Gottesbuden in Ahrensburg

Die Ahrensburger Gottesbuden sind ein Gebäudeensemble aus zwei eingeschossigen Häuserreihen parallel nördlich und südlich der Schlosskirche.

Außenarchitektur

Die beiden Häuserreihen sind aus weiß geschlämmtem Backsteinmauerwerk erbaut und besitzen ein Satteldach sowie Blendengiebel an der Ostseite. Die korbbogigen Türöffnungen mit waagerecht geteilter Klöndöör von jeweils zwei Wohnungen sind in den Häuserreihen paarweise angeordnet. Fenster zur Innenseite der Anlage existierten zunächst nicht. Sie wurden erst später nach und nach in unregelmäßiger Form eingebaut.

Innenarchitektur

Jede Wohnung besitzt einen Eingangsbereich mit Küche von etwa 6 m² und eine Stube von etwa 16 m² Fläche. Unter dem Dach befindet sich ein Boden als Lagerraum.

Geschichte

Zeitgleich mit der 1594-1596 erbauten Ahrensburger Schlosskirche und dem umgebenden Friedhof ließ der Gutsherr Peter Rantzau die Gottesbuden errichten. Zu jeder Häuserreihe gehörten ursprünglich zwölf Wohnungen. Die nördliche Häuserreihe war für die mietfreie Unterbringung bedürftiger Personen vorgesehen, in der „Schulbude“ wohnte und unterrichtete der Lehrer, der auch die Aufgaben des Küsters wahrnahm. Die Wohnungen der südlichen Reihe wurden für einen ortsüblichen Mietpreis vermietet. Für den Unterhalt der Gottesbuden und zur Unterstützung der Bewohner der nördlichen Häuserreihe richtete Peter Rantzau eine Stiftung ein.

Die beiden Hauszeilen waren ursprünglich östlich und westlich durch eine Mauer mit Eingangstür verbunden, sodass um die Schlosskirche ein umfriedeter Friedhofsbereich geschaffen wurde. Die Verbindungsmauern wurden 1823 zur Erweiterung des Friedhofs abgerissen. 1844 wurde die erste Gottesbude jeder Reihe zur Erweiterung der Chaussee von Hamburg nach Lübeck abgerissen.

Seit den 1920er-Jahren sind die Buden mit elektrischem Strom versorgt, seit 1960 mit fließendem Wasser. Seit 1977 gibt es in jeder Wohnung ein WC, einen Warmwasserboiler, Zentralheizung und einen Elektroherd. In jeder Budenreihe wurde eine Bude als Baderaum hergerichtet und mit einer Waschmaschine ausgestattet. 1978 wurde in der ersten Bude der südlichen Reihe ein "Dritte-Welt-Laden" eingerichtet, in dem Jugendliche viele Jahre lang fair gehandelte Produkte verkauften.

Eigentümerin der Gottesbuden ist heute die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Ahrensburg.

Bedeutung

Die Gottesbuden sind die älteste Armenstiftung im Kreis Stormarn und Teil des Schlosskirchen-Ensembles.

Nutzung

Bis heute werden die Wohnungen an bedürftige Menschen in schwierigen Lebenssituationen vergeben. Die Mieter zahlen lediglich die Nebenkosten, alle anderen Kosten werden von der Kirchengemeinde getragen. Über die Vergabe der Wohnungen nach einer langen Warteliste entscheidet ein Ausschuss, in dem Vertreter der Stadtverwaltung und der Kirchengemeinde zusammenarbeiten. Zwei Buden der Südreihe dienen seit 2001 als Mittagsbude, in der warme Mahlzeiten für Menschen mit geringem Einkommen angeboten werden. Zwei weitere Buden werden als Dusch- und Waschbude genutzt. Eine Bude bleibt für Notsituationen frei.

Erhaltungszustand

Die Gottesbuden sind in einem befriedigenden baulichen Zustand.

Persönlichkeiten

Peter Rantzau GND: 1069510416

Links

Wikipedia-Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesbuden_Ahrensburg (Zugriff am 08.07.2019)

Datierung Schutzstellung

27.03.1968

Begründung Schutzstellung

geschichtliche und städtebauliche Bedeutung

14 400
Gottesbuden in Ahrensburg business 53.6781620000 10.2402240000

Ort

22926 Ahrensburg

Am Alten Markt 1 (nördliche Reihe)

Am Alten Markt 5 (südliche Reihe)

GPS-Standort

53° 40' 41'' N, 10° 14' 24'' O

Auftraggeber

Peter Rantzau

Errichtungsdatum

1594

Literatur

  • 400 Jahre Schloß und Kirche Ahrensburg Grafen, Lehrer und Pastoren. Husum, Husum 1995, GVK: 18478185X
  • Pioch, Wilfried: Schlosskirche Ahrensburg. Regensburg, Schnell und Steiner 1996, GVK: 213075709
  • Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Berlin [u.a.], Dt. Kunstverl. 2009, GVK: 604467362

Weitere Literatur