Harald Duwe

Der Maler, Zeichner und Grafiker Harald Duwe, der in Großensee lebte, entwickelte sich in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren zu einem der bedeutendsten realistischen Maler Deutschlands.

Ausbildung

1932-1938 besuchte Harald Duwe die Volksschule Stresowstraße in Hamburg-Rothenburgsort, anschließend absolvierte er die Realschule Slomanstieg in Hamburg-Veddel. Im April 1942 begann er eine Lehre als Lithograf in der Hamburger Kunstdruckerei Mühlmeister und Johler. Knapp ein Jahr später belegte er zusätzlich Abendkurse an der Landeskunstschule (später Staatliche Hochschule für bildende Künste) der Stadt. Von März bis August 1944 führte er seine Ausbildung in Leipzig fort. Unterbrochen durch Dienstverpflichtungen konnte er erst im Juli 1945 seine Gesellenprüfung zum Lithografen ablegen.

Ab Wintersemester desselben Jahres studierte Duwe an der Landeskunstschule für bildende Künste in Hamburg, u. a. Malerei bei Willem Grimm und Erich Hartmann. Zu seinen Kommilitonen zählten Vicco von Bülow (später als Loriot bekannt) sowie Horst Janssen und Paul Wunderlich. Mit Letzterem war er lange Zeit freundschaftlich verbunden. Ein Stipendium ermöglichte ihm 1948 einen zweisemestrigen Studienaufenthalt an der Königlichen Akademie in Stockholm. 1950 schloss er sein Studium in Hamburg ab.

Beruflicher Werdegang

Nach seinem Examen arbeitete Harald Duwe als freischaffender Künstler. In den 1950er-Jahren fanden seine realistisch-gegenständlichen Werke noch kaum Beachtung, da sie dem Abstraktionstrend der Zeit nicht entsprachen. Stattdessen erhielt er Aufträge für „Kunst am Bau“ in Hamburg (u. a. für die Gewerbeschule für Bekleidung) und Schleswig-Holstein, v. a. im Kreis Stormarn. 1954 gewährte der Kulturkreis im Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. dem Künstler ein Stipendium. 1966 ermöglichte ihm ein Stipendium des Landes Schleswig-Holstein einen sechsmonatigen Aufenthalt in der Cité des Arts in Paris.

Mitte der 1960er-Jahre wuchs das Interesse an Duwes Malstil. 1965 fand seine erste Einzelausstellung im Marburger Kunstverein statt, drei Jahre später stellte das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum auf Schloss Gottorf seine Bilder aus. In den 1970er-Jahren folgten Werkschauen in Bremerhaven (1971), Hamburg (1972), Berlin (1973 und 1975), Kiel sowie Wuppertal (1975) und Flensburg (1976), die seine Bilder auch überregional bekannt machten.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit unterrichtete Duwe 1964-1977 an der Hamburger Ingenieurschule für Fahrzeugtechnik im Fach Räumliches Darstellen, was ihm finanzielle Unabhängigkeit verschaffte. 1975 erhielt er eine Dozentenstelle für Freie Kunst und Malerei an der Fachhochschule für Gestaltung (heute Muthesius Kunsthochschule) in Kiel, zwei Jahre später wurde er dort zum Professor ernannt und unterrichtete seitdem angehende Kunstmaler. Zu seinen Schülern gehörten die späteren Norddeutschen Realisten Michael Arp und Ulf Petermann.

Lebenslauf

Als Sohn eines kaufmännischen Angestellten im elterlichen Fuhrbetrieb wurde Harald Duwe 1926 im Hamburger Arbeiterviertel Rothenburgsort geboren. Juli 1943 bis März 1944 war Duwe zum Reichsarbeitsdienst verpflichtet, August 1944 bis Mai 1945 war er Luftwaffensoldat und erhielt eine Pilotenausbildung. Er geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er im Juli 1945 entlassen wurde.

