Drahtmühle Grönwohld

Das heute Drahtmühle genannte Gebäude entstand 1823 als Papierfabrik (Papiermühle) am südlichen Abfluss des Lütjensees.

Außenarchitektur

Der langgestreckte, schmale Fachwerkbau mit zwei Voll- und zwei Dachgeschossen gründet mit seinem westlichen Giebel am Damm des Drahtteiches. Im Erdgeschoss sind hier die Wände, durch einen Ringanker aus Beton gesichert, als Feldsteinmauerwerk ausgeführt, gefolgt von Fachwerk mit Ziegelsteinfüllungen. Das Obergeschoss ist vollständig als Fachwerkbau errichtet. Das mit roten Ziegeln gedeckte Satteldach besitzt beidseitig je zwei Reihen mit 30 m langen, durchgehenden Gauben.

Am Westgiebel liegt im Obergeschoss der Eingang. Der Balken über der Tür mit der Jahreszahl 'Anno 1738' stammt von dem ehemaligen Schulgebäude des Grönwohlder Ortsteils Drahtmühle. In der Mitte des Untergeschosses befinden sich auf der Süd- und Nordseite zwei Tore als ehemalige Durchfahrt. Auf beiden Seiten führt eine Brücke über den Graben.

Auf der Südseite des Dammes befinden sich neben dem Haus der Überlauf und auf der Nordseite der Grundablass des Drahtteiches.

Innenarchitektur

Das Mühlengebäude wurde nach dem Besitzerwechsel ab 1975 von Heu und Stroh geräumt und zu großzügigen Wohn- und Atelierräumen mit neuen Holzfußböden und -decken ausgebaut. In der Mitte des Gebäudes verbindet eine gewinkelte Holztreppe beide Geschosse. Die Küche im Obergeschoss besitzt von dem Künstler Horst Wohlers bemalte weiß-blaue Kacheln.

Das untere Dachgeschoss ist teilweise zu Wohnräumen ausgebaut.

Gebäude während der Sanierung, Ende 1970er Jahre

Geschichte

Der Name Drahtmühle des Gebäudes und des Ortsteiles stammt vom Vorgängerbau. Dieser gehörte mit der benachbarten Messingmühle und Kupfermühle auf Lütjenseer Gebiet zum bedeutenden Besitzkomplex der Hamburger Kaufmannsfamilie Amsinck. Deren Betriebe wurde durch Erbpachtverträge mit dem Amt Trittau abgesichert.

Die alte Drahtmühle war 1616 von den Brüdern Peter und Abraham von Pieren zunächst als Kupfermühle gegründet worden. 1647 wurde deren Schwager Rudolf Amsinck Mitbesitzer.Die Drahtmühle war spezialisiert u. a. auf die Herstellung feiner Drähte, die für Musikinstrumente und Litzen von Schulterstücken für Uniformen eingesetzt wurden.

1817 erwarb der Lübecker Kaufmann und Reeder Simon Hasse das Grundstück der alten Drahtmühle mit ihren Nebengebäuden und ließ das heutige Gebäude 1823 an Stelle des abgebrochenen alten Bauwerks und unter Verwendung von dessen Fundamenten und einigen Bauteilen im westlichen Bereich neu errichten. Es wurde zur Herstellung von Papierbögen und Pappe genutzt. Der Antrieb erfolgte ursprünglich durch ein oberschlächtiges Mühlrad auf der Südseite. 1886 wurde eine Dampfmaschine angeschafft, die eine 10 m lange Transmissionswelle antrieb.

Nach Aufgabe der Produktion kurz vor dem Ersten Weltkrieg übernahm durch Heirat die Familie Scharnberg den Komplex. Diese nutzte das Mühlengebäude für ihren landwirtschaftlichen Betrieb als Scheune, die 1974 vom Vorbesitzer, dem Bildhauer Ferdinand Mathiszik, an das Ehepaar Horst und Helga Wohlers verkauft wurde. Sie führten ab 1975 eine grundlegende Sanierung durch und richteten die Innenräume als Wohn- und Atelierräume her. Nach ihrem Tod 2019 und 2020 wurden weitere Wohnräume abgeteilt und ausgebaut.

Bedeutung

Die Drahtmühle ist der älteste erhaltene Industriebau in Stormarn.

Nutzung

Das Gebäude wird als Wohn-, Atelier- und Ausstellungsgebäude genutzt.

Erhaltungszustand

Es ist in einem befriedigenden Zustand.

Besonderheiten

Im Untergeschoss in der Südwestecke steht eine alte Wasserturbine mit einem gusseisernen Rad, die wohl aus dem Jahr 1914 stammt.

Jenseits der Brücke vor dem südlichen Tor stehen die Reste einer großen hölzernen Papierpresse. Erhalten ist auch ein eiserner Wetterhahn mit der Jahreszahl 1725.

Ein Ring von einst rund 80 Grenzsteinen - mit MG (Mühlengrenze) und einer laufenden Ziffer bezeichneten -, sowie ein Wasserpass-Stein mit der Nummer 74 aus dem Jahr 1750 umgeben den Drahtteich und signalisieren dessen maximale Stauhöhe für die umgebenden Wiesen und Äcker.

Persönlichkeiten

Simon Hasse
Amsinck, Familie GND: 123802245
Ferdinand Mathiszik GND: 174322712
Horst Wohlers

Datierung Schutzstellung

09.08.1972

Begründung Schutzstellung

Das Gebäude der Drahtmühle ist aus geschichtlichen und technischen Gründen ein erhaltenswertes Kulturdenkmal.

14 400
Drahtmühle Grönwohld business 53.6384090000 10.3982760000

Ort

Drahtmühle 13, 22956 Grönwohld

GPS-Standort

53° 38' 18'' N, 10° 23' 53'' O

Auftraggeber

Simon Hasse

Planer/Architekt

H. H. Siemers, Kirchsteinbek

Errichtungsdatum

1823, auf Resten des Vorgängerbaus.

Literatur

  • Knorr, Martin: Von den Mühlen-Grenzsteinen der drei Amsinckschen Kupfer-, Messingschläger- und Drahtmühlen bei Grönwohld. Neumünster, Wachholtz 1983, In: Denkmalpflege in Stormarn, S. 161-166., GVK: 100339082X
  • Wohlers, Helga und Horst: Die Drahtmühle in Grönwohld. Neumünster, Wachholtz 1983, In: Denkmalpflege im Kreis Stormarn, Neumünster: Wachholtz, (1983), S. 96-102, GVK: 100339017X
  • Lange, Wolfgang: Die Grönwohlder Mühlen. Großhansdorf, In: Jahrbuch für den Kreis Stormarn, Jg.. 18.2000, S. 39-55, GVK: 1006218009
  • Piezonka, Beatrix: Kupfermühlen zwischen Hamburg und Lübeck : Eine Regionalstudie der technologischen und sozioökonomischen Bedingungen des vorindustriellen Kupfergewerbes. Hamburg, 1985, GVK: 344011968
  • Knorr, Martin: Aus der Geschichte der Drahtmühle zu Grönwohld, der dazugehörigen Kupfermühle und der Messingschläger-Mühle ..., die sich 200 Jahre lang im Besitz der Hamburger Kaufmannsfamilie Amsinck befanden .... 1984, GVK: 341731064

Weitere Literatur