Fritz Jöde

Fritz Jöde war Musikpädagoge und -reformer. Nach dem Zweiten Weltkrieg initiierte er den Jugendhof Barsbüttel, der für mehrere Jahre zu einem Schwerpunkt seines Wirkens wurde.

Ausbildung

Nach Besuch der Volksschule wurde Jöde 1902-1908 am Hamburger Lehrerseminar ausgebildet. 1912 absolvierte er die Prüfung zur Festanstellung im Hamburger Schuldienst. Von Ende Mai 1920 bis Ende Oktober 1921 studierte er – vom Lehrerberuf auf eigenen Wunsch freigestellt – in Leipzig Musikwissenschaft.

Beruflicher Werdegang

Nach kurzzeitiger Tätigkeit als Hilfslehrer unterrichtete Fritz Jöde 1909-1914 in Hamburg an der privaten Realschule Dr. Wahnschaffe Sport, Zeichnen und Musik. Anschließend wirkte er als Volksschullehrer in Hamburg. 1923 nahm Jöde einen auf Initiative des Schulreformers Leo Kestenberg erfolgten Ruf als Professor für Musikerziehung an die Berliner Akademie für Kirchen- und Schulmusik an, einem Vorläuferinstitut der Akademie der Künste. Ab 1930 war Jöde Leiter des neugegründeten Seminars für Volks- und Jugendmusikpflege an der Akademie für Kirchen- und Schulmusik. Am 11.02.1935 wurde er in seinem Berliner Amt zunächst beurlaubt, im Folgejahr nach einem Disziplinarverfahren aus dem Staatsdienst entlassen. Dennoch konnte er in der Folge unter anderem freiberuflich für den Jugendfunk beim Reichssender in München arbeiten. 1940 wurde Jöde als Lehrer ans Salzburger Mozarteum berufen. Dort kündigte er am 09.05.1943, um bei der Staatsmusikschule Braunschweig rund ein Jahr lang zu unterrichten. Nach Ende von NS-Diktatur und Zweitem Weltkrieg übernahm er 1947 in Hamburg das Amt für Jugend- und Schulmusik und 1950-1952 die Abteilung Musikerziehung an der dortigen Musikhochschule.

Lebenslauf

Der Sohn eines Schuhmachers wuchs als einziges Kind in einem sozialdemokratischen Elternhaus auf. Fritz Jöde, der sich als Autodidakt musikalisch weiterbildete, engagierte sich ab 1908 innerhalb der Jugendbewegung, unter anderem gründete er eine Jugend-Wandergruppe. 1913 trat er nach seinem Anschluss an den sogenannten Wendekreis, der sich als Vereinigung revolutionärer Hamburger Lehrer verstand, aus der evangelischen Kirche aus (in die er 1933 wieder eintrat). Aus dem Ersten Weltkrieg kehrte er 1916 wegen einer Verwundung zurück und wurde anschließend auf Wunsch der Hamburger Oberschulbehörde vom weiteren Militärdienst freigestellt.

Mit der Zeitschrift „Laute“, später „Musikantengilde“, und der Aufsatzsammlung „Musikalische Jugendkultur“ war er nach dem Ersten Weltkrieg für zwei grundlegende Publikationen der sogenannten Jugendmusikbewegung verantwortlich. Anfang 1920 wirkte Jöde, vom Schuldienst beurlaubt, für wenige Monate an der Reformschule Wendehof in der Lüneburger Heide. 1923 gründete er in Berlin die erste staatliche Jugendmusikschule in Deutschland. Darüber hinaus rief er dort 1925 die erste Volksmusikschule und 1926 die sogenannten Offenen Singstunden ins Leben.

Fritz Jödes Verhalten in der Zeit des Nationalsozialismus ist umstritten. Jöde, der sich selbst als unpolitischen, im Dienst seines Werks stehenden Akteur sah, wurde vor und nach 1933 von den Nationalsozialisten wegen politisch linksgerichteter Kontakte angefeindet. Andererseits sind mehrere seiner teils erfolgreichen Versuche belegt, sich NS-Institutionen und -Persönlichkeiten anzunähern. Unter anderem trat Jöde am 01.01.1940 in die NSDAP ein, um seine Berufung nach Salzburg zu sichern, verließ aber die Partei 1943 wieder. Daneben war er unter anderem Mitglied der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt NSV und der Reichskulturkammer. Nach seinem Umzug nach München 1937 wurde er im Folgejahr Leiter der dortigen Hitlerjugend-Spielschar. Ab 1941 sowie ab 1944 lebte Jöde – mit einer Zwischenstation 1943/44 in Braunschweig – in Bad Reichenhall, wo er die evangelische Kantorei leitete.

