Friedrich Knutzen

Friedrich Knutzen war der erste demokratisch gewählte Landrat des Kreises Stormarn, außerdem der erste Landrat aus der mittleren Verwaltungslaufbahn. Seine Amtszeit umfasste die Jahre der Weimarer Republik bis zu den Anfängen des Nationalsozialismus' (1919-1933).

Ausbildung

Friedrich Knutzen besuchte in Norderbrarup die Volksschule und später die Knabenmittelschule in Eckernförde. Nachdem sein Vater zunächst den Besuch eines Gymnasiums abgelehnt hatte, förderte er seinen Sohn später durch zusätzlichen Privatunterricht.

1896 begann Knutzen eine zweijährige Ausbildung zum Verwaltungsangestellten beim Magistrat der Stadt Eckernförde. Er verließ die Stadtverwaltung 1898 mit einer uneingeschränkten Empfehlung für den Verwaltungsdienst.

1905 bestand er die Prüfung zum Regierungsaktuar (Regierungssekretär) und wechselte in die mittlere Verwaltungsbeamtenlaufbahn.

Beruflicher Werdegang

1898 ging Knutzen an die Stadtverwaltung in Eutin, zunächst als Bürogehilfe. Schnell stieg er zum Protokollführer und Kanzleivorsteher auf. 1906 wurde er zum Stadtsekretär ernannt, 1909 zum stellvertretenden Standesbeamten.

Am 15.08.1910 trat Knutzen das Amt des Gemeindevorstehers in Ahrensburg an. Ein Jahr später leitete er als Amtsvorsteher den preußischen Amtsbezirk Ahrensburg-Woldenhorn.

Im August 1919 übernahm Knutzen kommissarisch das Amt des Landrats des Kreises Stormarn. Zum 01.03.1920 erfolgte nach der Ernennung die reguläre Amtsaufnahme.

Zum 17.03.1933 wurde Knutzen in den Ruhestand versetzt. Er wechselte im September als Referent für vorstädtische Siedlungen an das Regierungspräsidium in Schleswig. 1937 wurde er zur Landesplanungsgesellschaft Schleswig-Holstein abgeordnet.

Lebenslauf

Friedrich Knutzen wuchs als Sohn eines Grützmüllers und Bauern mit vielen Geschwistern in Gangerschild auf. Obgleich er sehr begabt war, blieb ihm eine weiterführende Schule verwehrt. Doch über seine Ausbildung zum Verwaltungsbeamten im mittleren Dienst und durch die Förderung seiner Vorgesetzten in den Stadtverwaltungen Eckernförde und Eutin konnte er eine beispielhafte Karriere als preußischer Beamter absolvieren. Als Kanzleivorsteher und Stadtsekretär wurde er mit den vielfältigen Anforderungen vertraut, die eine Kommunalverwaltung mit sich brachte.

Diese Erfahrungen verhalfen ihm 1910 zur Bestellung als Gemeindevorsteher in Ahrensburg. In dem Villenort legte er den Schwerpunkt seiner Tätigkeit sowohl auf die Förderung des Fremdenverkehrs als auch auf die Ansiedlung von Kauf- und Steuerkraft. Als Amtsvorsteher war er ab 1911 zusätzlich für die Geschicke der umliegenden Gemeinden zuständig.

Von 1912 bis 1919 war Knutzen Abgeordneter im Stormarner Kreistag. Er saß in mehreren Kommissionen und wurde 1918 Mitglied des Kreisausschusses. Während des Ersten Weltkriegs leitete er nebenamtlich die Versorgungskasse II des Kreises Stormarn und war für die Versorgung von 28 Gemeinden mit Lebens- und Futtermitteln zuständig. 1919 trat Knutzen in die linksliberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) ein, der er bis 1933 angehörte. Außerdem wurde er Mitglied der Stormarnloge in Bad Oldesloe.

Am 30.06.1911 hatte Knutzen in Eutin Margarethe Stahmer, Tochter eines Landwirts aus dem benachbarten Röben, geheiratet und eine Familie gegründet. Zu den beiden eigenen Kindern, einer Tochter und einem Sohn, nahm die Familie noch eine Pflegetochter auf.

Im August 1919 nahm Knutzen seine Arbeit im Landratsamt in Wandsbek auf und trat damit in den Staatsdienst ein. Mit den Stimmen von DDP und DNP gegen die SPD war er der erste demokratisch gewählte, zunächst kommissarische Landrat des Kreises Stormarn, außerdem der erste Landrat aus der mittleren Verwaltungslaufbahn. Nach der Wahl des Kreistags am 13.12.1919 erfolgte im Februar 1920 die Ernennung durch den Regierungspräsidenten.

Knutzens erste Bewährungsprobe kam im März 1920 während des Kapp-Lüttwitz-Putsches, wo er besonnen reagierte. Zunächst stand die Beseitigung der Folgen des Ersten Weltkriegs mit andauernder Zwangsbewirtschaftung und der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung im Mittelpunkt seiner Tätigkeit. In den Folgejahren engagierte er sich im Ausbau der Kreisverwaltung und konnte trotz politischer Anfeindungen seine Vorstellungen von der Entwicklung des Kreises vielfach umsetzen. Die Schaffung von Arbeitsplätzen, der Bau von Wohnungen und Siedlungen, die Förderung des Verkehrswesens durch den Bau von Straßen mit Erwerb eines eigenen Steinbruchs sowie die Errichtung von kreiseigenen Autobuslinien trugen dem Bevölkerungswachstum des Kreises und der zunehmenden Mobilität Rechnung.

