Erich Friedrich

Erich Friedrich war 1932–1945 Kreisleiter der NSDAP im Kreis Stormarn.

Ausbildung

Erich Friedrich besuchte 1908–1916 die achtjährige Volksschule im niederschlesischen Sommerfeld (heute Lubsko, Polen). Anschließend absolvierte er dort bis 1919 eine Lehre zum Schmied.

Beruflicher Werdegang

Im Anschluss an seine Ausbildung arbeitete Erich Friedrich kurzzeitig in einer Abraumschmiede einer Kohlegrube in Trebendorf bei Spremberg (heute Landkreis Spree-Neiße). Noch im Juni 1919 schloss er sich als Beschlagschmied einer Grenzschutztruppe in Schlesien im Rang eines Schützen an. Es folgten zwei Jahre bei der Marine in Kiel-Wik als Brenner in einer Torpedowerkstatt sowie Arbeit bei der Dr. Kubatz Abwrackwerft in Kiel. Dies war – mit einer kurzen Ausnahme als Monteur 1928/29 – die vorerst letzte reguläre Beschäftigung Friedrichs in seinem Berufsfeld. Danach folgten – außer seinen Tätigkeiten für die NSDAP – lange Perioden der Arbeitslosigkeit. 1933–1945 gehörte er dem Deutschen Reichstag an. Nach 1945 arbeitete Friedrich wieder als Schmied.

Lebenslauf

Erich Friedrich wuchs als ältestes von sieben Kindern in einfachen Verhältnissen auf und musste sich in dieser Zeit nebenbei als Kuhhirte verdingen. Politisch radikalisierte er sich in Kiel während der Weimarer Republik, u. a. als Angehöriger des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbunds. Bereits 1925 schloss sich Friedrich der NSDAP unter der Mitgliedsnummer 7.581 an und gehörte schnell zu den führenden Mitgliedern der Kieler Ortsgruppe.

Nach einer kurzen Tätigkeit als Kreisleiter der NSDAP im damaligen Kreis Bordesholm entsandte ihn die Gauleitung im Oktober 1932 nach Stormarn, um dort – folgend auf Heinrich Backhaus und Heinrich Scheele – die Aufgabe als Kreisleiter der NSDAP zu übernehmen. Friedrich griff politisch und verbal zunächst den gewählten Landrat Friedrich Knutzen an und untergrub dessen Stellung.

Ab 1933 setzte Friedrich vehement NS-Politik im Kreis um, etwa bei der Verfolgung politischer Gegner oder bei der Umformung von Gesellschaft und Institutionen im Sinne der NS-„Volksgemeinschaft“. Von April bis Juli 1933 saß er für die NSDAP im Stormarner Kreistag und von April 1933 bis September 1939 im Kreisausschuss. Im Dauerkonflikt mit den wechselnden Landräten, insbesondere Constantin Bock von Wülfingen und Erich Keßler, entwickelte sich Friedrich zum maßgeblichen politischen Anführer in Stormarn, gekennzeichnet durch ausgeprägtes Machtbewusstsein sowie einer Neigung zu verbaler und physischer Gewalttätigkeit. Sein markantes Auftreten war zunächst Garant für den Erfolg des Regimes.

Zu Friedrichs – wie auch des Bürgermeisters Franz Wilhelm Kieling – politischen Hauptprojekten gehörte der Ausbau Bad Oldesloes zum politischen und administrativen Zentrum des Kreises. Das war ein wichtiger, aber nicht der einzige Reibungspunkt mit den Inhabern des Landratsamts, das er aus Wandsbek verlegt sehen wollte.

In der Endphase des Zweiten Weltkriegs übernahm Friedrich als kommissarischer Gauorganisationsleiter der NSDAP die Aufsicht über den Stellungsbau an der Westküste Schleswig-Holsteins. Vertreten als Kreisleiter wurde er kommissarisch durch den Reinfelder Bürgermeister und Ortsgruppenleiter der NSDAP Max Böhmker.

Nach Kriegsende verhaftet, durchlief Friedrich die Internierungslager Neumünster-Gadeland, Eselheide und Staumühle. Ein Spruchgericht verurteilte ihn im April 1948 zu dreieinhalb Jahren Haft. Nach seinem Entnazifizierungsverfahren lebte er ab 1950 unbehelligt und unauffällig in Bad Oldesloe.

Bedeutung

Als ranghöchster Repräsentant des Nationalsozialismus in Stormarn galt Erich Friedrich als politische Schlüsselfigur und stellte den Typus des vielseitig einsetzbaren, durchsetzungsfähigen und loyalen Parteifunktionärs dar.

Ehrungen und Preise

1944 Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse

Persönlichkeiten

Friedrich Knutzen GND: 116262710
Constantin Bock von Wülfingen GND: 127859047
Erich Keßler GND: 1031688250
Franz Wilhelm Kieling GND: 1013152573

Familienname

Friedrich

vollständige Vornamen

Erich Karl

Rufname

Erich

Geburtsdatum

25.09.1901

Geburtsort

Sommerfeld (heute Lubsko, Polen)

Sterbedatum

14.01.1971

Sterbeort

Bad Oldesloe

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch bis 1937, danach "gottgläubig"

Berufe

Schmied

Funktionen, Rang

Kreisleiter der NSDAP 1932-1945, kommissarischer Gauorganisationsleiter der NSDAP und Gaubeauftragter der NSDAP für den Bau des „Friesenwalls" 1944/45

Ehe-/Lebenspartner

Lili Friedrich, geb. Hamann

Kinder

zwei Söhne, eine Tochter

Eltern

Karl Friedrich, Minna Friedrich, geb. Gläser

Strukturansicht

Literatur

  • Sebastian Lehmann: Kreisleiter der NSDAP in Schleswig-Holstein. Lebensläufe und Herrschaftspraxis einer regionalen Machelite. Bielefeld, Verlag für Regionalgeschichte 2007, GVK: 512672008
  • Müller, Henning K.: Die Stormarner Landräte und der Nationalsozialismus. [Bad Oldesloe], Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn 2018, GVK: 1040337368
  • Perrey, Hans-Jürgen: Stormarns preußische Jahre die Geschichte des Kreises von 1867 bis 1946/47. Neumünster, Wachholtz 1993, GVK: 152680373

Weitere Literatur