Klaus von der Groeben

Der Verwaltungsjurist Klaus von der Groeben war von 1956 bis 1957 Landrat des Kreises Stormarn.

Ausbildung

Klaus von der Groeben besuchte in Königsberg in Preußen das Königliche Collegium Fridericianum, das er mit dem Abitur verließ. Zum Studium der Rechts- und Staatswissenschaften ging er an die Universitäten in Königsberg, Heidelberg und Berlin und bestand 1924 das Erste juristische Staatsexamen. Anschließend vervollständigte er als Gerichtsreferendar und Regierungsreferendar seine Ausbildung am Oberlandesgericht Königsberg.

Beruflicher Werdegang

Von 1928 bis 1932 war Klaus von der Groeben als Regierungsassessor an den Landratsämtern Jerichow II und Haldensleben tätig. Danach kam er kurzzeitig zum Kommissar für die Osthilfe nach Königsberg in Preußen, ehe er von 1932 bis 1933 an das Landratsamt in Lyck und das Regierungspräsidium in Königsberg versetzt wurde. Als Regierungsrat war er bis 1936 persönlicher Referent des Staatssekretärs beim preußischen Ministerium des Inneren. Anschließend wurde er zum Landrat des Kreises Königsberg (Preußen), des späteren Landkreises Samland, ernannt und übte das Amt bis 1945 aus.

Ab 1950 war er als kaufmännischer Angestellter tätig, ehe er 1953 Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Landkreistages wurde. 1956 übernahm er das Amt des Landrates im Kreis Stormarn, wechselte jedoch 1957 als Ministerialdirektor an das schleswig-holsteinische Innenministerium. 1964 wurde er zum Staatssekretär ernannt und ging 1967 in den Ruhestand.

Lebenslauf

Klaus von der Groeben kam aus einer ehemals in der Markgrafschaft Brandenburg beheimateten Familie. Er wuchs auf dem Gut der Familie in Ostpreußen auf. Er interessierte sich für die Jagd und wurde 1925 Mitglied der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. Als Student trat er 1922 in das „Corps Saxo-Borussia“ in Heidelberg ein. 1932 erfolgte sein Eintritt in die NSDAP, wo er 1936 die Aufgabe des Kreisamtsleiters für Kommunalpolitik im Landkreis Königsberg (Preußen) erhielt. Wie Erich Keßler gehörte er dem parteinahen Königsberger Kreis an. Neben seiner Landratstätigkeit übernahm er als Kurator der Groeben’schen Familienstiftung die Verwaltung der Familiengüter Langheim und Liep.

1938 leistete Groeben seinen Militärdienst im Artillerie-Regiment 1 ab. Nach der Besetzung Polens wurde er 1939/40 kurzfristig als Landrat in Praschnitz eingesetzt. Es folgte ab 1940 ein Einsatz als Referent im Hauptstab des Reichskommissars der Ukraine in Rowno, wo er von 1941 bis Anfang 1943 als Leiter der Personalabteilung tätig war. Inzwischen wie bereits sein jüngerer Bruder Hans dem NS-Regime kritisch gegenüber eingestellt, ließ er sich wieder zurück auf seine Landratsstelle in Samland versetzen. Von dort flüchtete er 1945 Richtung Westen, kam in britische Gefangenschaft und wurde in das Internierungslager Eselheide bei Bielefeld überstellt.

Nach seiner Entlassung und der späteren Entlastung ließ sich Groeben zunächst in Elvese nieder und bemühte sich um eine Rückkehr in den Verwaltungsdienst. Außerdem trat er in die CDU ein. 1953 heiratete er die Fabrikantentochter Christiane Gerstein, das Paar hatte zwei Kinder. Während seiner kurzen Amtszeit als Landrat des Kreises Stormarn trieb er den von seinem Vorgänger Wilhelm Siegel begonnenen Strukturwandel voran.

