Friedrich Bölck

Friedrich Bölck war ein politisch und sozial engagierter Bad Oldesloer Kaufmann und Unternehmer. Ihm gehörten zeitweilig mehrere Güter und Herrenhäuser in Stormarn.

Ausbildung

Bölck durchlief bei der Stadtverwaltung Eutin eine Verwaltungslehre.

Beruflicher Werdegang

Nach einer Stelle in einer Anwaltskanzlei wandte sich Bölck gewerblichen Tätigkeiten zu und firmierte ab 1899 als Generalagent, 1902 als Lebensmittelversicherungsinspektor und 1903 als Händler. In letzterem Fall organisierte er einen Direktvertrieb von portionierter Margarine und anderen Produkten, die er mit Handkarren von Haus zu Haus verkaufte. 1907 richtete Bölck in der Oldesloer Mühlenstraße ein Feinkostgeschäft ein, das sich auf Margarine spezialisierte und das er in der Folgezeit zu einem bedeutenden Unternehmen ausbaute.

Lebenslauf

Geboren als Sohn eines Landarbeiters, heiratete Bölck am 21.09.1898 in Eutin die aus Fissau (heute Eutin) stammende Christina Anna Sophia, geb. Beeck, von der er sich in den 1930er-Jahren trennte. Bis 1903 lebte er – mit einem Intermezzo 1902 in Uelzen – in Eutin. 1903 zog er nach Oldesloe und wohnte zunächst in der Heiligengeist-, später in der Salinenstraße.

Aufgrund seiner erfolgreichen unternehmerischen Tätigkeit konnte Friedrich Bölck in den 1920er- und 1930er-Jahren mehrere Güter mit Herrenhäusern erwerben, darunter Trenthorst/Wulmenau, das von Gustav Lahusen übernommene Grabau sowie Gut Borstel (Kreis Segeberg). Er nutzte sie agrarwirtschaftlich, unter anderem für Viehzucht, sowie für seine privaten, gesellschaftlichen und politischen Aktivitäten.

Ab 1933 litt Bölck wegen seiner politischen Orientierung unter der nationalsozialistischen Diktatur und war Anfeindungen, Drangsalierungen und Verfolgungen ausgesetzt. Unter anderem wurde sein Anwesen in der Salinenstraße beschädigt. Daraufhin zog er 1933 in das Grabauer und 1936 in das Borsteler Herrenhaus. Kurz vor seinem Tod verlegte Bölck 1938 seinen Wohnsitz nach Bad Schwartau. Der Unternehmer starb bei einem Autounfall bei Süseler Moor südöstlich von Eutin.

Das Grundstück an der Bad Oldesloer Salinenstraße wurde von seinem Sohn Walther, ein benachbartes Grundstück von seinem Sohn Fritz übernommen. Bölcks Tochter Frieda Wilhelmine Christine, genannt Mimi, lebte auf Gestüt Lasbek und war mit dem bekannten Trabrennfahrer sowie späteren Pferdetrainer und -züchter Walter Heitmann verheiratet.

Werk/Aktivitäten

Aus dem Oldesloer Feinkostgeschäft entwickelte Bölck in den 1920er-Jahren mit seiner Margarine-Vertrieb AG schrittweise ein in Deutschland verzweigtes, ausgefeiltes Verkaufs- und Rabattsystem. Es zählte zeitweilig 68 Filialen, tausende Verteilstellen und über 5.000 Mitarbeiter. Der Direktverkauf erfolgte durch vor Ort von Haus zu Haus ziehende mobile Händler. Die Margarinepackungen waren mit einem immer populärer werdenden Schriftzug versehen, die Verkaufsgefährte einheitlich gestaltet. Bölcks Margarine wurde damit zu einem Markenprodukt.

1926 ließ der Unternehmer an der Oldesloer Lorentzenstraße/Ecke Grabauer Straße eine Verwaltungszentrale sowie neue Produktionsstätten errichten. In Bad Segeberg und Wunstorf übernahm Bölck weitere Margarinefabriken. Von der Unternehmenszentrale in Bad Oldesloe weitete er den Vertrieb seiner Produkte auch über Deutschland hinaus auf benachbarte Staaten aus.

Politisch war Friedrich Bölck für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) aktiv und unterstützte gelegentlich die Sozialdemokratie. 1930 trat er der Radikaldemokratischen Partei (RDP) als linker Abspaltung der DDP bei, der unter anderem der Pazifist Ludwig Quidde angehörte. Auch zählte Bölck, der mit Paul von Schoenaich befreundet war, zu den Mitgliedern der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG). Er stellte ihr vorübergehend seinen Landsitz Trenthorst als Versammlungsort zur Verfügung.

