Henning Heidtrieder

Heidtrieder war ein norddeutscher Bildhauer und Baumeister der Zeit um 1600.

Ausbildung

Henning Heidtrieder absolvierte seine Ausbildung zum Steinbildhauer in Hamburg oder Niedersachsen.

Beruflicher Werdegang

Ab 1611 war Heidtrieder als Meister in Kiel und Husum tätig. Im Winter 1612/13 hatte er seine Werkstatt im Kieler Schloss und fertigte für Johann Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf Sandstein- und Alabasterarbeiten. Zudem war er an weiteren Ausstattungen für herzogliche Bauten in Husum und Kiel beteiligt.

1618-1626 arbeitete er in Hamburg als Baumeister und Bildhauer. Bis 1631 war Heidtrieder in Lübeck tätig und schließlich 1637-1641 wieder in Hamburg.

Lebenslauf

Heidtrieder ließ sich 1618 in Hamburg nieder, wo er im gleichen Jahr einen Sohn und 1621 sowie 1622 zwei Töchter taufen lies. Am 28.04.1620 erhielt er das dortige Bürgerrecht und kaufte im gleichen Jahr ein Haus.

Von Hamburg ging Heidtrieder nach Lübeck, wo er am 18.04.1626 ebenfalls das Bürgerrecht und 1628 ein Haus erwarb. 1637/38 kehrte er nach Hamburg zurück, wo 1637 und 1640 weitere zwei Kinder getauft wurden. 1641 oder kurze Zeit später starb Heidtrieder in Hamburg. 1654 ist in den Urkunden von seinen Erben die Rede.

zwei Skulpturen von Evangelisten in der Peter-Paul-Kirche in Bad Oldesloe, 1975

Werk/Aktivitäten

Als Baumeister errichtete Heidtrieder das Hamburger Dammtor mit vorgelagerter Steinbrücke (1817 abgerissen).

Am Husumer Torhaus war er sowohl als Baumeister als auch als Bildhauer tätig. Seine bildhauerischen Fähigkeiten beweisen die vier noch erhaltenen, reich verzierten Kamine für das Husumer Schloss, Witwensitz von Augusta von Schleswig-Holstein-Gottorf. Für die Peter-Paul-Kirche in Oldesloe lieferte Heidtrieder 1634 einen hölzernen Altar. Er zeigt das Leben und Martyrium Christi und gilt als einer der ältesten nachmittelalterlichen Schnitzaltäre Schleswig-Holsteins. Erhalten sind die Figuren der vier Evangelisten, jeweils sechs Reliefs der beiden Flügel, das Abendmahlsrelief der Predella sowie der Christuskopf der Kreuzigungsgruppe. Diese Teile wurden im Zuge der jüngsten Restaurierung der Kirche in den Chor integriert. Die Reliefs mit der Auferstehung und der Himmelfahrt befinden sich seit 1982 in der Auferstehungskapelle auf dem Friedhof Bad Oldesloe.

Er schuf für den Hauptaltar der Hamburger St. Katharinenkirche 1638-1640 mehrere Alabastertafeln. Dieser wurde Ende des 18. Jahrhunderts zunächst renoviert und 1857 schließlich abgebrochen. Die Figuren von zwei Evangelisten befinden sich heute im Museum für Hamburgische Geschichte.

Bedeutung

Heidtrieders Werk vereint zeitgenössische niederländische und italienische Tendenzen zum eklektischen Manierismus als Übergang von der Spätrenaissance zum Barock.

Persönlichkeiten

Johann Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf GND: 102032491
Augusta von Schleswig-Holstein-Gottorf GND: 12112357X

Familienname

Heidtrieder

alternative Schreibweisen Familienname

Heidtrid(d)er, Heidrider, Heidtre(i)ter

vollständige Vornamen

Henning

Rufname

Henni

Geburtsdatum

um 1580

Sterbedatum

1641 oder wenig später

Sterbeort

Hamburg

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Bildhauer, Baumeister

Kinder

drei Söhne und drei Töchter

Strukturansicht

Literatur

  • Hamburgische Biografie : Personenlexikon. Göttingen, Wallstein-Verlag 2012, GVK: 726594970
  • Bethe, Hellmuth: Henni Heidtrider ein norddeutscher Bildhauer des 17. Jahrhunderts. In: Nordelbingen: Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte Schleswig-Holsteins, Heide, Holstein: Boyens, Band 8 (1930/31), S. 184-223, GVK: 511082304
  • Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Leipzig, Seemann 1923, GVK: 028165470
  • Neue deutsche Biographie. Berlin, Duncker & Humblot 1969, GVK: 726594970

Weitere Literatur