Höltigbaum

Der Höltigbaum ist eine durch eiszeitliche Gletscher geprägte Landschaft. Er bildet heute ein im westlichen Teil von Stormarn und im östlichen Hamburg gelegenes länderübergreifendes Naturschutzgebiet.

Lage

Das Naturschutzgebiet Höltigbaum gehört zum Stadtteil Rahlstedt im nordöstlichen Hamburger Bezirk Wandsbek. Der zu Stormarn zählende schleswig-holsteinische Teil liegt direkt östlich angrenzend in der zum Amt Siek gehörenden Gemeinde Stapelfeld. Eingefasst wird das Naturschutzgebiet durch die Alte Landstraße, die Landesstraße 222, die Sieker Landstraße und die Straße Höltigbaum im Süden und den Ahrensburger Weg im Osten. Im Norden wird das Gebiet durch eine Linie zwischen diesem und der Meiendorfer Straße begrenzt. Letztere bildet ohne die östlich von ihr gelegene Bebauung zugleich die westliche Grenze.

Eröffnung der Sondernutzungsfläche im Naturschutzgebiet Höltigbaum durch den schleswig-holsteinischen Umweltminister Rainder Steenblock, 05.09.1999

Geschichte

Seit der letzten Eiszeit hat sich im Höltigbaum aus einem vegetationslosen, hügeligen und von feuchten Niederungen durchzogenen Gebiet eine vielgestaltige offene Graslandschaft entwickelt. Die im Mittelalter nur eingeschränkte landwirtschaftliche Nutzung erfuhr im 18. Jahrhundert eine planmäßige Erweiterung durch die Einteilung in Feldparzellen sowie die Anlage von Knicks und Baumreihen. Gleichzeitig wurde hier an der Landstraße zwischen Hamburg und Lübeck eine Zollstelle eingerichtet. Daraus leitet sich der Begriff Höltigbaum ab, der dem Niederdeutschen entstammt und Halte- oder Schlagbaum bedeutet.

Im 20. Jahrhundert wurde der Höltigbaum militärisch genutzt. 1937 erfolgte die Einrichtung eines Exerzierplatzes durch die Wehrmacht. 1940-1945 wurden auf den ebenfalls angelegten Schießplätzen mindestens 330 Menschen nach Urteilen Hamburger Kriegsgerichte hingerichtet. Das Gelände war 1958-1995 Standortübungsplatz der Bundeswehr. Die militärischen Aktivitäten haben sich im Landschaftsbild niedergeschlagen. Erhalten geblieben sind beispielsweise Spuren von Gefechtsübungen, Anpflanzungen von Farnen und Fichten sowie Panzerstraßen, Gefechtshügel und ein Hubschrauberlandeplatz.

Auf Stormarner Seite wurden die Flächen nach Ankauf durch die Bundesrepublik Deutschland, das Amt Siek, den Kreis Stormarn und die Stadt Ahrensburg per Verordnung vom 15.12.1997, auf Hamburger Seite per Verordnung vom 26.05.1998 als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Flora und Fauna

Die strukturreiche Landschaft des Höltigbaums wird von weitläufigen Grasflächen und Sandheiden, Knicks, auffälligen solitär stehenden Stieleichen, Zitterpappeln, Kopfweiden und Erlen, kleinen Waldarealen sowie Tälern mit zeitweise ausgetrockneten Wasserläufen geprägt.

Neben zahlreichen Amphibien, Reptilien, Libellen, einigen Schwebfliegen- und Wespenarten ragt das Vorkommen des Kammmolches hervor. Außerdem stellt das Gelände ein ideales Brutbiotop für die Feldlerche, die Goldammer und den Wanderfalken sowie ein geeignetes Habitat für den Neuntöter dar.

Ökologische Bedeutung

Die extensiv beweidete Offenlandschaft mit Grasflächen, Trockenrasen, verstreuten Gebüschen und Pionierwaldarealen beherbergt eine Vielzahl an spezialisierten Tier- und Pflanzenarten. Das Gebiet ist nach der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geschützt.

