Heinrich Eckholdt

Der frühere Lübecker Senator Heinrich Eckholdt war nach dem Zweiten Weltkrieg Bürgermeister der Stadt Reinfeld und der erste ehrenamtliche Landrat des Kreises Stormarn.

Ausbildung

Heinrich Eckholdt ging in Hamburg zur Schule und absolvierte danach eine vermutlich kaufmännische Ausbildung.

Beruflicher Werdegang

Nach seinem Militärdienst meldete sich Heinrich Eckholdt als Freiwilliger bei der Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Südwest-Afrika, die er als Feldwebel-Leutnant Ende 1902 verließ. Anschließend arbeitete er in Übersee als Kaufmann. Um 1908 ließ er sich in Lübeck nieder und trat in die Lübecker Zweigstelle der Gasglühlicht-Versicherung Louis Harms & Compagnie (Co.) seines Schwagers ein. 1924 gründete Eckholdt mit einem Kompagnon die Großhandelsgesellschaft für Lebensmittel Heinrich Eckholdt & Co., die jedoch bald Insolvenz anmelden musste und sich 1926 auflöste.

Von 1926 bis 1933 war Eckholdt hauptamtlicher Senator der Hansestadt Lübeck. Nach seinem gemeinsam mit den sozialdemokratischen Senatoren und dem SPD-Bürgermeister Paul Löwigt erfolgenden Rücktritts infolge der „Gleichschaltungspolitik“ des NS-Regimes fand er im März 1933 noch kurzfristig eine Beschäftigung als Kaufmann in einer Kohlenhandlung. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er 1945/46 Bürgermeister der Stadt Reinfeld.

Lebenslauf

Heinrich Eckholdt verbrachte seine Kindheit und Jugend in Hamburg im späteren Stadtteil Barmbek-Süd. Nach dem frühen Tod des Vaters, eines Gärtners und Fruchthändlers, wuchs er in einfachen Verhältnissen auf. Er leistete seinen Militärdienst im 2. Hanseatischen Infanterie-Regiment „Hamburg“ Nr. 76 von November 1890 bis Februar 1893 ab. Während seiner Zeit bei den Kolonialtruppen war er an mehreren Feldzügen beteiligt. Eine Teilnahme als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg blieb ihm aufgrund seines Gesundheitszustandes verwehrt. Er wurde jedoch vom Generalkommando des 9. Armeekorps als Ausbilder zur militärischen Vorbereitung von Jugendlichen aus Lübeck und Umgebung eingesetzt und betreute zusätzlich Pfadfindergruppen. Eckholdt lehnte den Versailler Vertrag von 1919 ab und setzte sich nach Abtretung der deutschen Kolonien für die Auslandsdeutschen ein. In der Lübecker Bürgerwehr war er an der Niederschlagung der kommunistischen Aufstände Anfang der 1920er-Jahre beteiligt.

Bereits am 25.10.1902 hatte Eckholdt in Hamburg die Tochter eines Zigarrenfabrikanten geheiratet. Er engagierte sich in der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) – der späteren Deutschen Staatspartei –, für die er 1924 als Mitglied der Bürgerschaft gewählt wurde. Außerdem übernahm er das Amt des zweiten Vorsitzenden der Lübecker Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Nach seiner Ernennung zum Senator 1926 betätigte er sich in den Kommissionen für Handel und Schifffahrt, für das Militär, die Strafanstalt Lauerhof, im Gesundheitsrat und Gesundheitsamt, der Oberschulbehörde, dem Polizeipräsidium sowie im Stadt- und Landamt.

Mit der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten verlor Eckholdt seine Ansprüche auf ein Ruhegehalt. Obgleich er wegen Hausdurchsuchungen ins nahegelegene Clevenbrück umzog, stand er weiterhin unter Beobachtung der Gestapo. Von 1934 bis 1937 verlegte er daher seinen Wohnsitz nach Werder an der Havel in die Nähe seiner Kinder. Er kehrte anschließend in das stormarnsche Reinfeld zurück und versuchte ab 1939, eine Widerstandsgruppe gegen das NS-Regime aufzubauen. Anfang März 1942 wurde er kurzzeitig wegen Hochverrats verhaftet, entging jedoch der Überstellung in ein Konzentrationslager.

