Herrenhaus Tremsbüttel

Das Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Herrenhaus dominiert mit seiner Architektur die weitläufige Zufahrt im Westen wie auch den im Osten angelegten landschaftlichen Gutspark.

Gartenfassade, 1998

Außenarchitektur

Das Herrenhaus zeigt sich als Gruppenbau mit vor- und rückspringenden Elementen wie Erkern und Treppentürmen. Der zweigeschossige Ziegelbau auf dem hohen Souterraingeschoss verfügt über eine hell verputzte Fassade und ein steiles Walmdach.

Über dem im Nordwesten liegenden Eingang mit seinem eingeschossigen Vorbau erhebt sich ein viergeschossiger rechteckiger Turm mit Treppenerker, umlaufender Galerie und steilem Walmdach-Helm.

Zwei Seitenflügel mit geschweiften Giebeln flankieren den Turm. Auf der Gartenseite liegen ein Söller sowie an der Nordostecke ein halbrunder verglaster Wintergarten. Zwischen den Seitenflügeln befindet sich mittig eine vorgezogene Terrasse.

ehemaliger Musiksalon, o.J.

Innenarchitektur

Auf der Ostseite des Erdgeschosses liegen die repräsentativen Gesellschafts- und Wohnräume, das Damenzimmer mit vorgelagertem Gewächshaus, der spätbarock-klassizistisch gestaltete Musiksalon mit reichen Deckenstuckaturen, der Salon und das große Esszimmer. Dieses verfügt über Wandvertäfelungen und -malereien, eine Holzbalkendecke, einen offenen Kamin, Bleiglasfenster sowie einen gewölbten Sitzerker. Im Hotelbetrieb wurde das Jagdzimmer als Pianobar genutzt, später als offizielles Trauzimmer der Gemeinde Tremsbüttel.

Aus der zweigeschossigen, gewölbten Eingangshalle führt die geschnitzte, zweiläufige Haupttreppe ins Obergeschoss, das über eine Galerie erschlossen wird. Früher lagen hier die Schlafräume sowie Kinder- und Gästezimmer, die heutigen Hotelzimmer und -suiten. Auf einem Pfosten des Geländers der Haupttreppe nimmt eine holzgeschnitzte Hasenfigur Bezug auf den Bauherrn Alfred Hasenclever.

Im Souterrain lagen ursprünglich die Küche und die Zimmer der Dienstmädchen. Im Dachgeschoss gab es einen Turnsaal für die Kinder der Gutsbesitzerfamilie.

Materialien

Der Sockel des verputzten Ziegelbaus ist mit Granit verkleidet. Baudekor und Fensterrahmen sind aus Sandstein gefertigt, die Dächer mit Schiefer gedeckt.

Werbung für das „Schloßhotel Tremsbüttel“, o.J.

Geschichte

Ab 1893 ließ der Gutsbesitzer, der Remscheider Unternehmer Alfred Hasenclever, unmittelbar östlich des um 1780 erbauten und 1894 abgerissenen früheren Herrenhauses einen neuen Bau errichten. Den Entwurf lieferten der Berliner Architekt Hans Grisebach und dessen Partner August Georg Dinklage. Bei der Fertigstellung 1895 verfügte das Haus bereits über Elektrizität.

Im Ersten Weltkrieg stellte die Witwe Olga Hasenclever das Herrenhaus als Hilfslazarett zur Verfügung. Aus finanziellen Gründen richtete sie 1929 dort eine Pension für alleinstehende Damen ein. Im Sommer 1939 musste sie das Haus in renovierungsbedürftigem Zustand an den Kaufmann Jonny Oellerich verkaufen.

Nach den Bombardierungen Hamburgs im Juli und August 1943 wurden im Herrenhaus Butenhamburger untergebracht, 1945 diente es dem britischen Oberkommando als Hauptquartier. Im Sommer 1946 richtete das Evangelische Hilfswerk dort für ca. drei Jahre ein Erholungsheim ein. 1947/48 nutzte der Ministerpräsident Schleswig-Holsteins Theodor Steltzer das Haus für die "Tremsbüttler Gespräche".

