorat St. Ansgar

Rechtsform

e.V.

Sitz

Schlossstraße 26, 23843 Travenbrück

Gründungsdatum

16.10.1975

Vorsitz

Prior P. Johannes Tebbe

Mitgliederanzahl

18

Literatur

  • Rickert, Hans-Werner: Gut Nütschau vom Rittersitz zum Benediktinerkloster : eine Chronik. Kiel; Hamburg, Wachholtz Verlag - Murmann Publishers 2017, GVK: 895124459

Weitere Literatur