Neben seinen wirtschaftlichen und politischen Aktivitäten war Bölck sozialfürsorgerisch und kulturell tätig. Unter anderem richtete er im Herrenhaus Borstel ein Erholungsheim für die Kinder seiner Kunden und Mitarbeiter ein. 1927 gründete er den „Quartettverein Bölck“ als ein aus Mitarbeitern seiner Zentrale zusammengestelltes, stadtbekanntes Gesangsquartett.

Mit der rigorosen Einschränkung seiner unternehmerischen Tätigkeit, unter anderem dem Verbot seines Warenvertriebssystems, in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur wurde dem Unternehmer die wirtschaftliche Existenzbasis entzogen. Er musste seine Firmen und Güter verkaufen.

Bedeutung

Friedrich Bölck gehört zu den wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich-kulturell prägenden Persönlichkeiten im Stormarn des frühen 20. Jahrhunderts. Sein Unternehmen war in der Zeit der Weimarer Republik deutschlandweit bekannt.

Ehrungen und Preise

Die Stadt Bad Oldesloe benannte eine Straße in der Nähe des früheren Hauptsitzes seiner Firma nach Friedrich Bölck.

Besonderheiten

Im Auftrag Bölcks gestaltete der Itzehoer Künstler Wenzel Hablik 1926 Decke und Wände des Kontorsaals (heute Turnhalle der Theodor-Storm-Schule) sowie eines weiteren Raumes in der Verwaltungszentrale. Das lange Zeit übermalte Werk wurde 2011 restauriert und bildet ein bedeutendes Zeugnis des Expressionismus in Bad Oldesloe.

Friedrich Bölck trug mit einer namhaften Spende 1926 zur Errichtung des von Richard Kuöhl gestalteten Gänselieslbrunnens in Bad Oldesloe bei. Sein ursprünglich auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg errichteter Grabstein wurde nach Ablauf der Ruhefrist am 16.08.2019 transloziert und auf dem Evangelisch-Lutherischen Friedhof Bad Oldesloe neu aufgestellt.

Persönlichkeiten

Walter Heitmann GND: 1120250161
Gustav Lahusen GND: 136240445
Ludwig Quidde GND: 11874318X
Paul von Schoenaich GND: 116859830
Wenzel Hablik GND: 118544217
Richard Kuöhl GND: 118024965

Links

Artikel in der Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_B%C3%B6lck (Zugriff am 23.02.2020)

Familienname

Bölck

vollständige Vornamen

Johann Friedrich Wilhelm

Rufname

Friedrich

Geburtsdatum

16.07.1877

Geburtsort

Oldenburg in Holstein

Sterbedatum

27.09.1940

Sterbeort

Süseler Moor bei Eutin

Begräbnisort

Friedhof Hamburg-Ohlsdorf

Geschlecht

männlich

Berufe

Generalagent, Lebensmittelversicherungsinspektor, Händler, Unternehmer

Funktionen, Rang

Gutsbesitzer

Ehe-/Lebenspartner

Christina Anna Sophia Bölck, geb. Beeck (1875–1962)

Kinder

sieben Kinder: darunter Walther Bölck, Fritz Bölck und Frieda Wilhelmine Christine Bölck

Eltern

Johann Wilhelm Christian Bölck (1851–1933), Sophie Wilhelmine Dorothea Bölck, geb. Langfeld (1855–1918)

Literatur

  • Gröwer, Karin: Trenthorst 1900 bis 2015 ; vom großbürgerlichen Gut mit traditioneller Landwirtschaft zur zukunftsorientierten Forschungsinstitution des ökologischen Landbaus. Westerau-Trenthorst, Förderverein des Inst. für Ökologischen Landbau, Trenthorst e.V. (FOELT e.V.) 2015, GVK: 830213953
  • Moßner, Eckhard: Blick in die Vergangenheit Beiträge zur Dorfchronik Grabau. Grabau, Gemeinde Grabau 1994, GVK: 043600816
  • Lohr, Axel: Friedrich Bölck und die "Marke Bölck". In: Jahrbuch für den Kreis Stormarn ..., Großhansdorf: ProFunda-Verl, Band 31 (2013), S. 50-72, GVK: 1006689583

Weitere Literatur