Heinrich Sahrhage

Der Pädagoge Heinrich Sahrhage war Initiator und Leiter des Schullandheims in Hoisdorf.

Ausbildung

Heinrich Sahrhage legte an der Oberrealschule Hamburg-St. Georg am 23.09.1911 seine Reifeprüfung ab. Anschließend studierte er an der Universität Kiel Naturwissenschaften und wurde am 13.11.1915 mit der Studie „Über Bodenprotozoen der Kieler Bucht“ promoviert. Mit der am 03.12.1915 absolvierten Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen erhielt er die Lehrberechtigung u. a. für Zoologie, Botanik und Chemie.

Beruflicher Werdegang

Am 01.04.1916 begann Heinrich Sahrhage an der Hamburger Oberrealschule vor dem Holstentor (heute Albrecht-Thaer-Gymnasium) sein Anleitungs- und Probejahr. Am 01.06.1923 wurde er dort zum Oberlehrer, am 30.01.1944 zum Oberstudienrat befördert. Unter der nationalsozialistischen Diktatur wirkte er darüber hinaus als Hamburger Gausachbearbeiter für Schullandheime. 1943 wurde er vom Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung zum staatlichen Schulbeauftragten der Kinderlandverschickung für den Gau Hamburg ernannt. Im Rahmen des Entnazifierungsverfahrens erfolgte 1947 eine – allerdings nur vorübergehende – Degradierung zum Studienrat. Sahrhage blieb bis zu seiner Pensionierung 1957 an seiner bisherigen Schule im Hamburger Staatsdienst.

Lebenslauf

Heinrich Sahrhage wurde in einer protestantischen Hamburger Kaufmannsfamilie als zweiter von drei Söhnen geboren. Während seiner Ausbildung wurde er am 11.07.1916 für den Kriegsdienst reklamiert. Weil die Hamburger Schulbehörde Einspruch einlegte, blieb er bis Kriegsende von Einsätzen befreit. Am 20.07.1918 heiratete Sahrhage in Wandsbek (heute Hamburg-Wandsbek) Elli Frieda Wilhelmine Rowoldt. Aus der Ehe ging am 21.06.1926 der als Fischereiwissenschaftler bekannt gewordene Sohn Dietrich hervor. 1918 trat Sahrhage der Deutschen Demokratischen Partei bei (DDP, ab 1930 Deutsche Staatspartei), deren Mitglied er bis 1933 blieb. Am 01.05.1933 schloss er sich dem Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB), am 01.05.1937 der NSDAP an.

Werk/Aktivitäten

Unter Einfluss von Reformpädagogik und Jugendbewegung setzte sich Heinrich Sahrhage nach dem Ersten Weltkrieg für schulisches Lernen im Freien ein. Dies geschah zunächst durch einzelne Wandertage sowie mehrtägige Fahrten zu Zielen in Norddeutschland. Auf Sahrhages Initiative wurde am 25.01.1921 der Verein Schulheim Oberrealschule Holstentor e. V. gegründet, dessen Vorsitz er übernahm. Der Verein beschloss am 28.02.1922, zu diesem Zweck in Hoisdorf einen historischen Bauernhof zu erwerben. Sahrhage übernahm die Leitung des Heimes, das zu den frühesten Einrichtungen seiner Art in Deutschland zählt.

Er wurde in der Folge – neben Rudolf Nicolai – zum wichtigsten Vertreter der deutschen Schullandheimbewegung. Zugleich warb er auch international durch Aufsätze und Vorträge für die Bewegung. Zu Sahrhages Vorstandsarbeit in dem am 01.10.1925 gegründeten Reichsbund der deutschen Schullandheime e. V. zählte u. a. die Pressearbeit, er gab auch das Mitteilungsblatt des Verbandes heraus.

Nach Beginn der NS-Diktatur stellte sich Sahrhage – wie auch der Reichsbund insgesamt – rasch auf die neuen Machtverhältnisse ein. Beim Schullandheim, das nun ebenso wie die Schule vom nationalsozialistischen Pädagogen und SA-Mitglied Bruno Peyn geführt wurde, wirkte er ab 1933 als Geschäftsführer. 1940 wurde Sahrhage engster Mitarbeiter des Hamburger Landessschulrats Wilhelm Schulz, der gleichzeitig Führer des NSLB in der Hansestadt war. Ab Herbst 1940 betrieb Sahrhage in Zusammenarbeit mit der Schulbehörde, dem NSLB und der Hitlerjugend die kriegsbedingte, erweiterte Kinderlandverschickung. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und in den Folgejahren organisierte er die Rückholaktionen von Kindern und Lehrern.

