Herrenhaus Fresenburg

Das 1791 durch Christian Frederik Hansen erbaute Herrenhaus ist eines der frühesten Beispiele klassizistischer Gutshausarchitektur im Norden.

Außenarchitektur

Das Herrenhaus ist ein zweigeschossiger verputzter und unterkellerter Ziegelbau auf winkelförmigem Grundriss unter einem Walmdach. Die nach Osten gerichtete Hoffront besitzt einen mittigen, mit Gebälk eingefassten und über eine kurze granitene Freitreppe erreichbaren Eingang. Zu beiden Seiten befinden sich je drei Fensterachsen sowie knapp vorgezogene, einachsige Seitenrisalite mit übergiebelten Fenstern im Erdgeschoss. Die sieben schlichten Fenster im reduzierten Obergeschoss sind mit einem durchlaufenden Sohlbankgesims verbunden.

Im Norden und Westen umgeben die Reste eines etliche Meter tiefer gelegenen, wohl mittelalterlichen Hausgrabens das Herrenhaus. Im Osten schließen, getrennt durch einen Rasenstreifen mit zwei Eichen, die ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Gutshofes an.

Innenarchitektur

Auf den Eingang folgt ein breites Vestibül, dessen Stuck und Farbfassung restauriert und ergänzt sind. Dahinter liegt im inneren Winkel die zweiläufige Haupttreppe. Die südlich anschließenden zwei Räume führen in den quer liegenden, hohen Saal. Dessen Wände sind paarweise mit flachen, kannelierten ionischen Pilastern gegliedert, mittig in der inneren Längswand sitzt eine Ofennische. Die Decke mit einer ovalen Rosette sowie die Supraporten zeigen ebenfalls vielteilige Stuckornamente. Gemäß dem Originalzustand ist der Saal in weiß, grau und altrosa gestrichen.

Weitere Räume weisen bauzeitlichen Stuck mit schlankem Rankenwerk oder Reste von Ausmalungen auf.

Ansichtskarte, 1904

Geschichte

Im Kellergeschoss haben sich Reste eines vermutlichen Vorgängerbaus erhalten. 1790 gab der Gutsbesitzer Hugo von Buchwald nach der Einrichtung eines landwirtschaftlichen Musterbetriebs den Neubau bei dem holsteinischen Landbaumeister C. F. Hansen in Auftrag. Seit 1834 besaß die Hamburger Kaufmannsfamilie Jenisch neben dem Gut Blumendorf das Gut Fresenburg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Herrenhaus mit Flüchtlingen belegt, die Schäden konnten 1965/66 mit einer durchgreifenden Sanierung behoben werden. Bei einer weiteren Sanierung 1977/78 wurden Reste einer bauzeitlichen Dekoration mit Ranken und Palmetten sowie Holzkassettenverkleidungen entdeckt. Nach längerem Leerstand nutzte ab 1979 eine Schule für Wirtschafts- und Betriebssicherheit das Herrenhaus. Mitte der 1980er-Jahre mietete es eine Firma für Medizintechnik, kurz nach 2000 eine Firma für Möbelimporte aus Übersee.

2016 erwarb die Gut Altfresenburg GmbH & Co. KG von Astrid Kühl und Martin Reitzig das Haus zusammen mit großen Teilen der Wirtschaftshofes. Seither findet eine Sanierung unter Tilgung der meisten späteren Umbauten und weitgehender Zurückführung auf den bauzeitlichen Zustand statt. Anschließend soll es als Seminar- und Bürogebäude genutzt werden. 2019 konnte die Eingangshalle (Vestibül) restauriert werden. 2020 wurde der um 1910 veränderte Zustand der Haupttreppe rekonstruiert.

Bedeutung

Fresenburg ist das erste von C. F. Hansen 1790/91 erbaute klassizistische Herrenhaus in Schleswig-Holstein.

Nutzung

Das Herrenhaus soll nach Abschluss seiner Restaurierung als Seminarzentrum des Vereins KulturGut Altfresenburg e. V. genutzt werden sowie für private Büroräume.

Besonderheiten

Originalpläne mit Grundrissen und Ansichten von Hansen sind in der Kunstakademie in Kopenhagen erhalten.

2014 fanden im Herrenhaus die Dreharbeiten für den Film „Honig im Kopf“ mit dem Schauspieler und Filmregisseur Til Schweiger statt und 2018 für das US-amerikanische Remake „Head full of honey“.

Persönlichkeiten

Christian Frederik Hansen GND: 11854571X
Hugo von Buchwald GND: 116827203
Til Schweiger GND: 119525348

Datierung Schutzstellung

05.04.1967

Begründung Schutzstellung

Das Herrenhaus ist aus geschichtlichen, wissenschaftlichen, künstlerischen sowie die Kulturlandschaft prägenden Gründen erhaltenswert.

Links

Artikel der Lübecker Nachrichten zum Herrenhaus Fresenburg aus dem Jahr 2004: https://www.kreis-stormarn.de/freizeit-und-tourismus/herrenhaeuser/altfresenburg.html (Zugriff am 17.06.2020)

Zwei Entwurfszeichnungen des Herrenhauses: http://www.kunstbib.dk/samlinger/arkitekturtegninger/vaerker/000015588 (Zugriff am 26.06.2020)

14 400
Herrenhaus Fresenburg business 53.8219480000 10.3578540000

Ort

Altfresenburg 11

23843 Bad Oldesloe

GPS-Standort

53° 49' 19'' N, 10° 21' 28'' O

Auftraggeber

Hugo von Buchwald

Planer/Architekt

Christian Frederik Hansen

Errichtungsdatum

1790/91

Literatur

  • C. F. Hansen. München [u.a.], Dt. Kunstverl. u.a. , GVK: 302007199
  • Lafrenz, Deert: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg, Imhof 2015, GVK: 776670891
  • Hennigs, Burkhard von: Herrenhaus Altfresenburg. In: Denkmalpflege im Kreis Stormarn, Neumünster: Wachholtz, (1983), S. 123-128, GVK: 1003390560
  • Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Südholstein e. Handbuch. Würzburg, Weidlich , GVK: 040136426
  • Roland, Thomas: Der Architekt C. F. Hansen in Deutschland und Dänemark ein illustrierter Führer. Frederiksberg, Frydenlund 2010, GVK: 654902232

Weitere Literatur