Johann Hinrich Schmalfeldt

Johann Hinrich Schmalfeldt war Zigarrenmacher, sozialdemokratischer Gewerkschafter und Politiker sowie Reichstagsabgeordneter.

Ausbildung

Schmalfeldt besuchte die Volksschule in Oldesloe. Anschließend begann er eine Weinküferlehre in Hamburg, die er 1866-1868 in Bremen fortsetzte. Aus gesundheitlichen Gründen musste er diesen Beruf aufgeben und absolvierte 1868-1869 in Oldesloe eine Zigarrenmacherlehre.

Beruflicher Werdegang

Nach seiner Ausbildung ging er auf Handwerker-Wanderschaft und war unter anderem in Skandinavien, Großbritannien und den USA. Ab 1882 arbeitete er als Zigarrenmacher-Meister in einer Fabrik in Uetersen (Kreis Pinneberg). Danach übernahm er in derselben Funktion eine Zigarrenfabrik in Stade. Ab 1892 wirkte Schmalfeldt als Tabakhändler und später als Gastwirt in Bremerhaven.

Lebenslauf

Aus einer protestantischen Handwerker- und Bauernfamilie stammend – der Vater war Schuhmacher – und in Neritz aufgewachsen, musste Schmalfeldt aufgrund seines politischen Engagements häufig den Wohnort wechseln. Während für 1874 als Wohnsitz Hamburg nachgewiesen ist, zog er im Folgejahr ins preußische Ottensen (heute Hamburg).

Schmalfeldt heiratete am 15.06.1877 Anna Catharina Wilhelmine Fahl aus Esingen (heute Ortsteil von Tornesch, Kreis Pinneberg). Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor.

Durch das „Sozialistengesetz“ ab 1878 in politische Schwierigkeiten geraten, wurde Schmalfeldt im Oktober 1881 aus der preußischen Provinz Schleswig-Holstein sowie aus Hamburg ausgewiesen. Daher wanderte er 1881/82 vorrübergehend in die USA aus. Anschließend lebte er mit seiner Familie zunächst in Uetersen und Stade. Im April 1892 verlegte Schmalfeldt seinen Wohnsitz in das zur Hansestadt Bremen gehörende Bremerhaven.

Werk/Aktivitäten

Schmalfeldt engagierte sich ab den 1870er-Jahren in der Arbeiterbewegung. 1870 wurde er Mitglied in Ferdinand Lassalles Allgemeinem Deutschen Arbeiterverein, der sich 1875 mit August Bebels und Wilhelm Liebknechts Sozialdemokratischer Arbeiterpartei zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands zusammenschloss (ab 1890: Sozialdemokratische Partei Deutschlands). Ebenfalls 1875 trat Schmalfeldt dem von Friedrich Wilhelm Fritzsche begründeten Allgemeinen Deutschen Cigarrenarbeiterverein bei, einer Tabakarbeiter-Gewerkschaft. 1877 wurde er für die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands in das Ottensener Stadtverordnetenkollegium gewählt.

In seiner Stader Zeit war Schmalfeldt in einer gewerkschaftlichen Schifferorganisation aktiv. In der Zeit um die Aufhebung des Sozialistengesetzes 1890 trug er maßgeblich zum organisatorischen Wiederaufbau der Arbeiterbewegung in Stade bei.

In Bremerhaven saß er 1895-1933 in der Stadtverordnetenversammlung. Ab 1897 wirkte er führend in der deutschen Seeleute-Gewerkschaft und organisierte vor Ort im selben Jahr unter anderem den 13-wöchigen Hafenarbeiter-Streik. 1897/98 war er Vorsitzender des Gewerkschaftskartells Bremerhaven.

Nach zwei vergeblichen Anläufen 1890 und 1898 zog Schmalfeldt 1903-1907 für die SPD in den Berliner Reichstag ein. Bei der Parteispaltung 1917 schloss er sich vorübergehend der USPD an, bevor er ab 1922 wieder für die SPD tätig war. 1919 wurde er Mitglied der Bremischen Nationalversammlung und war 1920-1930 Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, wo er insbesondere die Interessen Bremerhavens vertrat.

Bedeutung

Johann Hinrich Schmalfeldt gehörte zu den Pionieren der frühen gewerkschaftlich-sozialdemokratisch orientierten Arbeiterbewegung in Norddeutschland. Mit hohem persönlichen Engagement setzte er sich für die gesellschaftlichen und politischen Interessen vor allem der Tabak- und Hafenarbeiter sowie der Seeleute ein. In Bremerhaven zählte er nach dem Ersten Weltkrieg zu den führenden städtischen Politikern.

Ehrenämter

Schmalfeldt war 1920-1930 Alterspräsident der Bremischen Bürgerschaft.

Ehrungen und Preise

1930 Ehrenbürger der Stadt Bremerhaven, 1936 Aberkennung, 1949 posthum Wiederherstellung; in Bremen (1968) und Bremerhaven (1949) Straßenbenennungen

Besonderheiten

Ab 1904 war Schmalfeldt Firmenträger und Namensgeber des sozialdemokratischen Druck- und Verlagshauses J. H. Schmalfeldt & Co. Es brachte unter anderem die Parteizeitung „Bremer Bürgerzeitung“ heraus, als deren Nestor er gilt. Das Unternehmen existierte bis 1981.

Persönlichkeiten

Ferdinand Lassalle GND: 118569910
August Bebel GND: 118507893
Wilhelm Liebknecht GND: 118572768
Friedrich Wilhelm Fritzsche GND: 133290263

Links

Biografie im Biografischen Lexikon der ÖTV und ihrer Vorläuferorganisationen: http://library.fes.de/fulltext/bibliothek/tit00205/00205j06.htm (Zugriff am 10.2.2020)

Familienname

Schmalfeldt

vollständige Vornamen

Johann Hinrich (Heinrich)

Rufname

Johann Hinrich, Hinrich

Geburtsdatum

28.11.1850

Geburtsort

Neritz

Sterbedatum

30.12.1937

Sterbeort

Bremerhaven

Begräbnisort

Friedhof Bremerhaven-Wulsdorf

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Zigarrenmacher, Gastwirt

Funktionen, Rang

Stadtverordneter, Reichstagsabgeordneter

Ehe-/Lebenspartner

Anna Catharina Wilhelmine Schmalfeldt, geb. Fahl (1859-1921)

Kinder

fünf Kinder

Eltern

Johann Friedrich Schmalfeldt, Maria Elisabeth Dorothea Schmalfeldt, geb. Gojohann

Literatur

  • Bremische Biographie 1912 - 1962. Bremen, Staats- und Universitaetsbibliothek 2017, GVK: 1006105670
  • Schwarzwälder, Herbert: Das große Bremen-Lexikon. Bremen, Ed. Temmen 2003, GVK: 375431918

Weitere Literatur