Nach Kriegsende setzte die britische Militärregierung Eckholdt an seinem Wohnort Reinfeld als Bürgermeister ein. Eine Rückkehr nach Lübeck und eine Beteiligung am Aufbau des dortigen demokratischen Schulwesens lehnte er aufgrund seines Alters ab. Er war jedoch Mitbegründer der Christlichdemokratischen Aufbaupartei in Lübeck, der späteren CDU. Gleichfalls beteiligte er sich im Kreis Stormarn am Aufbau der CDU und wurde deren Kreisvorsitzender. Eckholdt gehörte dem ersten von der Militärregierung ernannten Stormarner Kreistag in Bad Oldesloe an und wurde auf dessen erster Sitzung am 10.01.1946 zum Kreistagspräsidenten gewählt. Dieses politische Amt, das kurz darauf als ehrenamtlicher Landrat bezeichnet wurde, hatte er bis zur ersten freien Kreistagswahl im Oktober 1946 inne. Aufgrund der geänderten Mehrheitsverhältnisse im Kreistag wurde er am 30.10.1946 von Wilhelm Siegel abgelöst. Nachdem er bei der Direktwahl für den Schleswig-Holsteinischen Landtag am 20.04.1947 gegen den SPD-Kandidaten Otto Gramcko scheiterte, zog er sich, auch krankheitsbedingt, aus der Politik zurück. Er verstarb kurz darauf in einem Lübecker Krankenhaus.

Bedeutung

Trotz seines hohen Alters engagierte sich Heinrich Eckholdt sowohl als Reinfelder Bürgermeister als auch als ehrenamtlicher Landrat des Kreises Stormarn nach dem Zweiten Weltkrieg für den demokratischen Aufbau des Kreises. Dabei konnte er auf seine Erfahrung als Lübecker Senator während der Weimarer Republik zurückgreifen.

Ehrenämter

Heinrich Eckholdt war während seiner Zeit als Senator ehrenamtlich in der Westerauer Stiftung sowie der Von-Hertoghe-Stiftung tätig, die sich als Einrichtungen für Bedürftige einsetzten.

Ehrungen und Preise

Während des Ersten Weltkriegs erhielt Heinrich Eckholdt das Verdienstkreuz. 1969 benannte die Hansestadt Lübeck den Eckholdtweg im Stadtteil St. Gertrud zu Ehren ihres früheren Senators.

Persönlichkeiten

Paul Löwigt GND: 133571556
Wilhelm Siegel GND: 1119642035
Otto Gramcko GND: 1117578321

Vorgänger

Nachfolger

Familienname

Eckholdt

vollständige Vornamen

Heinrich Georg Louis

Rufname

Heinrich

Geburtsdatum

27.11.1870

Geburtsort

Hamburg

Sterbedatum

21.05.1947

Sterbeort

Lübeck

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Kaufmann, Verwaltungsbeamter

Funktionen, Rang

Senator 1926-1933, Bürgermeister 1945-1946, Landrat 1946

Ehe-/Lebenspartner

Bertha Paula Jane Eckholdt, geb. Roß (1882-1969)

Kinder

zwei Söhne

Eltern

Hermann Heinrich Louis Eckholdt (1838-1878), Johanna Christine Friederike Eckholdt, geb. Jürs (1842-1900)

Landrat: Amtsinhaber

Ernannter Kreistag 1946: Mitglieder

Kreisausschuss 1946: Mitglieder

Verfassungsausschuss 1946: Mitglieder

Kreistag 1946-1948: Mitglieder

Kreisausschuss 1946-1948: Mitglieder

Verfassungsausschuss 1946-1948: Mitglieder

Wirtschafts- und Planungsausschuss 1946-1947: Mitglieder

Finanz- und Haushaltsausschuss 1946-1947: Mitglieder

Literatur

  • Müller, Henning K.: Die Stormarner Landräte und der Nationalsozialismus. [Bad Oldesloe], Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn 2018, GVK: 1040337368

Weitere Literatur