Gutshaus Glinde

Das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Gutshaus Glinde wird als städtisches Gemeinschaftszentrum genutzt.

Ansicht von Osten, ca. 1985

Außenarchitektur

Das zweigeschossige Gutshaus mit seiner hell verputzten Fassade und dem farblich abgesetzten Souterrain hat im Süden einen fünfgeschossigen Eingangsturm. Schmale Vorsprünge sowie mehrere Balkone im Obergeschoss gliedern die Fassaden.

Die Ostseite verfügt über einen halbrunden Vorbau. An der Westseite befindet sich eine verglaste Veranda mit Freitreppe zum umgebenden Park. Auf dem mit roten Ziegeln gedeckten Dach sitzen Gauben, teils mit einem dreieckigen Giebel versehen.

Innenarchitektur

Die Räume des Gutshauses sind von Stuckdecken, Parkettfußböden, geweißten Wänden und dunklen Wandvertäfelungen geprägt. Teils haben sich historische Schiebetüren erhalten. An der Ostseite des Erdgeschosses liegt ein großer Kaminraum mit halbrunder Fensterfront. Im Westen befindet anstelle der ehemaligen Gartenhalle ein Wintergarten.

Gutshaus mit noch existierendem Turm an der Nordwestecke, vor dem 1912 erfolgten Umbau

Geschichte

Nach der Übernahme von Gut Glinde baute Hans Rudolf Banks um 1889 ein neues Gutshaus mit dreigeschossigem Turm im historistischen Stil der Neorenaissance. Der Industrielle Sönke Nissen ließ es nach Erwerb des Gutes 1912 durch den Architekten August Odt im neoklassizistischen Stil umgestalten und erweitern. Dabei wurde u. a. der Eingangsturm um zwei Geschosse und eine neue Turmspitze erhöht. Nach dem Tod Nissens 1923 ging das Gutshaus in den Sönke-Nissen-Nachlass über, der es - zusammen mit dem Gutsbetrieb - verpachtete.

Nach Auflösung des landwirtschaftlichen Betriebes Anfang der 1970er-Jahre wurde das renovierungsbedürftige Gebäude vom Sönke-Nissen-Nachlass 1976 als Schenkung in die neu gegründete Gemeinschaftszentrum Sönke-Nissen-Park Stiftung eingebracht. Noch im Verlauf der 1977-1979 erfolgten Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen weihte die Stadt Glinde in dem Gebäude am 07.10.1978 ein Gemeinschaftszentrum ein, das den Namen der Stiftung erhielt. Vorübergehend war auch die Stadtbücherei Glinde hier untergebracht.

Bei Restaurierungsmaßnahmen unter Leitung des Architekten Horst von Bassewitz wurde 1987-1994 in drei Abschnitten der bauliche Zustand von 1912 weitgehend wieder hergestellt.

Säulen am Haupteingang, 1985

Bedeutung

Das Gutshaus gilt seit dem Umbau von 1912 als spätes Beispiel für den neoklassizistischen Stil aus der Zeit des Deutschen Kaiserreiches.

Zeitungsartikel der Lübecker Nachrichten vom 06.10.1978 zur Einweihung des Gemeinschaftszentrums im ehemaligen Gutshaus

Nutzung

Das im Gutshaus eingerichtete Gemeinschaftszentrum der Stadt Glinde beherbergt verschiedene kulturelle und soziale Einrichtungen, Beratungsstellen sowie Angebote zur Freizeitgestaltung.

Das Erdgeschoss steht für Ausstellungen und Veranstaltungen zur Verfügung, im Kaminraum finden Trauungen statt.

Erhaltungszustand

Das Gutshaus befindet sich in einem guten Zustand.

Besonderheiten

Bis zur Fertigstellung der St. Johannes-Kirche in Glinde 1953 fanden nach dem Zweiten Weltkrieg im Gutshaus Gottesdienste der gleichnamigen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde statt.

Persönlichkeiten

Sönke Nissen GND: 123566584
August Odt
Horst von Bassewitz GND: 110872614

Begründung Schutzstellung

Das Gutshaus gilt als erkanntes Kulturdenkmal.

Links

Website des Gemeinschaftszentrums Sönke-Nissen-Park Stiftung: www.gutshaus-glinde.de (Zugriff am 30.08.2020)

14 400
Gutshaus Glinde business 53.5405470000 10.2092460000

Ort

Möllner Landstraße 53

21509 Glinde

GPS-Standort

53° 32' 25'' N, 10° 12' 33'' O

Auftraggeber

Hans Rudolf Banks, Sönke Nissen

Planer/Architekt

Unbekannt; Umbau 1912 durch August Odt; Restaurierung 1987-1994 durch Horst von Bassewitz

Errichtungsdatum

ca. 1889

Strukturansicht

Literatur

  • Jendert, Siegfried: Ein Herrenhaus im Dorf Gut Glinde. 1984, In: Erinnerungen an Glinde "... herzlichen Dampf!" und anderes aus der Geschichte dieser jungen Stadt, Glinde: Böckel, 1984, (1984), Seite 100-111, GVK: 1002550238
  • Bassewitz, Horst von 1932-2020: Das ehemalige Gutshaus in Glinde, heute Gemeinschaftszentrum der Sönke-Nissen-Stiftung Glinde. 1989, In: Denkmalpflege im Kreis Stormarn II, Neumünster: Wachholtz, 1989, (1989), Seite 128-134, GVK: 100450988X
  • Spallek, Johannes 1948-: Das Glinder Gutshaus. 1983, In: Denkmalpflege im Kreis Stormarn [1], Neumünster: Wachholtz, 1983, (1983), Seite 115-122, GVK: 1003390552
  • Neuschäffer, Hubertus 1944-: Schlösser und Herrenhäuser in Südholstein e. Handbuch. Würzburg, Weidlich , GVK: 040136426
  • Laß, Heiko 1968-: Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in Hamburg und Umgebung Entdeckungsreisen zu unbekannten und bekannten Objekten. Berlin, L&H Verlag 2012, GVK: 513289712

Weitere Literatur