Detlev von Bülow

Der Verwaltungsjurist und spätere Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein, Detlev von Bülow, war von 1887 bis 1894 preußischer Landrat des Kreises Stormarn.

Ausbildung

Detlev von Bülow erhielt Privatunterricht auf dem elterlichen Gut Bothkamp (heute Kreis Plön) bei Kiel, ehe er ab Herbst 1868 das Alte Gymnasium in Flensburg besuchte. Krankheitsbedingt konnte er sein Abitur erst 1875 ablegen. Im selben Jahr begann er das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität in Bonn und setzte es an den Universitäten Leipzig (1876/77), Kiel (1877/78) und Berlin (1878/79) fort. Im März 1879 legte er die Erste juristische Staatsprüfung am Königlichen Kammergericht Berlin ab.

Beruflicher Werdegang

1879 kam Detlev von Bülow als Referendar an das Oberlandesgericht Frankfurt am Main, von wo er an das Amtsgericht und das Landgericht abgeordnet wurde. Obgleich er kein abgeschlossenes Studium der Staatswissenschaften vorweisen konnte, erreichte er 1881 wegen guter Leistungen die Zulassung als Referendar am Regierungspräsidium Potsdam. 1885 erfolgte seine Beförderung zum Regierungsassessor und der Wechsel an das Regierungspräsidium in Schleswig. In den folgenden zwei Jahren übernahm er zwei Mal eine monatelange Vertretung des Eckernförder Landrats. Eine weitere Vertretung ab 03.05.1887 im Landratsamt in Wandsbek mündete schließlich in seine Ernennung zum Landrat des Kreises Stormarn am 20.10.1887. Zum 01.07.1894 erfolgte sein Ausscheiden aus dem Staatsdienst aus Krankheitsgründen. 1907–1914 übte Bülow das Amt des Oberpräsidenten der Provinz Schleswig-Holstein aus.

Lebenslauf

Detlev von Bülow stammte aus einer ursprünglich mecklenburgischen Adelsfamilie, die auf Gut Bothkamp ansässig war. Sein Vater, Gutsbesitzer und großherzoglich-mecklenburgischer Kammerherr, war nach der Beteiligung an der Schleswig-Holsteinischen Erhebung 1850 für einige Jahre in das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin gezogen, wo der Sohn 1854 geboren wurde.

Als Student trat Detlev von Bülow 1876 in das Corps Borussia Bonn ein. 1876/77 diente er als Einjährig-Freiwilliger beim Königs-Husaren-Regiment zu Bonn, wo er im Oktober 1879 zum Sekonde-Lieutenant der Reserve befördert wurde. Kurz darauf ließ er sich in das Schleswig-Holsteinische Husaren-Regiment „Kaiser Franz Josef von Österreich, König von Ungarn“ Nr. 16 in Schleswig versetzen.

Am 18.08.1888 heiratete Bülow auf Gut Eschelsmark (heute Kosel, Kreis Rendsburg-Eckernförde) Magna von Wedderkop. Das Paar bekam drei Töchter und einen Sohn.

Während Bülows Amtszeit wurde die neue Kreisordnung für die Provinz Schleswig-Holstein von 1888 eingeführt, was zu einer großen Ausweitung der Aufgaben des Landratsamtes und der Kreisverwaltung führte. Das Landratsamt in Wandsbek wurde 1889 durch Zukauf eines angrenzenden Gebäudes den vermehrten Aufgaben von Verwaltung und Kreispolitik angepasst sowie eine Kreisbibliothek und ein Archiv eingerichtet.

Zudem stellte der Landrat frühzeitig die Weichen für die künftige schleswig-holsteinisch–hamburgische Verkehrs- und Raumplanung mit Einbindung des Kreises Stormarn. Weiterhin fanden Überlegungen zur Errichtung einer Kleinbahn zwischen Wandsbek und Trittau – sie mündeten später und mit anderem Verlauf in den Bau der Südstormarnschen Kreisbahn – zur gewerblichen Förderung der Region statt. Mit Errichtung des Wasserwerks Großensee 1892 sowie von Kreisstraßen setzte sich der Ausbau der Infrastruktur fort. Ein weiteres Anliegen Bülows war die Siedlungsplanung im Süden des Kreises, da hier durch Industrialisierung und Gewerbeausbau die Bevölkerungszahlen stark angestiegen waren. Außerdem setzte sich er sich für die Errichtung weiterer Schulen ein.

Wegen zunehmender Arbeitsüberlastung und daraus resultierender gesundheitlicher Probleme schied Bülow 1894 aus dem Amt aus. In den folgenden Jahren verwaltete er sein ererbtes Fideikommiss Bossee (heute Westensee/Kreis Rendsburg-Eckernförde). Er ließ das Herrenhaus 1897 umgestalten und modernisierte den Wirtschaftshof. Zur Wasserversorgung des Gutes wurde ein Wasserturm errichtet.

Von 1907 bis 1914 kehrte er als Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein in den Staatsdienst zurück. Er bekleidete weitere Ämter als Königlich Preußischer Kammerherr sowie seit 1914 als Wirklicher Geheimer Rat. Er war Ehrenritter des Johanniterordens.

Bedeutung

Während Detlev von Bülows Amtszeit wuchs der Kreis Stormarn auf über 80.000 Einwohner an. Der Landrat legte sowohl den Grundstein für den weiteren Ausbau der Kreisverwaltung aufgrund zunehmender Aufgaben als auch für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung und Siedlungspolitik sowie den Ausbau der Infrastruktur Stormarns.

Ehrenämter

Für den Wahlkreis Wandsbek–Stormarn saß Detlev von Bülow als Mitglied der Freikonservativen Partei im Preußischen Abgeordnetenhaus (1889–1907).

Ehrungen und Preise

1916 Ehrenbürger der Stadt Friedrichstadt

Persönlichkeiten

Friedrich Gustav von Bülow GND: 117639389

Vorgänger

Nachfolger

Familienname

Bülow, von

vollständige Vornamen

Detlev Wilhelm Theodor

Rufname

Detlev

Geburtsdatum

16.04.1854

Geburtsort

Schwerin

Sterbedatum

11.02.1926

Sterbeort

Bad Wildungen (Hessen)

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Verwaltungsjurist

Funktionen, Rang

Landrat 1887–1894, Oberpräsident 1907–1914

Ehe-/Lebenspartner

Magna Bertha Jenny von Bülow, geb. von Wedderkop (1867–1947)

Kinder

drei Töchter, ein Sohn

Eltern

Friedrich Gustav von Bülow (1817–1893), Thekla Wilhelmine Friederike Louise von Bülow, geb. von Holstein (1819–1903)

Landrat: Amtsinhaber

Literatur

  • Perrey, Hans-Jürgen: Stormarns preußische Jahre die Geschichte des Kreises von 1867 bis 1946/47. Neumünster, Wachholtz 1993, GVK: 152680373

Weitere Literatur