Joachim Mähl

Der Reinfelder Lehrer und Dichter Joachim Mähl setzte sich nachhaltig für die Aufwertung seiner niederdeutschen Muttersprache ein.

Ausbildung

Mähl besuchte die Dorfschule in Niendorf in der damaligen Herrschaft Pinneberg (heute Stadtteil von Hamburg). Zusätzlich erhielt er privaten Unterricht in Mathematik, Deutsch, Englisch, Französisch sowie Literatur. In Hinblick auf ein mögliches Theologiestudium wurde er außerdem im Lateinischen unterwiesen. Statt des vorgesehenen Werdegangs als Pastor strebte Mähl jedoch den Beruf des Lehrers an. Nach Ende seiner Schulzeit 1843 erwarb er erste Erfahrungen als Hilfslehrer in Stellingen, Altona und in der Hamburger Vorstadt St. Pauli. 1845 begann er seine Ausbildung am Königlichen evangelischen Schullehrer-Seminar zu Segeberg und bestand dort 1848 sein Abschlussexamen mit Auszeichnung.

Beruflicher Werdegang

Am 13.06.1850 erhielt Joachim Mähl seine Ernennung zum Lehrer an der Seminarübungsschule in Segeberg, konnte das Amt jedoch erst nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst am 24.04.1851 antreten. 1854 erlangte er eine Anstellung als Oberlehrer an der Schule (Alte Schule) im Flecken Reinfeld, wo er 35 Jahre lang wirkte. Er fungierte als Rektor, unterrichtete Knaben und während der letzten acht Jahre auch Mädchen. Wegen eines Halsleidens ging der 62-Jährige 1889 in den Ruhestand.

Lebenslauf

Joachim Mähl kam nach einem früh verstorbenen Bruder als zweitgeborener Sohn eines holsteinischen Geestbauern und der Tochter eines Organisten in Niendorf zur Welt. Er wuchs mit zwei Geschwistern auf. Sein Vater, der einen einträglichen Milchhandel nach Hamburg betrieb, starb bereits 1845. Als im März 1848 die Schleswig-Holsteinische Erhebung ausbrach, kämpfte Mähl zunächst als Freiwilliger gegen Dänemark. Nach seinem Lehrerexamen wurde er im Oktober 1848 als Dragoner rekrutiert und nahm bis 1851 erneut an den Feldzügen teil. In der Schlacht bei Idstedt verlor er seinen jüngeren Bruder Christian. Vor Kriegsbeginn hatte Joachim Mähl sich mit Wilhelmine, der Tochter des Segeberger Kantors Hans Delfs, verlobt. Am 24.08.1854 heiratete das Paar. Ihre beiden Söhne wurden ebenfalls Lehrer, der ältere verfasste – wie sein Vater - niederdeutsche Gedichte und Erzählungen. Nach seiner Pensionierung zog Mähl mit seiner Frau zurück in die Stadt Segeberg (Kreis Segeberg), wo er sich weiterhin der niederdeutschen Literatur widmete.

Werk/Aktivitäten

Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit legte Joachim Mähl besonderen Wert darauf, das Niederdeutsche als Ausgangssprache im Unterricht zu nutzen. Er hob dessen Bedeutung für Schüler mit dieser Muttersprache bereits 1858 im Schulblatt für die Herzogtümer Schleswig und Holstein hervor.

Daneben wandte er sich, angeregt durch Klaus Groth und Fritz Reuter, der niederdeutschen Literatur zu und verfasste vier niederdeutsche Dorfgeschichten, die er in der Sammlung „Stückschen ut de Mus‘kist“ (Altona 1868-71) herausbrachte: „Tater Mariekn“ (1868), „Jean“ (1869), „Fanny“ (1869) und schließlich „Lüttj Anna“ (1871). Die Motive entstammen dem bäuerlichen Leben in Holstein. Außerdem spielen darin, wie in vielen seiner kleineren Werke, auch seine Kriegserinnerungen eine wichtige Rolle.