1947 kehrte Jöde nach Hamburg zurück. Auf seine Pläne ging die Begründung des in der früheren Villa Lunugala im Mai 1947 eingerichteten Jugendhofes Barsbüttel als sozialpädagogische Bildungsstätte zurück. Er wurde von den vier Bundesländern Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen finanziell unterstützt. Hier führten Fritz Jöde sowie andere Musikpädagogen gemeinschaftliche Musik-, Gesangs- und Tanzveranstaltungen durch. In der Folgezeit blieb sein Leben weiterhin vom Engagement in der Jugendmusikbewegung geprägt.

Bedeutung

Fritz Jöde gilt als Pionier und führende Persönlichkeit der deutschen Jugendmusikbewegung, die sich seit dem frühen 20. Jahrhundert im Umfeld von Reformpädagogik sowie Wandervogel- und Jugendbewegung entfaltete. Zu seinen Leistungen zählt das Heranführen von Jugendlichen aus allen sozialen Schichten an gemeinschaftlich ausgeübte Musik, Gesang und Tanz. Mit seinem praktischen und theoretischen Wirken, das Formen der Volksmusik gegenüber der von ihm als elitär verstandenen klassischen und zeitgenössisch-modernen Musik bevorzugte, hatte Jöde großen Einfluss auf die Demokratisierung der Musikkultur, die Entwicklung des schulischen Musikunterrichtes und die Ausbildung von Musikpädagogen.

Ehrenämter

ab 1922: Schriftführer der Zeitschrift „Die Laute“, später „Die Musikantengilde“
1940-1944 Herausgeber der „Zeitschrift für Spielmusik“
1947-1954 Erster Vorsitzender der Musikantengilde
ab 1952 Vorstand des Internationalen Instituts für Jugend- und Volksmusik Trossingen

Ehrungen und Preise

1957 Großes Bundesverdienstkreuz

Persönlichkeiten

Leo Kestenberg GND: 118722085

Familienname

Jöde

vollständige Vornamen

Wilhelm August Ferdinand Fritz

Rufname

Fritz

Geburtsdatum

02.08.1887

Geburtsort

Hamburg

Sterbedatum

19.10.1970

Sterbeort

Hamburg

Begräbnisort

Friedhof Hamburg-Nienstedten

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Lehrer, Musikpädagoge

Funktionen, Rang

Lehrer 1909-1923, Professor 1923-1936

Ehe-/Lebenspartner

1. Ehe: Betty Jöde, geb. Reinhardt; 2. Ehe: Hildegard Jöde, geb. Pradelt

Kinder

ein Sohn aus zweiter Ehe

Eltern

Julius Theodor Friedrich Jöde (1859-1918) und Ernestine Henriette Pauline Jöde, geb. Richter (1859-1945)

Literatur von der Person

  • Jöde, Fritz: Ringel Rangel Rosen. 150 Singespiele u. 100 Abzählreime, nach mündlicher Überlieferung gesammelt von Fritz Jöde. Leipzig, Teubner 1913, GVK: 416863809
  • Der Musikant Lieder für die Schule. Wolfenbüttel, Kallmeyer 1923, GVK: 584113196
  • Jöde, Fritz: Das kann ich auch Kleine Elementarlehre d. Musik mit Singen, Instrumentenspiel u. Tanz für Schule u. Haus. Einführung in d. Musikantenfibel. Mainz, Schott 1953, GVK: 842832262

Literatur

  • Rainer E. Schmitt: Von der Politik eines Unpolitischen – Nachträge zum „Fall Jöde“ in den Jahren 1927-1945. Essen, Die Blaue Eule 2001, In: Schoenebeck, Mechthild von [Hrsg.]: Vom Umgang des Faches Musikpädagogik mit seiner Geschichte. Essen: Die Blaue Eule 2001, S. 142ff., GVK: 332639657
  • Reinhold Stapelberg (Hrsg.): Fritz Jöde: Leben und Werk. Eine Freundesgabe. Zum 70. Geburtstag im Auftrag der Fritz Jöde-Stiftung zusammengestellt und herausgegeben von Reinhold Stapelberg. Braunschweig, Möseler 1957, GVK: 412289768

Weitere Literatur