Nach seiner Pensionierung initiierte Groeben ein Forschungsprojekt zu Fragen der Verwaltungsstruktur Schleswig-Holsteins. Ende der 1980er-Jahre arbeitete er an einem Projekt des Innenministeriums mit, welches die Verwaltungsgeschichte Ostdeutschlands untersuchte. Er veröffentlichte zahlreiche Schriften zur Verwaltungsgeschichte, insbesondere Ostpreußens, und zum Widerstandskämpfer Nikolaus Christoph von Halem.

Bedeutung

Als ausgewiesener Verwaltungskenner trug Groeben maßgeblich zur Verwaltungsreform Schleswig-Holsteins und insbesondere auch zu dem für andere Bundesländer wegweisenden, späteren Landesverwaltungsgesetz bei. Als Stormarner Landrat engagierte er sich vor allem für die wirtschaftliche Entwicklung des Kreises, was 1957 zur Gründung der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) führte.

Ehrenämter

Als lokaler Bevollmächtigter der Lastenausgleichsbank und des Bundesministers des Inneren engagierte sich Groeben von 1967 bis 1981 für die treuhänderische Vermögensverwaltung der mecklenburgischen Liegenschaften, die durch das Barber-Ljaschtschenko-Abkommen 1945 dem Kreis Herzogtum Lauenburg zugeschlagen wurden.

Groeben gründete 1968 die Zeitschrift „Deutsche Verwaltungsgeschichte“ mit, war bis 1985 Mitherausgeber und viele Jahre Autor von Fachartikeln.

Ehrungen und Preise

1967 wurde Groeben mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland geehrt. 1991 erhielt er den Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen. 1992 ernannte ihn die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zum Ehrendoktor. 1998 wurde er Ehrenmitglied der Historischen Kommission für die ost- und westdeutsche Landesforschung.

Persönlichkeiten

Erich Keßler GND: 1031688250
Hans von der Groeben GND: 11922464X
Wilhelm Siegel GND: 1119642035
Nikolaus Christoph von Halem GND: 118906763

Vorgänger

Nachfolger

Familienname

Groeben, von der

vollständige Vornamen

Klaus Ulrich Karl Hermann

Rufname

Klaus

Geburtsdatum

07.01.1902

Geburtsort

Langheim (heute Lankiejmy/Polen)

Sterbedatum

23.01.2002

Sterbeort

Kiel

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Verwaltungsjurist, Ministerialbeamter

Funktionen, Rang

Landrat 1936-1945, 1956-1957, Ministerialdirektor 1957-1964, Staatssekretär 1964-1967

Ehe-/Lebenspartner

Christiane von der Groeben, geb. Gerstein (1924-unbekannt)

Kinder

drei Kinder

Eltern

Georg von der Groeben, Eva von der Groeben, geb. von Mirbach

Landrat: Amtsinhaber

Kreisausschuss 1955-1959: Mitglieder

Beschlussausschuss 1955-1959: Mitglieder

Literatur von der Person

  • Allgemeines Verwaltungsgesetz für das Land Schleswig-Holstein (Landesverwaltungsgesetz) ; Kommentar. Köln [u.a.], Heymann , GVK: 217131832
  • Die Verwaltung Zeitschrift für Verwaltungswiss. Hrsg. von Ernst Forsthoff, Klaus von d. Groeben [u.a.]. Berlin, Duncker & Humblot 1968, GVK: 407208615
  • Groeben, Klaus von der: Disparitäten im ländlichen Raum Von der Groeben, [Bernhard] Brodauf. Bonn, Deutscher Landkreistag , GVK: 42892316X
  • Groeben, Klaus von der: Streiflichter: persönliche Erinnerungen. Raisdorf, Ostsee-Verl. 1997, GVK: 225715198

Literatur

  • Müller, Henning K.: Die Stormarner Landräte und der Nationalsozialismus. [Bad Oldesloe], Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn 2018, GVK: 1040337368

Weitere Literatur