Nach 1945 engagierte sich der Pädagoge in Zusammenarbeit mit der Hamburger Schulbehörde für die Wiedereinrichtung der Schullandheime. Auch leitete er die Hamburger Sommerferien-Aktion, die Kindern regelmäßige Freizeiten in Schullandheimen ermöglichte.

Neben seiner pädagogischen und Funktionärs-Tätigkeit entfaltete Sahrhage eine rege publizistische Tätigkeit im Sinn der Schullandheimbewegung.

1950 gab Sahrhage ein heimatkundliches Buch über Südstormarn heraus.

Bedeutung

Heinrich Sahrhage zählt zu den Pionieren der reformpädagogisch inspirierten Schullandheimbewegung. Trotz der nach 1933 zunehmend systemstabilisierenden Zusammenarbeit mit nationalsozialistischen Institutionen und Persönlichkeiten konnte er seine pädagogische Tätigkeit nach Ende der Diktatur weitgehend ungehindert fortsetzen.

Ehrenämter

1925 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Schulheime und Vorstandsmitglied im Reichsbund der deutschen Schullandheime e. V.
1950 Erster Vorsitzender des Verbandes deutscher Schullandheime e. V.

Ehrungen und Preise

1942/1944 Kriegsverdienstkreuz sowie Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse für den Einsatz in der Kinderlandverschickung
1955 Umbenennung des Hoisdorfer Schullandheim in Dr.-Heinrich-Sahrhage-Heim
1958 Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes der Stadt Hamburg
1961 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für Verdienste um die Schullandheimbewegung

Persönlichkeiten

Dietrich Sahrhage GND: 120847841
Rudolf Nicolai GND: 142542407
Bruno Peyn GND: 101532040
Wilhelm Schulz GND: 140644334

Familienname

Sahrhage

vollständige Vornamen

Heinrich Diedrich Hermann

Rufname

Heinrich

Geburtsdatum

21.04.1892

Geburtsort

Hamburg

Sterbedatum

23.05.1969

Sterbeort

Hamburg

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Lehrer

Funktionen, Rang

Oberstudienrat, Heimleiter, Gausachbearbeiter, staatlicher Schulbeautragter

Ehe-/Lebenspartner

Elli Frieda Wilhelmine Sahrhage, geb. Rowoldt (1894–1959)

Kinder

ein Sohn

Eltern

Johann Hermann Sahrhage (1864–1924), Margarethe Elise Sahrhage, geb. Linnerkamp (1866–1930)

Strukturansicht

Literatur von der Person

  • Südstormarn unsere Heimat zwischen Ahrensburg und Trittau. Hamburg, Verl. d. Gesellschaft d. Freunde d. Vaterländischen Schul- u. Erziehungswesens 1950, GVK: 233899324
  • Hamburger Schullandheime. Hamburg, Tessmann 1967, GVK: 303146621
  • Deutsche Schullandheime. Bremen, 1953, GVK: 303065613
  • Werden und Wirken der deutschen Schullandheimbewegung Auszüge aus ihrem 25jährigen Schrifttum hrsg. von Heinrich Sahrhage u. Wilhelm Berger. Bielefeld, Eilers 1950, GVK: 179660500
  • Sahrhage, Heinrich: Schullandheim Hoisdorf 1920 - 1940 ; [vom Werden und Wirken unseres Schullandheims] ; Albrecht Thaer-Schule, Oberschule für Jungen vor dem Holstentor, Hamburg. Hamburg, Buckendahl , GVK: 389466506

Literatur

  • Hamburgische Biografie Personenlexikon. Göttingen, Wallstein-Verl. 2008, In: Bd. 1, GVK: 587673796
  • Lorent, Hans-Peter de 1949-: Täterprofile die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz. In: Band 2, GVK: 1012016943

Weitere Literatur