Hugo Groothoff

Der Hamburger Architekt Hugo Groothoff entwarf und baute zahlreiche Sozialbauten, Kirchen und Gemeindehäuser, darunter auch drei Kirchen und eine Kapelle in Stormarn.

Ausbildung

Nach dem Abitur vermutlich an der Bülauschen Privatschule in Hamburg und dem Besuch des Propolytechnikums Pape studierte Groothoff seit 1869 an der Polytechnischen Schule Hannover Architektur u. a. bei Conrad Wilhelm Hase und erlangte 1873 dort den Abschluss.

Beruflicher Werdegang

Ab 1874 arbeitete Groothoff in Frankfurt am Main und Wiesbaden als Bauleiter bei Bauvorhaben namhafter Architekten. Ab 1880 war er Bauleiter für den Neubau der Dreifaltigkeitskirche in Hannover.

1882-1884 betrieb er zusammen mit seinem Studienfreund Hans Grisebach ein eigenes Architekturbüro in Wiesbaden. Nach seiner Rückkehr nach Hamburg unterrichtete er bis 1887 an der Öffentlichen Gewerbeschule und Schule für Bauhandwerker die Fächer Kunstgewerbe und Ornamentik. 1887 gründete er in Hamburg ein eigenes Architekturbüro. Nach ersten Aufträgen für private Bauten machte er sich zunehmend einen Namen als Architekt für Sakralbauten sowie Profanbauten im sozialen Bereich.

Lebenslauf

Hugo Groothoff wurde 1851 als erstes von sechs Kindern einer Kaufmannsfamilie in Hamburg geboren. Aus seiner Heirat 1887 mit Hermine Sophie Köster, Tochter eines Weinhändlers, gingen vier Kinder hervor. Ab 1888 wohnte das Ehepaar in Hamburg-Harvestehude.

Groothoff unternahm zahlreiche Studienfahrten ins Ausland, um Inspirationen für seine Projekte zu sammeln. 1907 bildete eine Reise nach England die Grundlage für den Neubau der ersten deutschlandweiten Bibliothek mit Freihand-Bereich in Hamburg.

Nach seinem Tod 1918 wurde er zunächst auf dem Eppendorfer Friedhof beigesetzt und später in die Familiengrabstätte Köster/Groothoff auf den Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf umgebettet.

Werk/Aktivitäten

Neben einigen Wohnhäusern und Villen plante Groothoff v. a. Einrichtungen im sozialen Bereich, z. B. 1900 das Maria-Magdalenen-Wohnstift in Hamburg-Eilbek, 1904-1906 das Seehospital für Kinder in Sahlenburg (heute Cuxhaven), 1908/09 die öffentliche Zentralbücherei Hamburg und 1912/13 das Asyl für obdachlose Männer in der Hamburg-Neustadt. Auch das 1910/11 errichtete Jugendstil-Gebäude mit Steilgiebel der Stormarnschule in Ahrensburg an der Waldstraße 14 und die Turnhalle stammen von Groothoff.

Ab 1880 baute er vor allem in Hamburg und Schleswig-Holstein insgesamt 23 evangelische Kirchen, z. T. samt Pastorat, sechs Kapellen, eine Synagoge und ein Mausoleum, fast durchgehend im neugotischen Stil.

In der Probstei Stormarn errichtete er 1895/96 die Kirche in Schiffbek (1943 zerstört), die Erlöserkirche in Lohbrügge, dort 1900 auch das Mausoleum für Wilhelm Bergner, 1896 die Kapelle Zum guten Hirten in Tangstedt (1964/65 umgebaut und erweitert) und 1900/01 die Maria-Magdalenen-Kirche in Reinbek.

Tangstedt, Kapelle "Zum guten Hirten" nach dem Umbau 1964/65 (Aufnahme von 1967)

Bedeutung

Zu seiner Zeit war Groothoff ein häufig beauftragter Architekt in Schleswig-Holstein und Hamburg und ein zentraler Vertreter des späten Historismus. Die einst stadtbildprägende Wirkung seiner Bauten ist heute insbesondere durch die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg kaum noch nachzuvollziehen. Hinzu kamen vielfache Veränderungen und Umgestaltungen in den 1950er- bis 1970er-Jahren.

