Johannes Ströh (Firma)

Die Beteiligungsgesellschaft Johannes Ströh KG (GmbH & Co.) blickt in Bad Oldesloe auf eine lange Tradition als Mühlenbetrieb, Futtermittelhersteller und Landhandel zurück.

Unternehmensziel und Produkte

Das Unternehmen ist nur noch als Holdinggesellschaft tätig.

Struktur

Persönlich haftender Gesellschafter ist die Ströh Beteiligungsgesellschaft mbH, Bad Oldesloe. Als Kommanditisten fungieren Bernd Ströh sowie die Ströh Zweite Flachsbeteiligungs GmbH & Co. Kommanditgesellschaft.

Bau eines neuen Silos am Bahnhof Bad Oldesloe, 1972

Geschichte

Nach dem Erwerb der alten Kornmühle an der Trave im Stadtkern von Oldesloe am 21.02.1896 begann Johannes August Christian Ströh als Alleininhaber mit dem Vermahlen von Roggen und Weizen. Die am 05.04.1900 hinzugekaufte alte Lohmühle am Pferdemarkt ersetzte er 1910 durch den Neubau einer Getreidemühle. Zeitgleich modernisierte er die Maschinen der Kornmühle und erweiterte seine Produktpalette. Er wurde überregional einer der ersten Mischfutterhersteller, begann den Handel mit Düngemitteln und baute ein Landhandelsgeschäft auf. Während der Zwangsbewirtschaftung im Ersten Weltkrieg war die Firma Johannes Ströh von der Reichsgetreidestelle mit der Verteilung von Mühlenfabrikaten betraut. 1916 wurde das erste große Silo für die Neue Mühle am Pferdemarkt in Betrieb genommen, 1919 ein Gebäude am Mühlenplatz für die Verwaltung erworben.

In der Zwischenkriegszeit folgten auf wirtschaftliche Einbrüche durch die Inflation schon bald die technische Modernisierung der Anlagen und des Fuhrparks sowie der Ausbau des Landhandels. Mit baulichen Erweiterungen wurde die Neue Mühle am Pferdemarkt zum Zentrum der Produktion. Die nationalsozialistische Gesetzgebung zur Stärkung des Agrarsektors brachte dem Mühlenbetrieb einen erneuten Aufschwung, der sich in der Vergrößerung der Produktpalette, aber auch in mehreren Baumaßnahmen niederschlug. 1936 entstanden am Pferdemarkt ein neues großes Silo, 1938/39 am Bahnhof Bad Oldesloe das markante Backstein-Getreidesilo und eine neue Mischfutteranlage.

Zum 01.01.1936 hatte Johannes August Christian Ströh seine Mühlenwerke in eine offene Handelsgesellschaft unter Beteiligung seiner Söhne umgewandelt. 1939/40 gliederten Hans und Paul Ströh das Unternehmen in mehrere Tochtergesellschaften auf, als deren Alleininhaber sie fungierten. Die Lagerei- und Speditionsgesellschaft Ströh Gebrüder betrieb das Bahnhofssilo, die Kraftfutterwerk OHG Bad Oldesloe die Alte Mühle am Mühlenplatz, die sich auf die Produktion von Futtermitteln konzentrierte.

Der Bombenangriff auf Bad Oldesloe am 24.04.1945 traf sowohl das Bürohaus am Mühlenplatz als auch das Silo am Bahnhof.

Der Wiederaufbau in den 1950/60er-Jahren ging mit Modernisierung, baulicher Erweiterung und Erschließung neuer Absatzbereiche einher. So entstanden am Pferdemarkt mehrere hohe Produktions-, Lager- und Bürogebäude. Die Ströh‘schen Mühlenwerke avancierten zu einem der bedeutendsten Unternehmen der Branche in Deutschland und zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Kreisstadt. Als eines der ersten boten sie auf dem deutschen Markt Fertigmehle für das Backgewerbe und, ab 1952 mit der Marke „Gloria“, Haushaltspackungen für den Privatverbrauch an. Die Futtermittelherstellung, die 1948/49 zum Bahnhof verlagert worden war, firmierte 1953 in Kraftfutterwerk Ströh & Co., erhielt einen eigenen Gleisanschluss und baute Produktion und Vertrieb aus. 1972 entstand dort das hohe Beton-Silo.

Unter dem 27.10.1975 ließ die Johannes Ströh OHG die Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft registrieren. Persönlich haftende Gesellschafter waren ab 1986 nicht mehr einzelne Familienmitglieder, sondern die Ströh Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH.

Überkapazitäten und eine Sättigung des Marktes ließen die großen, teilweise veralteten Anlagen zunehmend unrentabel werden. Die Johannes Ströh KG (GmbH & Co.) stieß ihre auswärtigen Filialen und Tochtergesellschaften ab. 1996 veräußerte sie sämtliche Anteile der Gloria Mühlenwerke an die Diamant Mühle Hamburg GmbH & Co. Diese verkaufte die zentralen Grundstücke in Bad Oldesloe samt Gebäuden an die Stadt.

In der Turmstraße am Bahnhof arbeitet noch immer die Landhandel Ströh GmbH & Co. KG.

Besonderheiten

Am 26.10.1927 ersteigerte die Johannes Ströh Mühlenwerke die Claudius-Mühle in Reinfeld. Ausgebaut, modernisiert und durch einen Landhandel ergänzt, arbeitete diese – mit Unterbrechung von 1943–1949 aufgrund eines schweren Brandschadens – bis zur Stilllegung und dem Verkauf 1996.

1939/40 erwarb die Johannes Ströh OHG ein Gelände in Hamburg-Wilhelmsburg und errichtete dort in den folgenden Jahrzehnten einen großen Getreidesilo-Komplex mit Gleisanschluss und Kaianlagen. Diese Hansa-Lagerhaus Ströh & Co., Hamburg-Wilhelmsburg, ging 1990 an die G. T. H. Getreide Terminal Hamburg GmbH & Co. KG über.

Außerdem betrieb das Unternehmen von Ende der 1940er-Jahre bis 1989 eine Landhandels-Filiale in Kastorf (Kreis Herzogtum Lauenburg), 1954–1994 die Abts- und Lüner-Mühle in Lüneburg sowie 1964–1988 eine Zweigniederlassung in Berlin-Charlottenburg.

Persönlichkeiten

Johannes August Christian Ströh

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Name

Johannes Ströh KG (GmbH & Co.)

Rechtsform

KG

Sitz

Lorentzenstr. 5, 23843 Bad Oldesloe

GPS-Standort

53° 48' 32'' N, 10° 21' 51'' O

Gründungsdatum

Erster Registereintrag 02.06.1902

Leitung

Geschäftsführer Johannes Ströh jun. und Helmut Roland

Literatur

  • Schneider, Hermann: Müllereitradition in fünf Generationen Johannes Ströh Mühlenwerke Bad Oldeloe. Darmstadt, Hoppenstedts Wirtschafts-Archiv 1971, GVK: 39082190X

Weitere Literatur