Georg Engst

Georg Engst ist ein freischaffender Bildhauer, der jahrzehntelang in der Gemeinde Jersbek lebte und arbeitete.

Ausbildung

Georg Engst schloss 1949 eine Lehre zum Holz- und Steinbildhauer bei Otto Wessel in Hamburg-Altona ab. Kenntnisse im Umgang mit Holz erwarb er in der Tischlerei seines Vaters. Privatunterricht bei der Hamburger Bildhauerin Irmgard Kanold führte ihn an die Herstellung von Keramik heran. Im Wintersemester 1950/51 begann er ein fünfsemestriges Studium an der Akademie der Künste in München in der Bildhauerklasse bei Anton Hiller. 1953 wechselte er zu Edwin Scharff an die Landeskunstschule in Hamburg und war Meisterschüler mit eigenem Atelier.

Beruflicher Werdegang

Seit 1956 arbeitete Georg Engst als freischaffender Bildhauer in einem Atelier in Hamburg-Sasel, ab 1965 in einem in Eigenregie erbauten Atelier in Jersbek. Sein Anliegen, Kunst für den öffentlichen Raum zu schaffen, verwirklichte er mit insgesamt 115 staatlichen und privaten Aufträgen im In- und Ausland.

Lebenslauf

Engst wuchs in Hamburg auf. 1963 kaufte er ein Bauernhaus in der Straße Langereihe in Jersbek, nach Umbau wurde es sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. 2005 heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin, die Hamburger Kunsthändlerin Vera Klose. 2020 löste er Haus und Atelier auf und zog zurück nach Hamburg.

Bronzeplastik Sportler und Kampfrichterbank vor der Heinrich-Vogler-Sporthalle in Bad Oldesloe, 2021

Werk/Aktivitäten

Im figürlichen Schaffen durchzieht das Motiv des Einradfahrers das Werk von Georg Engst - als Metapher für den permanenten Balanceakt des Menschen in der Gesellschaft. Engst entwarf diese Figur erstmalig 1965 und entwickelte sie in unterschiedlichen Materialien, Formationen und Abstraktionsgraden. Als Kunst im öffentlichen Raum findet sie sich vielfach in Schleswig-Holstein, beispielsweise in Flensburg, Rendsburg oder Kiel. In Bad Oldesloe wurden 1982 die Einrad-Großplastiken „Sportler und Kampfrichterbank“ vor der Heinrich-Vogeler-Sporthalle und 1996 „Der Mensch auf dem Einrad“ vor der Ida-Ehre-Schule aufgestellt.

Geometrische klare Grundformen in ein Spannungsverhältnis gesetzt, reduziert auf das Wesentliche, bestimmen die Ästhetik in seinen Genres. Dies zeigt u.a. die 1985 gefertigte „Kreative Stele“ vor dem Fernmeldegebäude in Lübeck.

Zu Beginn seiner Selbstständigkeit bildeten Intarsien in gegenständlichen, geometrischen und abstrakten Kompositionen den Schwerpunkt seiner Arbeit. Er bekam 1957 den Auftrag über eine Intarsienwand für den Konferenzraum des Landeskirchenamtes in Hannover. Weitere Hauptwerke sind ein Intarsienfries für die 1958-1961 gebaute Kapernaum-Kirche in Hamburg-Horn (ab Ende 2018 Al-Nour-Moschee) und eine Intarsienwand für das Allgemeine Krankenhaus Altona. 1978 beendete Engst seine Arbeit in diesem Genre.

Wasserkunst, Decken-, Wand- und Fassadengestaltung im Rahmen von Kunst am Bau standen im Mittelpunkt seiner folgenden Aufträge. 1971 gewann er den Wettbewerb für eine Innenwandgestaltung des Deutschen Kulturinstituts in Madrid (heute Goethe-Institut) mit einem Wandrelief aus Marmor in geometrischer Formung.

Anfang der 1980er-Jahre erhielt er den Auftrag zur Gesamtgestaltung des Außenbereichs der Landeszentralbank Hamburg (heute: Deutsche Bundesbank, Filiale Hamburg) in Hamburg-Mitte. Er entwickelte ein Ensemble aus einem Beton-Bodenrelief, zwei großformatigen Bronzeplastiken, Begrenzungspollern und einem hydraulischen Brunnen, das zu seinen Hauptwerken zählt.

1990 gewann er den Wettbewerb der Bundesbaudirektion Berlin zur Ausgestaltung der Eingangshalle der Deutschen Botschaft an der Europäischen Union (EU) in Brüssel mit einem Entwurf für eine Skulpturendecke und einer Bodenskulptur aus Marmor.

In den letzten Jahren widmete sich Engst verstärkt dem Thema Krieg und Nationalsozialismus. So entwarf er 2017 einen Bronzemantel in Erinnerung an den KPD-Politiker Walter Krämer, der 1941 in einem Konzentrationslager starb.

Engst verzeichnet 15 Einzelausstellungen und die Teilnahme an annähernd 60 Gruppenausstellungen, darunter 24 im Rahmen der Landesschauen des Bundes Bildender Künstler Schleswig-Holstein (BBK-S-H) und sieben auf der Nord Art. Kunst in der Carlshütte (KiC) in Büdelsdorf.

Ehrenämter

1977-1995 stellvertretendes Mitglied im Verwaltungsrat der VG Bildende Kunst
1985-1993 Mitglied in der Stiftung Kulturwerk Berufsgruppe I „Bildende Künstler“
1988-1989 Vorsitz im Vergabebeirat des Sozialwerkes VG Bildende Kunst

Ehrungen und Preise

1975 Junior-Preis „Kunst- und Architektur“ für den Edelstahlbrunnen "Rieselsäule" in Hamburg.

Besonderheiten

Der Gebäudekomplex und das von Engst geschaffene künstlerische Ensemble um die ehemalige Landeszentralbank Hamburg wurden 1982 unter Denkmalschutz gestellt, da sie zur Bewahrung der charakteristischen Eigenheiten des Stadtbildes beitragen.

Persönlichkeiten

Anton Hiller GND: 118551116
Irmgard Kanold GND: 1113595582
Walter Krämer GND: 118565923
Edwin Scharff GND: 118606522
Otto Wessel

Links

Zu Werken in Schleswig-Holstein: https://sh-kunst.de/kuenstler/engst-georg/ (Zugriff 20.07.2020)

Zu Werken von Engst: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Georg_Engst (Zugriff 31.07.2020)

Familienname

Engst

vollständige Vornamen

Hermann Georg

Rufname

Georg

Geburtsdatum

12.05.1930

Geburtsort

Hamburg

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Bildhauer

Ehe-/Lebenspartner

Vera Klose-Engst (geb. 1936)

Eltern

Gustav Hermann Engst (1902-1999), Minna Engst, geb. Jung (1898-1988)

Strukturansicht

Literatur

  • Hannelies Ettrich: Chronik Jersbek - Jersbek, Klein Hansdorf, Timmerhorn. Husum, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft 1989, GVK: 160046270
  • Tiedge, Gisela: Das Werk von Georg Engst, Kunst am Bau und im öffentlichen Raum, Dissertation. Bonn, Druck Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität 2015, GVK: 1077265387

Weitere Literatur