Mähls Texte zu Carl Schildts Zeichnungen in „Holsteinisches Bauernleben“ (1894) stellen Szenen aus dem Alltag der ländlichen Bevölkerung mit deren Arbeit und Festen dar. Daneben veröffentlichte er über Jahre hinweg auch niederdeutsche Predigten.

Mit Übersetzungen machte Mähl seinen Lesern Werke der Weltliteratur in niederdeutscher Sprache zugänglich. Besonders bekannt geworden ist sein „Reineke Voss“ (1878), eine Nachdichtung von Johann Wolfgang von Goethes Versepos „Reineke Fuchs“ (1794). Rochus von Liliencron unterstützte Mähl, indem er dafür die Cotta'sche Verlagsbuchhandlung als Verleger gewann und selbst eine Vorrede schrieb. 1909 erschien Mähls Fassung von Miguel de Cervantes‘ „Don Quixote“. Zudem übertrug er mehrere Kapitel des Alten und des Neuen Testaments der Bibel mit anschaulichen niederdeutschen Wendungen in die Volkssprache.

Bedeutung

Neben Klaus Groth und Fritz Reuter, in deren Nachfolge er steht, sowie Johann Hinrich Fehrs ist es Joachim Mähl zu verdanken, dass das Niederdeutsche zunehmend als Literatursprache Beachtung fand. Mit seinen Erzählungen gewährte er zudem Einblicke in die dörfliche Lebensweise in Holstein um 1850.

Zeitungsartikel zur Aufstellung der Bronzefigur "Reinke Fuchs" vor der Joachim-Mähl-Schule, 1984

Ehrungen und Preise

Sowohl Hamburg-Niendorf als auch die Stadt Reinfeld und die Landeshauptstadt Kiel haben Straßen nach Mähl benannt. Eine Bahnstation der U-Bahnlinie U2 im Hamburger Verkehrsverbund trägt ebenfalls seinen Namen. Der Bildhauer Karlheinz Goedtke schuf eine Bronzeplastik mit dem Titel „Reineke Voss“, die 1983 zu Ehren von Mähl im Hof der nach ihm benannten Schule in Reinfeld aufgestellt wurde. Wilfried Burkhardt, damals Leiter der Joachim-Mähl-Schule, gab 1986 einen Nachdruck des „Reineke Voss“ mit Illustrationen des Ratzeburger Künstlers A. Paul Weber heraus.

Persönlichkeiten

Klaus Groth GND: 118542699
Fritz Reuter GND: 118599976
Johann Hinrich Fehrs GND: 118532235
Rochus von Liliencron GND: 118728245
A. Paul Weber GND: 118643223
Harald Mähl GND: 120098539
Christoph Mähl GND: 116656549

Familienname

Mähl

vollständige Vornamen

Joachim

Geburtsdatum

15.09.1827

Geburtsort

Niendorf (heute Hamburg)

Sterbedatum

04.07.1909

Sterbeort

Kiel

Begräbnisort

Segeberg

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Lehrer, Schriftsteller

Ehe-/Lebenspartner

Wilhelmine Mähl, geb. Delfs (1828-1907)

Kinder

Christoph (1855-1923) und Harald Mähl (1857-1919)

Eltern

Christoffer Mähl (unbekannt-1845) und Anna Magdalena Elisabeth Mähl, geb. Dreyer

Literatur

  • Alberti, Eduard: Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen und Eutinischen Schriftsteller von 1866 - 1882 : im Anschluss an des Verfassers Lexikon von 1829 - 1866. Kiel, Biernatzki 1886, GVK: 137946074
  • Frank, Horst Joachim: Literatur in Schleswig-Holstein. Neumünster, Wachholtz 2004, GVK: 396364314
  • Spiering, Irmgard: Joachim Mähl, ein niederdeutscher Erzähler. Wertheim a. M., Bechstein 1930, GVK: 215525337
  • Burkhardt, Wilfried: Joachim M채hl ein Reinfelder Schulmann und bedeutender niederdeutscher Dichter. Reinfeld, W. Burkhardt 1989, GVK: 118448854

Weitere Literatur