Nutzung

Seit 2000 erschließen zahlreiche Wanderwege das weiträumige Areal. Halboffene Weideflächen ermöglichen extensive Haltung von Rindern, Schafen und Ziegen zur Landschaftspflege. Unter anderem erfolgt eine umfassende Beweidung nach der Methode der Halboffenen Weidelandschaft durch robuste Nutztierrassen wie Galloway. Die Rinderzucht dient außerdem der Vermarktung von ökologisch erzeugten landwirtschaftlichen Produkten. Seit 2008 existiert zur Information der Öffentlichkeit das Haus der Wilden Weiden.

Besonderheiten

Eine 2003 auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Höltigbaum angebrachte Gedenktafel erinnert an die im Zweiten Weltkrieg begangenen Verbrechen.

Mit dem 1994 errichteten und 2017 umgebauten Rundfunksender Hamburg-Rahlstedt befindet sich ein 250 Meter hoher Sendemast auf dem Gelände des Höltigbaums. Die nicht öffentlich zugängliche Einrichtung der Deutschen Funkturm GmbH sendet Radioprogramme in Ultrakurzwelle (UKW) und Programme für digitales Fernsehen (DVB-T).

Datierung Schutzstellung

15.12.1997

Begründung Schutzstellung

Der Höltigbaum stellt einen vielfältigen Naturraum dar. Basierend auf einer charakteristisch weichseleiszeitlichen Grundmoräne sowie einem Schmelzwasserabflusstal, bietet er einer bedeutenden Pflanzen- und Tierwelt eine Heimat. Als erhaltenswert gilt die Natur dieses Gebiet in ihrer Gesamtheit. Darunter fallen die seltenen Pflanzen- und Tierarten, die Heide- und Trockenrasenflächen, vielgestaltigen Stillgewässer, der naturnahe Waldbestand sowie die Beschaffenheit als strukturreiches Geotop.

Links

Website zur Geschichte des Naturschutzgebietes: www.hoeltigbaum.de/naturschutzgebiet/geschichte/ (Zugriff am 05.01.2019)

Website zur Nutzung als Hinrichtungsstätte während der NS-Diktatur: www.gedenkstaetten-in-hamburg.de/gedenkstaetten/gedenkort/gedenktafel-schiessplatz-hoeltigbaum/ (Zugriff am 16.01.2019)

Informationen auf der Website des Amtes Siek: www.amtsiek.de/portal/seiten/hoeltigbaum-900000038-24650.html (Zugriff am 06.01.2019)

14 400
Höltigbaum local_florist 53.6190180000 10.2112400000

GPS-Standort

53° 37' 8'' N, 10° 12' 40'' O

Größe

5,48 km2

Literatur

  • Mesch, Oliver: Höltigbaum ein Streifzug durch Geschichte und Gegenwart. In: Jahrbuch für den Kreis Stormarn ..., Großhansdorf: ProFunda-Verl, Band 27 (2009), S. 98-102, GVK: 587544201
  • Hellwig, Jan: 15 Jahre Halboffene Weidelandschaft Naturschutz und Umweltbildung auf dem Höltigbaum. In: Jahrbuch für den Kreis Stormarn, Ahrensburg: M + K Hansa-Verl., Band 34 (2016), S. 134-143, GVK: 841189560
  • Wiegen, Sebastian von: Von Bächen, Bunkern und Besenheide Geschichtsspuren von Natur und Mensch auf dem Höltigbaum. In: Jahrbuch für den Kreis Stormarn ..., Großhansdorf: ProFunda-Verl, Band 32 (2014), S. 140-146, GVK: 783115466
  • Naturschutzgebiet Höltigbaum. Hamburg, Umweltbehörde, Naturschutzamt 1999, GVK: 338559744

Weitere Literatur