Als Schüler von Conrad Wilhelm Hase stand er in der Tradition der Hannoverschen Schule. Groothoff baute fast ausschließlich in Backstein, entwickelte die Kirchen entsprechend ihren Funktionen von innen heraus und plante sie samt Inneneinrichtung und Ausmalung als Gesamtkunstwerke. Ornamente setzte er jedoch sparsam ein und war anders als Hase offen für Zentralbauten sowie das Prinzip des Kanzelaltars und Gruppenbauten mit Pastorat und Gemeindehäusern.

Groothoff griff mit Vorträgen, Berichten seiner Studien- und Dienstreisen, Kritiken und Artikeln in Fachzeitschriften sowie Gutachtertätigkeiten aktiv in die Diskussion seiner Zeit ein.

Ehrenämter

Groothoff war in verschiedenen Berufsvereinigungen aktiv. Ab 1884 engagierte er sich im Architekten- und Ingenieur-Verein (AIV) Hamburg. Seit 1899 war er Mitglied der von Hase gegründeten Niedersächsischen Bauhütte Zum weißen Blatt, wie auch in der Hamburgischen Tochterhütte von 1896. 1905 gründete er die Hamburger Ortsgruppe des Bundes Deutscher Architekten (BDA). Groothoff war Mitglied der Patriotischen Gesellschaft.

1892-1900 hatte er den Vorsitz im genossenschaftlich organisierten Hamburger Bau- und Sparverein inne. Ab 1901 engagierte er sich im Verein für Vierländer Kunst und Heimatkunde, der sich für die Stärkung der regionalen Baukultur einsetzte. Hieraus ergab sich Groothoffs einziger Pfarrhausbau mit Fachwerkelementen, das Pastorat in Altengamme.

Ehrungen und Preise

Am 19.03.1899 erhielt Hugo Groothoff bei der Einweihung der Erlöserkirche in Lohbrügge den Preußischen Kronenorden für seine Verdienste um den Kirchenbau.

In Hamburg-Winterhude, in der ab 1927 unter Oberbaudirektor Fritz Schumacher errichteten Jarrestadt, ist eine Gasse nach Groothoff benannt.

Besonderheiten

In Familienbesitz haben sich fünf Skizzenbücher mit etwa 200 Zeichnungen erhalten, die Groothoff zwischen Dezember 1876 und August 1878 auf seinen Studienreisen nach Italien und Belgien sowie auf Tagesfahrten ins Rhein-Main-Gebiet anfertigte.

Persönlichkeiten

Hans Grisebach GND: 124637817
Conrad Wilhelm Hase GND: 116511117

Links

Website mit einer Aufstellung seiner Profan- und Sakralbauten: https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Groothoff (Zugriff am 12.05.2020)

Familienname

Groothoff

vollständige Vornamen

Carl Heinrich Hugo

Rufname

Hugo

Geburtsdatum

23.11.1851

Geburtsort

Hamburg

Sterbedatum

30.05.1918

Sterbeort

Hamburg

Begräbnisort

Friedhof Hamburg-Ohlsdorf

Geschlecht

männlich

Berufe

Architekt

Ehe-/Lebenspartner

Hermine Sophie Groothoff, geb. Köster (1865-1945)

Kinder

2 Töchter und 2 Söhne

Eltern

Carl Rudolf Bernhard Groothoff (1824-1898), Auguste Emilie Groothoff, geb. Schultz (1828-1914)

Literatur

  • Behrens, Sabine: Norddeutsche Kirchenbauten des Historismus die Sakralarchitektur Hugo Groothoffs 1851 - 1918. Kiel, Ludwig 2006, GVK: 39258378X
  • Behrens, Sabine: Hugo Groothoff ein Kirchenbaumeister des Historismus in Hamburg und Schleswig-holstein. In: Orientierung: Berichte und Analysen aus der Arbeit der Evangelischen Akademie Nordelbien, Bad Segeberg, , No. 3 (1999), S. 5-24, GVK: 313293597
  • Schreyer, Alf: Kirche in Stormarn Geschichte eines Kirchenkreises und seiner Kirchengemeinden. Hamburg, M+K Hansa-Verl. 1981, GVK: 039813940
  • Gretzschel, Matthias: Hamburgs Bücherhallen eine Jahrhundertgeschichte. Hamburg, Hamburger Öffentliche Bücherhallen 1999, GVK: 303781254
  • Hamburgische Biografie : Personenlexikon. Göttingen, Wallstein-Verlag 2010, GVK: 635028794

Weitere Literatur