Herrenhaus Tralau

Das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Herrenhaus vereint in seiner äußeren Form Elemente einer mittelalterlichen Burg mit denen einer großstädtischen Villa.

Giebelfront mit Turm, Ansicht von Süden, 1980

Außenarchitektur

Das Herrenhaus ist ein zweigeschossiger, asymmetrischer Putzbau unter einem mit Ziegeln gedeckten Satteldach. Der leicht ausmittig in der Eingangsfront stehende mehrgeschossige Turm besitzt über dem dritten, hier achteckigen Geschoss eine umlaufende Balustrade. Die beiden weiteren runden Geschosse werden durch eine welsche Haube mit kleiner Laterne und schlanker, kupferner Spitze gekrönt. Auf der Hofseite des Turms ist ein großes Lilienwappen samt der Zahl 1894, dem Jahr der Errichtung, angebracht.

Am rechten Seitentrakt findet sich ein Schweifgiebel in Spätrenaissanceformen. Die Kreuzstockfenster sind mit Segmentbögen überfangen. Der überdeckte Haupteingang mit seiner Freitreppe schließt links an den Turm an.

Das Herrenhaus ist auf der Nordseite von einem Gutspark im landschaftlichen Stil mit altem Baumbestand, einem größeren Teich und einem großen hochmittelalterlichen Burghügel umgeben.

Innenarchitektur

Von der Eingangshalle mit ihrem gemauerten Kamin führt eine hölzerne Treppe in das Obergeschoss und den Turm. Im Erdgeschoss liegt ein großer Saal mit Parkettboden, geschnitzter Decke und Holzpaneelen sowie Vertäfelungen. Weitere Räume zeigen bauzeitliche Ausstattungen und neobarocke Stuckdecken. Auch Räume im Obergeschoss besitzen sichtbare Holzbalkendecken.

Materialien

Das Gebäude wurde als verputzter Mauerbau mit seriell hergestellten Sandsteinelementen errichtet.

Postkarte mit Gebäudeansicht, auf der Dachgauben zu sehen sind, o.J.

Geschichte

Am 06.01.1893 zerstörte ein bei Reparaturarbeiten ausgelöster Brand das leerstehende, 1810/11 erbaute vorherige Herrenhaus. Daraufhin ließ der damalige neue Gutsbesitzer Alexander Jenisch auf den alten Grundmauern einen Neubau errichten, der 1894 fertig gestellt war.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Haus im gleichen Stil nach Osten um zwei, im Obergeschoss um drei Fensterachsen erweitert und ein weiterer Turm mit Spitzhelm auf der Gartenseite angebaut. Nach mehreren Besitzerwechseln kaufte der Kunstmaler Otto von Korff genannt Schmising-Kerssenbrock 1932 Gut und Herrenhaus .

Am Ende des Zweiten Weltkriegs war das Haus mit Butenhamburgern und Flüchtlingen belegt. 1946 richtete das Britische Rote Kreuz ein Erholungsheim für deutsche Kinder ein. 1972 verpachtete die Familie von Kerssenbrock das Herrenhaus an die Betreiberin eines Altenheims. Sie selbst wohnt seit der Nachkriegszeit in dem ausgebauten ehemaligen Verwalterhaus.

Nach erneutem Besitzerwechsel 1992 ließ das Ehepaar Winkler das Herrenhaus ab 1995 mit Hilfe des Kieler Architekten Horst Krug sanieren, unter Aufgabe der östlichen Erweiterung und der Spitze des seitlichen Turms sowie des Dachausbaus, der großen Dachgauben und einiger Schornsteinköpfe. Inzwischen folgten zwei weitere Besitzerwechsel.

Bedeutung

In der Kombination von Bau- und Stilelementen von Burg und Villa, aus Romanik, Gotik, Spätrenaissance, mit Anleihen an Barock und Jugendstil ist das Herrenhaus ein auffälliges Beispiel der Architektur des Historismus und Eklektizismus am Ende des 19. Jahrhunderts.

Nutzung

Das Herrenhaus wird als privates Wohnhaus genutzt.

Ansicht von Südosten mit noch erhaltenem Ostflügel, 1957

Erhaltungszustand

Das Herrenhaus befindet sich nach Sanierungsmaßnahmen in gutem Zustand.

Besonderheiten

2017 fanden im Herrenhaus Dreharbeiten zu dem Film „The Aftermath“ statt, der in Deutschland im Kino unter dem Titel „Niemandsland – The Aftermath“ gezeigt wurde.

Persönlichkeiten

Alexander Jenisch
Otto von Kerssenbrock
Horst Krug

Datierung Schutzstellung

05.07.1986

Begründung Schutzstellung

Das Herrenhaus ist aus geschichtlichen, wissenschaftlichen und künstlerischen Gründen erhaltenswert.

Links

Artikel der Lübecker Nachrichten zum Herrenhaus Tralau aus dem Jahr 2004: https://www.kreis-stormarn.de/freizeit-und-tourismus/herrenhaeuser/tralau.html (Zugriff am 17.06.2020)

Website der Eigentümerfamilie mit vielen Fotos aus dem Inneren des Herrenhauses: www.tralau.net (Zugriff am 08.08.2020)

14 400
Herrenhaus Tralau business 53.8379990000 10.3049190000

Ort

Gutsweg 5

23843 Travenbrück-Tralau

GPS-Standort

53° 50' 16'' N, 10° 18' 17'' O

Auftraggeber

Alexander Jenisch

Errichtungsdatum

1893/94

Abrissdatum

1997: Ostflügel und Turmspitze auf der Rückseite

Literatur

  • Lafrenz, Deert: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg, Imhof 2015, GVK: 776670891
  • Behrens, Helmut: Die Sanierung des Herrenhauses Tralau. Heide, Westholst. Verl.-Anst. 1998, In: (1998), S. 52-55, GVK: 892103825
  • Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Südholstein e. Handbuch. Würzburg, Weidlich , GVK: 040136426
  • Jacobs, Joachim: Der Gutspark von Tralau eine Bestandsaufnahme. In: Denkmalpflege im Kreis Stormarn, Neumünster: Wachholtz, (1997), S. 106-115, GVK: 1004517041

Weitere Literatur