Duvenstedter Brook

Der Duvenstedter Brook ist ein Naturschutzgebiet im Nordosten Hamburgs. Bis 1937 gehörte der größte Teil der Fläche zum Kreis Stormarn.

Geschichte

Die norddeutsche Bezeichnung „Brook“ beziehungsweise „Bruch“ steht für ein sumpfiges, von Wasser durchzogenes Gehölz und Gelände. Die Landschaft des Duvenstedter Brooks entstand vor rund 15.000 Jahren durch die letzte Eiszeit. Zurückziehende Gletscher formten flache Hügel und Senken, wo sich im Laufe der Jahrtausende Bruch- und Mischwälder sowie Teiche und Moore entwickelten.

Ab dem Mittelalter nahm die Nutzung des Gebietes durch den Menschen als Ackerfläche und gemeinschaftliche Weide – die Allmende – stetig zu. Auch durch Torfabbau und großflächige Rodungen prägten Menschen weiterhin die Landschaft. Im 17. Jahrhundert entwickelten sich zwischen dem hamburgischen Wohldorf, dem Amt Tremsbüttel und dem Kanzleigut Tangstedt jahrzehntelange Grenz- und Besitzstreitigkeiten und Nutzungskonflikte um den Brook als Jagdrevier und Viehweide.

Die Stadt Hamburg kaufte 1925 circa 200 Hektar des damals größtenteils zum Kreis Stormarn gehörenden Gebiets von dem Duvenstedter Kaufmann Hermann Wünsch. Der restliche Teil gelangte durch das Groß-Hamburg-Gesetz vom 26.01.1937 ebenfalls in den Besitz Hamburgs. Nach der Ausweisung als Naturschutzgebiet 1958 begannen ab 1970 Renaturierungsmaßnahmen zugunsten der Moore und Bruchwälder.

Flora und Fauna

Der Duvenstedter Brook zeichnet sich durch großen Artenreichtum aus. Bei Zählungen wurden unter anderem über 600 Pflanzenarten festgestellt. Typisch für die feuchten Bruchwälder sind Moorbirken und Erlen. Auf Wiesen und ehemaligen Weiden finden sich diverse Gräser, auf den charakteristischen Nass- und Feuchtwiesen wachsen zum Beispiel Sumpfdotterblumen und Wiesenknöterich, aber auch Orchideen wie das Breitblättrige Knabenkraut.

Das nährstoffarme Hochmoor besteht aus schwingendem, hochgewölbtem Torfmoosrasen und Wollgrasarten. In den nährstoffreichen Niedermooren wachsen Großseggen, Röhricht sowie Erlenbruchwald. Aus ehemaligen Moorflächen haben sich große Heideflächen unter anderem mit Besenheide und Glockenheide entwickelt. Diverse Gräben, Bäche und Teiche durchziehen die Landschaft. An und in ihnen finden sich große Bestände von Wasserlinsen und Wasserfeder.

Die Gewässer sind wichtiger Lebensraum für zwölf Amphibien- und Reptilienarten wie Kreuzotter, Moor- und Laubfrosch. Fast 100 Vogelarten nutzen den Duvenstedter Brook als Brutplatz. Hier findet sich eine große Population von wieder angesiedelten Kranichen. Eisvögel, Neuntöter und Seeadler werden regelmäßig gesichtet. Außerdem ist der Brook bekannt für die gut zu beobachtende Brunft von Rot- und Damwild.

Ökologische Bedeutung

Der Brook bildet einen bedeutenden Lebensraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten, die auf der Roten Liste stehen. Seit 1983 ist der Duvenstedter Brook als Europäisches Vogelschutzgebiet sowie seit 1997 als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet ausgewiesen.

Wiemerskamp: Wanderweg in den Duvenstedter Brook, 1969

Nutzung

Der Duvenstedter Brook ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Um den Schutz der Tiere und Pflanzen zu gewährleisten, gibt es in dem Gebiet nur wenige Wanderwege. Einige davon sind zur Zeit der Kranichbrut (März bis Juli) sowie der Brunft des Rot- und Damwildes (September bis Oktober) gesperrt. Für Interessierte stehen Beobachtungsstände zur Verfügung.

Besonderheiten

Im Duvenstedter Triftweg befindet sich das naturkundliche Informationszentrum „Brook-Hus“.

Bereits aus der Zeit um den Beginn der christlichen Zeitrechnung liegen Hinweise auf Eisenverhüttung im Duvenstedter Brook vor. So wurden dort Ofenreste und Schlacken gefunden.