Am 03.12.1951 heiratete Duwe seine Studienkollegin Heilwig Ploog und zog mit ihr nach Großensee in das Wochenendhaus der Ploogs. Auf dem Grundstück entstanden bis 1979 ein großes Atelier sowie Anbauten als Wohnung für ihn und seine Familie. 1952 wurde Tochter Katharina geboren, 1956 und 1961 folgten die Söhne Johannes und Tobias. Alle drei Kinder wurden später ebenfalls erfolgreiche Maler. Das Paar nutzte zahlreiche Reisen zu Mal- und Studienzwecken, u. a. nach Italien (1953), Spanien (1955), wiederholt ins Tessin (ab 1958), nach Föhr (1960, 1962) und Bad Sassendorf bei Soest (1963), wobei zahlreiche Landschaftsbilder entstanden. 1978-1982 wurde Sylt das bevorzugte Ziel, hier schuf der Künstler Strandbilder sowie Porträts. Ein Jahr später entstanden in New York Bilder des dortigen Straßenlebens.

Am 15.06.1984 kam Duwe bei einem Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 404 nahe Tremsbüttel ums Leben.

Keramikstele "Kreislauf des Lebens" an der Grundschule Stapelfeld, ca. 1970

Werk/Aktivitäten

Harald Duwes umfangreiches und thematisch vielfältiges Werk umfasst Zeichnungen, Gemälde, Grafiken, Aquarelle sowie Guachen. Porträts und Figurenbilder, zunächst von seiner Familie, später von Freunden und Bekannten, die er teils humorvoll-ironisch darstellte, sowie Auftragsporträts von Bürgermeistern und Senatoren in Schleswig-Holstein und Hamburg (u. a. Paul Nevermann und Walther Lehmkuhl) bildeten seit den 1940er-Jahren einen wesentlichen Teil seiner Arbeiten. Als weitere Konstante finden sich bereits früh Landschaftsbilder, die bevorzugt Strandszenen an Nordsee und Elbe festhalten. Auch Hamburg war ein Thema, zunächst mit den Zerstörungen durch den Krieg, zu Beginn der 1950er-Jahre dann mit farbkräftigen Szenen aus dem Arbeitsalltag im Hafen.

Seit der Mitte der 1950er-Jahre zeigt Duwes Werk verstärkt gesellschaftskritische Inhalte. Er setzte sich beispielsweise in „Zirkus“ (1955) mit der Ära Konrad Adenauers und der Wiederbewaffnung der BRD auseinander. Später veranlassten ihn die Frankfurter Auschwitz-Prozesse, die Qualen der Gefangenen in den Konzentrationslagern der NS-Zeit darzustellen, z. B. in „Schwarze Wand“, „Hockzellen“ (beide 1966) und den zusammengehörenden Gemälden „Graue Wand I-IV“ (1968).

Zu Beginn der 1970er-Jahre widmete er dem Thema Militär kritische Werke, insbesondere dem Spannungsfeld von Befehl und Gehorsam („Barras-Mappe“, 1971). Im selben Jahrzehnt zeigte er in grotesken Bildern mit teilnahmslosen Personen, dicht gedrängten Fahrzeugen und Konsummüll die Schattenseiten der bundesdeutschen Wohlstandsgesellschaft. Satirische Darstellungen von Monotonie und Widersprüchlichkeit im gesellschaftlichen Leben finden sich u. a. in „Abendmahl“ (1978), wo sich der Künstler neben Kunstkritikern und Kollegen der Fachhochschule für Gestaltung in Kiel selbst ins Bild setzte. Auch Kinderdarstellungen beleuchten die Erwachsenenwelt kritisch, verdeutlichen Gier nach Macht und Besitz. Anlässlich des 50. Jahrestags der Machtübernahme Adolf Hitlers wandte sich Duwe in großformatigen Bildern noch einmal den Schrecken des Zweiten Weltkriegs zu („Der Trommler“, 1982), um gleichzeitig vor dem Hintergrund der atomaren Aufrüstung vor einem neuen Krieg zu warnen, so mit den Gemälden „Bunkerruine in Kiel“ und „Kriegsdenkmal U-Boot in Laboe“ (beide 1984).