Am 23.09.1949 eröffnete die Familie Oellerich nach Umbauten im Herrenhaus ein Luxushotel. 1950 wurde zum Schlosspark hin eine große Terrasse angelegt. 1958 kaufte der Hamburger Fabrikant Siegfried Zimmermann zum 01.03.1959 das Hotel und baute es weiter aus. Prominente Gäste waren etwa Sophia Loren, Leonard Bernstein, Klaus Kinski sowie die Beatles und die Rolling Stones. Mehrfach fanden Dreharbeiten, Preisverleihungen und vertrauliche Gespräche zwischen den Landesregierungen Hamburgs und Schleswig-Holsteins im Haus statt.

Nach der Hotelschließung 1986 erwarb Juni 1989 die AM-Unternehmensgruppe mit Walter Schleicher das Haus. Nach Renovierungsmaßnahmen unter dem Norderstedter Architekten Otto Voß sollte es als Firmenhauptsitz und Wohnhaus dienen. Im Zuge der Sanierung, die sich am Originalzustand orientierte, erhielten u. a. der Speisesaal und das Vestibül ihre ursprüngliche Bemalung.

1993 beschlagnahmte der Fiskus das Grundstück samt Herrenhaus, Hofanlage und Park. Nach längerem Leerstand übernahm zum 01.06.1996 der Hamburger Pharma-Unternehmer Detlef Strathmann das Anwesen und eröffnete es nach Fortführung der Restaurierungsmaßnahmen als Schulungszentrum für seine Firma mit Hotel und Restaurant. Ab 2001 führte seine Witwe Silke Strathmann das Hotel weiter.

Bedeutung

Der Bau mit seiner Verbindung von Neorenaissance- und Jugendstilelementen ein bedeutendes Beispiel des späten Historismus in Schleswig-Holstein.

Nutzung

Eine zukünftige Nutzung ist nach der Schließung des Hotelbetriebs Mitte 2020 noch offen.

Erhaltungszustand

Das Herrenhaus befindet sich in gutem Zustand.

Verleihung des „Goldenen Bildschirms“, 1973

Besonderheiten

Das Herrenhaus war seit den 1950er-Jahren wiederholt Drehort und Kulisse für Film- und Fernsehproduktionen. Auch Medien-Preise wie der „Goldene Bildschirm“, die „Goldene Kamera“ oder der „Bambi“ wurden hier verliehen.

Persönlichkeiten

Alfred Bernhard Friedrich Hasenclever
Hans Grisebach GND: 124637817
August Georg Dinklage GND: 132343673
Siegfried Zimmermann
Detlef Strathmann GND:1145544630

Datierung Schutzstellung

17.07.1984

Begründung Schutzstellung

Das Herrenhaus samt Landschaftspark ist aus geschichtlichen, künstlerischen und die Kulturlandschaft prägenden Gründen erhaltenswert.

Links

Website des Hotels mit 360°-Rundgang durch Erdgeschoss und Zimmer: www.tremsbuettel.de/fileadmin/media/gradansicht/360_Schloss_Tremsbuettel/index.html (Zugriff am 15.09.2020)

14 400
Herrenhaus Tremsbüttel business 53.7439310000 10.3130360000

Ort

Schloßstr. 10

22967 Tremsbüttel

GPS-Standort

53° 44' 38'' N, 10° 18' 46'' O

Auftraggeber

Alfred Hasenclever

Planer/Architekt

Hans Grisebach, Georg August Dinklage

Errichtungsdatum

1893-1895

Strukturansicht

Literatur

  • Kromrei, Claudia: Hans Grisebach ein Architekt und sein Werk. Salenstein, niggli 2020, DNB: 1195884486
  • Träbing-Butzmann, Sylvia: Tremsbüttel lebendige Geschichte eines Stormarner Dorfes. Husum, Husum-Dr.- und Verl.-Ges. 1991, GVK: 118576100
  • Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Südholstein e. Handbuch. Würzburg, Weidlich , GVK: 040136426
  • Rösner, Dagmar: Das adelige Gut Tremsbüttel Baugeschichte und Baugestalt. GVK: 043118321
  • Lafrenz, Deert: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg, Imhof 2015, GVK: 776670891

Weitere Literatur