Ab 1938 ließ der Reichsstatthalter Hamburgs Karl Kaufmann große Teile des Duvenstedter Brooks auf Kosten der Stadt Hamburg durch Insassen der Staatlichen Wohlfahrtsanstalten einzäunen. Mit der Ansiedlung von Rot- und Damwild legte er ein Wildgehege an. Am 10.01.1939 erklärte Kaufmann ein 287 Hektar großes Gebiet zum Naturschutzgebiet und entzog es so der Zugänglichkeit der Bevölkerung. Durch Ausnahmegenehmigungen, die er sich selbst erteilen konnte, ging Kaufmann dort weiterhin der Jagd nach.

Persönlichkeiten

Karl Kaufmann GND: 119367270

Links

Verordnung über das Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook vom 29. Juli 1958: https://www.hamburg.de/contentblob/4122830/965619940bb75f0a83503d6eed1bd9ce/data/karte-verordnungstext-nsg-duvenstedter-brook.pdf (Zugriff am 12.02.2020)

Informationen des NABU zu Flora und Fauna im Duvenstedter Brook: https://hamburg.nabu.de/natur-und-landschaft/duvenstedter-brook/lebensraeume.html (Zugriff am 12.02.2020)

Karte zur Flächenverteilung der Biotope im Duvenstedter Brook: https://www.hamburg.de/contentblob/4354576/3dfc10e661c343b704aad68618470e95/data/wanderkarte-nsg-duvenstedter-brook-nsg-wohldorfer-wald.pdf (Zugriff am 12.02.2020)

Datierung Schutzstellung

29.07.1958

Begründung Schutzstellung

Ziel der Schutzstellung von 1958 war die Erhaltung und Entwicklung der Torf- und Niedermoore, der Röhrichte, Feuchtwiesen, Heiden, Fließ- und Stillgewässer sowie der Bruch- und Auwälder. Diese stellen einen wichtigen Lebensraum für besonders gefährdete Tier- und Pflanzenarten dar.

Lage

Der Duvenstedter Brook liegt im äußersten Nordosten Hamburgs im Stadtteil Wohldorf-Ohlstedt unmittelbar an der Grenze zum Kreis Stormarn. Die Gemeinden Tangstedt, Jersbek und Ammersbek umschließen den Duvenstedter Brook von Westen über Norden nach Südost. An den Duvenstedter Brook grenzen weitere Naturschutzgebiete (NSG): im Südwesten das Hamburger NSG Wohldorfer Wald, südöstlich liegen die zu Stormarn gehörenden NSG Ammersbek-Niederung, sowie östlich das NSG Hansdorfer Brook. Die hier in Nord-Süd-Richtung verlaufende Grenze zu Stormarn ist als Wasserlauf, als sogenannter Scheidegraben sichtbar, der auf einen Grenzvergleich von 1806 zurückgeht. Auch der 1750 festgelegte Grenzverlauf in West-Ost-Richtung zwischen dem damals holsteinischen Gebiet und dem seit 1437 zu Hamburg gehörenden Wohldorf, der bis 1937 seine Gültigkeit behielt, lässt sich noch an einem Grenzwall und fünf erhaltenen Grenzsteinen ablesen.

14 400
Duvenstedter Brook local_florist 53.7252560000 10.1686190000

GPS-Standort

53° 43' 30'' N, 10° 10' 7'' O

Größe

7,8 km2

höchster Punkt

39 M über NN

tiefster Punkt

21 M über NN

Literatur

  • Schreyer, Alf: Der Scheidegraben am Duvenstedter Brook. In: Unsere Heimat, die Walddörfer: Zeitschr. für Heimatkunde u. Heimatpflege in d. hamburg. Walddörfern u. d. benachbarten Stormarn: Mitteilungen von "De Spieker", Gesellschaft für Heimatpflege und Heimatforschung in den Hamburgischen Walddörfern e.V, Ammersbek: M+K Hansa-Verl, , No. 4 (1986), S. 66-67, GVK: 345600495
  • Brockmöller, Walter: Eisenverhüttung in Norddeutschland (Duvenstedter Brook) ein historischer Rückblick. In: Jahrbuch des Alstervereins e. V, Hamburg-Bergstedt: Alsterverein, Band 65 (1989), S. 16-21, GVK: 335142249
  • Der Duvenstedter Brook. Hamburg, M + K Hansa-Verl. 1976, GVK: 039756815
  • Walden, Hans: Untersuchungen zur Geschichte des Duvenstedter Brooks. In: Mitteilungen zum Natur- und Umweltschutz in Hamburg, Hamburg: Naturwacht Hamburg e.V, , No. 3 (1987), S. 4-54, GVK: 1026892775
  • Weidlich, Roswitha: Der Duvenstedter Brook seine geschichtliche und landschaftliche Entwicklung. Hamburg, Behörde für Umwelt und Energie Hamburg 2015, GVK: 88464149X

Weitere Literatur