Weniger charakteristisch für sein Werk, aber prominent im Stormarner Raum sind jene Objekte, die Duwe hier in den 1950er- und 1960er-Jahren als Sgraffiti, Keramik- und Glasarbeiten für öffentliche Gebäude schuf. So entstand u. a. für die damalige Grundschule Großensee eine bunte, quaderförmige Keramikstele mit dem Titel „Die vier Jahreszeiten“ (1963), die heute an der Ortsdurchfahrt Hamburger Straße steht. In der Anne-Frank-Schule in Bargteheide ist das großformatig in den Putz einer Wand eingearbeitete Sgraffito „Das Gericht der Tiere“ erhalten, das ursprünglich für den 1966 fertiggestellten Erweiterungsbau der damaligen Grund- und Hauptschule Bargteheide geschaffen wurde. Es bildet ein Löwenpaar inmitten anderer Tiere sowie einen Fuchs ab, über dem eine Henkersschlinge baumelt. Hierbei handelt es sich um die Gerichtsszene aus dem mittelalterlichen Versepos „Reineke Fuchs“, das in einer niederdeutschen Fassung (Lübeck 1498) im deutschsprachigen Raum besonders beliebt wurde.

Nicht erhalten hingegen ist die Anfang der 1960er-Jahre als Auftragsarbeit entstandene Skulptur „Kreislauf des Lebens“. Die ursprünglich in einem Teich an der Grundschule Stapelfeld befindliche Keramikstele mit quadratischem Grundriss zeigte farbenfrohe Reliefs von unterschiedlicher Größe, die in verschiedene Richtungen wiesen. Vor einem türkisfarbenen Hintergrund bildeten sie eine Ente, einen Hummer und einen Fisch, ein großes Seerosenblatt sowie eine Figur aus Sonne und Mond ab. Das Kunstwerk wurde 2018 abgerissen.

Ehrenämter

Seit 1969 war Harald Duwe Mitglied der SPD und engagierte sich sowohl auf Gemeindeebene wie auch im Wahlkampf für die Partei.

Ehrungen und Preise

1970 Edwin-Scharff-Preis der Stadt Hamburg
1981 Kulturpreis der Stadt Kiel

Persönlichkeiten

Vicco von Bülow (Loriot) GND: 118729101
Horst Janssen GND: 118557025
Paul Wunderlich GND: 118635603
Michael Arp GND: 133102726
Ulf Petermann GND: 128740191
Paul Nevermann GND: 124729703
Walther Lehmkuhl GND: 1111528985
Willem Grimm GND: 118891715

Links

Website über den Künstler: http://www.harald-duwe.de/harald_duwe.html (Zugriff am 26.01.2021)

Familienname

Duwe

vollständige Vornamen

Harald

Geburtsdatum

28.01.1926

Geburtsort

Hamburg-Rothenburgsort

Sterbedatum

15.06.1984

Begräbnisort

Lütjensee

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Lithograf, Maler, Grafiker, Zeichner, Hochschullehrer

Ehe-/Lebenspartner

Heilwig Duwe, geb. Ploog (geb. 1924)

Kinder

drei Kinder

Eltern

Hans Duwe (1897-1979), Elsa Duwe, geb. Nieland (1899-1978)

Strukturansicht

Literatur

  • Hamburgische Biografie Personenlexikon. Göttingen, Wallstein 2010, GVK: 862351839
  • Peters, Hanna: Harald Duwe Kieler Porträts. In: Nordelbingen: Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte Schleswig-Holsteins, Heide, Holstein: Boyens, Band 84 (2015), S. 201-214, GVK: 840901224
  • Peters, Hanna: Duwe, Harald geb. 28.1.1926 Hamburg-gest. 15.6.1984 b. Tremsbüttel ; Maler, Graphiker, Zeichner. In: Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck, Neumünster: Wachholtz, (2006), S. 91-95, GVK: 719829933
  • Spallek, Johannes 1948-: Kunst im Kreis Stormarn - ein kurzer Rückblick (Teil 4) von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart : ... Harald Duwe 28.12.1926 Hamburg - 15.06.1984 Tremsbüttel. 2020, In: Jahrbuch für den Kreis Stormarn ..., Großhansdorf: ProFunda-Verl., 1983, 39(2021), Seite 16-31, GVK: 174221553X

Weitere Literatur