Aufgrund des Zustandes der Wandsbeker Dienstwohnung erkrankte Knutzen, wie auch seine Familie, an Tuberkulose und musste mehrfach monatelang die Dienstgeschäfte übertragen, so auch 1927 während der Verhandlungen zum Unterelbegebietsgesetz. Knutzen war ein ausgewiesener Kenner der Landesplanung im Hamburger Umland und brachte dies in seiner „Denkschrift über die Wanderungs- und Siedlungsvorgänge im Unterelbegebiet“ (1933) zum Ausdruck.

Bereits 1932 bemühte sich eine Gruppe Stormarner Kreistagsabgeordneter des rechten Spektrums, Knutzen durch Reichskanzler Franz von Papen absetzen zu lassen. Erst nach der "Machtergreifung" der NSDAP wurde er am 17.03.1933 seines Amtes enthoben und in den einstweiligen Ruhestand versetzt. 1934 wurde er Mitglied der NSV und weiterer NS-Organisationen. Dennoch stand er unter Beobachtung der Gestapo.

Obwohl von der NSDAP-Kreisleitung Stormarn heftig angegriffen, erfolgte im September 1933 auf Betreiben des Regierungspräsidenten Anton Wallroth seine Versetzung an die Regierung in Schleswig als Referent für vorstädtische Kleinstadtsiedlungen im Unterelbegebiet. Versuche, ihn durch berufliche Angebote nach Hamburg zu holen, scheiterten. 1937 wurde Knutzen für zwei Jahre als Landesplaner zur Landesplanungsgesellschaft Schleswig-Holstein überstellt, um die Interessen Schleswig-Holsteins bei den Umsetzungen des Groß-Hamburg-Gesetzes zu vertreten.

Knutzen starb 1938 an den Folgen seiner Tuberkuloseerkrankung bei einem Kuraufenthalt.

Bedeutung

Obgleich Knutzens Amtszeit von den Finanz-, Agrar- und Wirtschaftskrisen der Weimarer Republik geprägt war, gelang ihm der Ausbau einer modernen Kreisverwaltung im 1921/22 erbauten Stormarnhaus Wandsbek. 1919 wurden das Kreiswohnungs- und Kreisarbeitsamt errichtet, 1922 folgte das Kreisjugendamt, 1925 das Kreisbauamt und 1928 das Kreiskrankenhaus Stormarn. Sein Engagement prägte wesentlich den infrastrukturellen Ausbau des Kreises. Außerdem genoss Knutzen überregional hohes Ansehen durch seine vielfältigen Kenntnisse der Landesplanung im Hamburger Umland. Die während seiner Stormarner Zeit erworbenen Kenntnisse von Groß-Hamburg waren für die Provinz Schleswig-Holstein sehr wertvoll.

Ehrenämter

Knutzen hatte eine Reihe von Ehrenämtern inne. So saß er in den Aufsichtsräten der Heimstätte Schleswig-Holstein GmbH, der Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahngesellschaft, für die Errichtung eines Wasserwerkes Großensee, der Hessisch-Hannoverschen-Basalt-Union GmbH. Außerdem war er Mitglied des Vorstands der Girozentrale Schleswig-Holstein und der Girozentrale Hannover.

Ehrungen und Preise

1917 wurde Knutzen für seinen Einsatz während des Ersten Weltkriegs das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen.

Persönlichkeiten

Anton Wallroth GND: 1154654702

Vorgänger

Familienname

Knutzen

vollständige Vornamen

Friedrich

Geburtsdatum

13.01.1881

Geburtsort

Gangerschild, Kreis Schleswig-Flensburg

Sterbedatum

11.05.1938

Sterbeort

Todtmoos, Baden-Württemberg

Geschlecht

männlich

Berufe

Verwaltungsbeamter

Funktionen, Rang

Gemeindevorsteher 1910-1919, Amtsvorsteher 1912-1919, Landrat 1919-1933

Ehe-/Lebenspartner

Margarethe Stahmer

Kinder

eine Tochter und ein Sohn

Eltern

Heinrich Knutzen; Anna Katharina Marquardsen

Landrat: Amtsinhaber

Literatur

  • Müller, Henning K.: Die Stormarner Landräte und der Nationalsozialismus. Bad Oldesloe, 2018, GVK: 1040337368
  • Günther, Barbara [Hrsg.]: Stormarn Lexikon. Neumünster, Wachholtz 2003, GVK: 365197653
  • Fischer, Norbert: Das Groß-Hamburg-Gesetz und Stormarns Landrat Friedrich Knutzen über Raumplanung im Hamburger Umland im frühen 20. Jahrhundert. Großhansdorf, ProFunda-Verlag 2012, GVK: 734810261
  • Perrey, Hans-Jürgen: Stormarns preußische Jahre die Geschichte des Kreises von 1867 bis 1946/47. Neumünster, Wachholtz 1993, GVK: 152680373

Weitere Literatur